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Aventon schluckt Karbon Kinetics und baut Europa-Zentrale in München
In einem seiner letzten Unternehmens-Newsletter erklärte Richard Thorpe in seiner Rolle als Gründer und Designer von Gocycle-Macher Karbon Kinetics Ltd., sich nun - nach seit November letzten Jahres laufenden intensiven Gesprächen - mit einem »hoch angesehenen und kompetenten Partner aus dem E-Bike-Markt« zusammengeschlossen zu haben. Unter der von ihm nicht näher benannten Muttergesellschaft würde sich für seine hochwertige E-Faltrad-Marke Gocycle ein neues und vielversprechendes Kapitel auftun. Wer den britischen Anbieter übernommen hat und was der sonst noch in Europa vorhat, erfahren Sie hier.
Wurde 2012 von dem gebürtigen Chinesen Jianwei »JW« Zhang in Kalifornien gegründet: der US-amerikanische Fahrrad- und E-Bike-Anbieter Aventon Bikes.Foto: Aventon Bikes

Unsere Recherche startete im Vereinigten Königreich. Anders als in Deutschland handelt es sich beim britischen Handelsregister nicht um ein Gericht, sondern um eine dem heimischen Wirtschaftsministerium unterstellte Verwaltungsbehörde namens Companies House. Hier findet man auch die den Anbieter Karbon Kinetics betreffenden Einträge.

Gründer und Lenker (und seit 31.3. nicht mehr Direktor) »seines Babies« Gocycle-Macher Karbon Kinetics: Richard ThorpeFoto: Karbon Kinetics

Demnach traten sowohl Richard Thorpe als auch Chris Bullick als Direktoren von Karbon Kinetics zum 31. März zurück. Gleichzeitig wurde Jianwei Zhang als neuer Direktor ins Handelsregister eintragen. Zum selben Zeitpunkt übernahm Zhang bei dem Gocycle-Macher »als Einzelperson mit wesentlicher Kontrolle« das Ruder von dem vor seiner Karbon Kinetics- und GoCycle-Gründung als Entwicklungsingenieur bei McLaren Cars Limited arbeitenden Visionär Richard Thorpe. Der bleibt auch weiterhin an Bord seines »E-Bike-Babies«.
Aventon Bikes will in Europa wachsen
Wer ist nun aber besagter Jianwei »JW« Zhang? Der hat im Jahr 2012 den kalifornischen Bikeanbieter Aventon Bikes gegründet. Was einst mit Fixed Gear-Bikes begann, bietet heute eine komplette E-Bike-Range. Dank starker Verkaufszahlen wuchs das Unternehmen in den USA zu einem gewichtigen Player.
Inzwischen gehört eine eigene Fabrik in Zhangs Heimatland China (in der Nähe von Shanghai) mit rund 350 Mitarbeitern dazu. Außerdem arbeitet Aventon Bikes mit anderen Produzenten in Südost-Asien zusammen.
Mittlerweile schielt der US-Bikeanbieter auch nach Europa. Vereinzelte Aventon-Modelle gelangen schon jetzt – zum Beispiel über die Berliner Hostettler-Tochter Hoco GmbH und deren Mailorder-Fahrradshop BMO (alias Bike-Mailorder.de) – in den EU-Markt. Die Bikes, die man bei BMO findet, sind Fixies aus vergangener Zeit. Diese Modelle verkauft Aventon nicht mehr.
Außerdem wurde mit der Ride Aventon Germany GmbH mit Sitz in München bereits im letzten Jahr ein Europa-Standbein ins deutsche Handelsregister eingetragen.
Branchenkenner-Team für Vor-Ort-Geschäft in Europa

Startete bereits zum 1. April als B2B Sales Director Europe bei Aventon Bikes durch: Branchenkenner Oliver Hensche.
Startete bereits zum 1. April als B2B Sales Director Europe bei Aventon Bikes durch: Branchenkenner Oliver Hensche.Foto: Giant Deutschland

Dass Zhang mit Blick auf Europa weitaus größer denkt, belegt der Einstieg des erst letztens bei Giant Deutschland ausgeschiedenen langjährigen Geschäftsführers Oliver Hensche. Der meldete sich offiziell zum 1. April als B2B Sales Director Europe von Aventon Bikes zurück. Nach seiner Rückkehr von dem US-Bikefestival Sea Otter Classic erklärt er auf RadMarkt-Anfrage: »Meine Aufgabe als B2B Sales Director Europe ist es, den europäischen Markteintritt von Aventon erfolgreich zu gestalten, wenn es um den Aufbau des Fachhandels-Vertriebs geht – also klassisch B2B – und zwar für Aventon und ausgehend von Deutschland.« Mehr könne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen – erst recht nicht, welche Rolle Gocycle dabei spielen wird.
Auch neu und als Head of Brand and Marketing Europe bei Ride Aventon Germany GmbH: Malte Homeyer. Er ist von Kiska zu Aventon gestoßen. Dort war er als Lead Strategic Produkt Manager für Fahrräder verantwortlich. Zuvor bekleidete er bereits Führungspositionen bei Specialized Germany und YT Industries sowie der Kiska-Mutter KTM Group. Weitere branchenerfahrene Mitarbeiter sollen folgen.
Advantage Gocycle
Was erhoffen sich Zhang und Team aber nun von der Übernahme des Gocycle-Machers Karbon Kinetics? Aventon selbst will sich zum Zeitpunkt dieser Recherche dazu nicht offiziell äußern. Der Anbieter begründet das mit – was Details dieses Themas betrifft – noch bestehendem Klärungsbedarf.
Wie auch immer: zum einen ist die Übernahme möglicherweise ein guter Einstieg für Aventons wachsende Europa-Pläne. Zum anderen bietet sich für den britischen Anbieter in der aktuellen Krise – Stichwort Synergien – eine effektivere Chance, diese zu meistern. Was auf jeden Fall klar ist: GoCycle wird als eigenständige Marke weitergeführt.
Im oben genannten Newsletter blickte Richard Thorpe – »auch wenn die Fahrradbranche weiterhin mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat und die jüngsten Tarifentwicklungen zu einer gewissen Komplexität geführt haben« – im Namen seines Teams mit einer langfristigen Vision in die Zukunft.
Dafür habe man bereits vor der Übernahme die Weichen gestellt. »Um uns auf die Optimierung unserer Lieferkette für unsere zukünftige `G5´-Produktreihe 2026 zu konzentrieren, haben wir die strategische Entscheidung getroffen, die Produktion unserer bestehenden `G4´-Modelle zu pausieren. Seien Sie versichert, dass wir diese Zeit nutzen, um die Grundlagen für das zu schaffen, was als Nächstes kommt,« erklärt Thorpe im oben erwähnten Gocycle-Newsletter.
Weitere Einzelheiten »über unsere Partnerschaft, unsere Produktions-Standorte und neue Gocycle-Produkte« würden im Laufe des Jahres folgen.

Text: Jo Beckendorff

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