Die Städte waren damit Pioniere für eine Entwicklung, die in vielen weiteren europäischen und deutschen Städten umgesetzt wurde. Die Abkürzung TINK steht für Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen.
Gemeinsam entwickelten beide Städte das neuartige Angebot, Transporträder mittels App rund um die Uhr spontan anmieten zu können. Ende Juli 2016 eröffneten sie ihre Transportrad-Mietsysteme zu einer Zeit, in der diese Räder weitgehend unbekannt auf deutschen Straßen waren.
Das Angebot wurde gut angenommen: in den ersten beiden Projektjahren wurden die Räder von rund 10.000 registrierten Nutzenden über 20.000 mal ausgeliehen, dabei radelten sie rechnerisch mehr als fünfmal um die Erde. Die umwelt-psychologische Begleitforschung durch die E-Fect eG zeigte, dass die Hälfte der Nutzenden auf Autofahrten verzichtete.
Die Erkenntnis, dass solche Angebote zur Verkehrsentlastung beitragen, wurde nach Aussage von TINK in Folgeprojekten immer wieder bestätigt. Viele Nutzende schafften sich nach der positiven Erfahrung eigene Transporträder an, einige ersetzten dadurch sogar ihr Auto. Mittlerweile sind Transporträder Normalität in den deutschen Groß- und Mittelstädten.
„TINK ist ein Erfolgsprojekt, auf das wir als Fahrradstadt stolz sind. Es prägt heute das Stadtbild und ist für viele Menschen selbstverständlich zum Transportmittel im Alltag geworden“, so der Konstanzer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn, der damals die Eröffnung genauso mitfeierte wie Oberbürgermeister Uli Burchhardt.
Anerkennung erhielt TINK zudem vom Bundesverkehrsministerium, das nicht nur die Startphase aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans förderte, sondern das Projekt im Jahr 2017 auch mit dem Deutschen Fahrradpreis auszeichnete.
Um die Idee weiterzubringen, wurde 2019 in Konstanz die heutige TINK GmbH gegründet. Sie berät seitdem Kommunen rund ums Thema Transport- und Fahrradmietsysteme und führt Pilot- und Forschungsprojekte durch.
So beauftragte der Freistart Bayern im Jahr 2020 das Projekt Lastenrad Bayern und förderte die Einführung von Lastenrad-Mietsystemen in sieben bayerischen Kommunen. Im selben Jahr folgte das Projekt TINK Netzwerk, wiederum mit Förderung des Bundesverkehrsministeriums, durch das über 30 deutsche Städte und Gemeinden zum Thema Transportrad-Mietsystem vernetzt und unterstützt wurden.
Die Städte Konstanz und Norderstedt bauten ihre Angebote seit dem Start stetig aus. So wurden zusätzlich elektrische Transporträder angeschafft, ergänzt durch normale Mieträder. In beiden Städten ist der Mietradanbieter Nextbike für Service und Betrieb zuständig, in Konstanz unterstützt durch die Südkurier City-Logistik. Während die Trägerschaft in Norderstedt weiterhin durch die Stadt erfolgt, liegt sie in Konstanz mittlerweile bei der Konstanz Mobil GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Konstanz. Das Fahrradmietsystem trägt in Konstanz den Namen Konrad.
