International zeige sich, dass Radnutzung nach Einführung einer Helmpflicht deutlich zurückgehe – mit Risiken für Klimaziele, Sharing-Angebote und die Verkehrswende, so die ARGE Fahrrad.
Die ARGE– unter dem Dach des VSSÖ und als Stimme der heimischen Fahrradindustrie – sieht weitreichende Auswirkungen einer Pflichtregelung auf Nutzung, Sicherheit und Verkehrspolitik. Statt Zwang fordert der Verband bessere Rahmenbedingungen für sicheres Radfahren im Alltag.
Kernargumente der ARGE Fahrrad
Laut Verband belegen Erfahrungen aus Australien, Neuseeland und Kanada spürbare Rückgänge der Radnutzung nach Einführung einer Helmpflicht, teils um 30–40 Prozent, bei Jugendlichen noch stärker. Für Österreich würde dies die angestrebte Erhöhung des Radverkehrsanteils gefährden. E-Bikes seien ein Mobilitätsmotor: Sie erhöhen Nutzungshäufigkeit und Jahreskilometer und ersetzen Autofahrten – eine Pflicht würde diesen Trend bremsen.
Aus Sicht der ARGE liegt der stärkste Hebel in der Infrastruktur: 2024 habe es laut Auswertungen keinen einzigen tödlichen E-Bike-Unfall auf Radverkehrsanlagen gegeben; alle 20 Todesfälle seien auf allgemeinen Fahrbahnen passiert, rund die Hälfte der Verunglückten habe einen Helm getragen. Auch bei allen Radfahrenden insgesamt ereigneten sich die meisten tödlichen Unfälle auf Kfz-Fahrbahnen, häufig bei erlaubten Geschwindigkeiten ab 50 km/h. Konsequenz des Verbands: mehr und bessere Radwege, sichere Knotenpunkte und niedrigere Tempolimits innerorts.
Als weiteren Punkt nennt die ARGE die rechtliche Dimension: Ein OGH-Urteil (2 Ob 15/25g vom 23.03.2025) wertet das Fahren ohne Helm als Sorglosigkeit in eigenen Angelegenheiten und erlaubt Kürzungen beim Schmerzensgeld je nach vermeidbarer Verletzungsschwere. Eine gesetzliche Pflicht würde diese Praxis faktisch zementieren und Unfallopfer zusätzlich belasten.
Schließlich verweist die ARGE auf hohe Helmquoten auch ohne Pflicht: In der EU gibt es keine allgemeine Helmpflicht für E-Bikes bis 25 km/h; in der Schweiz tragen laut Erhebungen rund 70 Prozent der Pedelec-Fahrer freiwillig Helm. Analogien sieht man im Skisport in Österreich, wo rund 90 Prozent Helm tragen, obwohl nur Kinder der Pflicht unterliegen. Bewusstseinsarbeit, so der Verband, könne also hohe Quoten erzielen – ohne Zwang.
Vorschläge des Verbands
Die ARGE Fahrrad plädiert für:
· prioritären Ausbau sicherer Radinfrastruktur und Verkehrsberuhigung
· freiwillige Helmförderung via Aufklärung, Handel-/Industrie-Kooperationen sowie Bonus- und Rabattmodelle mit Versicherungen
· und eine klare Kommunikationslinie, die Helmtragen als verantwortungsbewusstes Verhalten positioniert.
Fazit
Eine Helmpflicht für E-Bikes würde aus Sicht der ARGE Fahrrad den Radverkehr schwächen, Klimaziele konterkarieren, Unfallopfer benachteiligen und die Hauptursache – fehlende sichere Infrastruktur – nicht adressieren. Die Botschaft des Verbands bleibt daher: Helme ja – Helmpflicht nein.


