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Accell schließt letzte niederländische Fahrradfabrik – Heerenveen wird Entwicklungsstandort
Die Accell Group, einer der führenden Fahrradhersteller Europas, hat im Rahmen ihres Transformationsprogramms die Schließung des Produktionsstandorts in Heerenveen angekündigt. Damit endet eine 120-jährige Ära der Fahrradproduktion in den Niederlanden. Die Fabrik, in der zuletzt rund 20 Prozent der Accell-Gesamtproduktion gefertigt wurden, soll bis Ende des ersten Quartals 2026 schließen. Rund 160 Arbeitsplätze sind davon betroffen.

Während die Fertigung künftig im ungarischen Werk konzentriert und durch ein Montagezentrum in Dijon (Frankreich) ergänzt wird, bleibt Heerenveen als strategisches Zentrum für Design, Engineering und Support erhalten. Etwa 100 Beschäftigte – überwiegend Ingenieure und Fachkräfte in Entwicklung und Verwaltung – sollen an einem neuen Standort in Heerenveen weiterarbeiten.

„Notwendiger Schritt unter internationalem Kostendruck“

Accell-CEO Jonas Nilsson erklärte: „Die Konsolidierung unserer Produktion erlaubt es uns, Effizienz, Qualität und Innovationskraft zu steigern. Entscheidungen, die zu Entlassungen führen, sind nie leicht. Wir werden die betroffenen Kolleginnen und Kollegen bestmöglich unterstützen.“

Die Schließung reiht sich ein in tiefgreifende Umstrukturierungen: Nach der pandemiebedingten Überproduktion blieb Accell auf großen Lagerbeständen sitzen. Von einem Höchststand von 325.000 Fahrrädern ist der Absatz auf rund 175.000 Einheiten zurückgegangen. Das EBITDA fiel von 140 Millionen Euro (2022) auf nur 12 Millionen Euro (2023). Zusätzlich belastete der kostspielige Rückruf von Babboe-Lastenrädern die Bilanz mit rund 50 Millionen Euro.

Ende einer niederländischen Tradition

Die Fabrik in Heerenveen steht für ein Stück niederländischer Fahrradgeschichte. Seit 1904 wurden hier unter anderem Räder der Marken Batavus, Koga und Babboe gefertigt. Mit der Schließung verschwindet die letzte große Fahrradproduktion aus den Niederlanden.

In den niederländischen Medien reagieren die Gewerkschaften mit scharfer Kritik: Masja Zwart (Gewerkschaftsverbund FNV) sprach von einer „dramatischen Entscheidung“ und verwies auf die Rolle der Investoren KKR und Teslin, die 2022 Accell übernommen hatten. Tristan Westra, vom Gewerkschaftsverbund CNV nannte es „traurig, dass ein so typisches niederländisches Produkt künftig nicht mehr im eigenen Land hergestellt wird“.

Transformation unter „One Accell“-Strategie

Mit der Neuausrichtung verfolgt Accell das Ziel, als integrierter europäischer Player effizienter zu arbeiten. Neben der Reduzierung von Werken wurden die Lagerstandorte von 85 auf aktuell 28 gesenkt – mittelfristig soll die Zahl auf fünf schrumpfen. Gleichzeitig soll der künftige Heerenveen-Hub die Innovations- und Entwicklungsarbeit für alle Accell-Marken bündeln.

Für die Niederlande bedeutet der Schritt von Accell jedoch vor allem eines: das Ende einer langen Tradition im Fahrradbau.

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