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Ernst Brust: Antriebs- und Systemtechnik entscheiden über Marktführerschaft, nicht das Messekonzept
Die Eurobike 2026 hat nach Einschätzung von Ernst Brust gezeigt, dass sich der technologische Schwerpunkt der Pedelec-Industrie zunehmend nach Asien verlagert. Insbesondere chinesische Hersteller präsentierten hochintegrierte Motor-Getriebe-Einheiten, neue Softwarelösungen und Antriebskonzepte, die nach Brusts Auffassung den künftigen Markt maßgeblich prägen werden, während man sich in Europa und Deutschland mit Struktur- und Messekonflikten befasse.

Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Mikromobilität sagt: „Der eigentliche Wettbewerb findet heute nicht mehr zwischen einzelnen Fahrradmarken statt, sondern zwischen denjenigen, die die beste Antriebs-, Software- und Systemtechnologie entwickeln“. Als Beleg für die Relevanz technologischer Wettbewerbsfähigkeit verweist Brust auf einen Vorgang aus der Automobilindustrie: Volkswagen habe nach Medienberichten die Entwicklungspartnerschaft mit Bosch im Bereich des autonomen Fahrens beendet, weil die bisherigen Fortschritte im internationalen Vergleich nicht mehr ausreichend gewesen seien.

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich nach Einschätzung des Sachverständigen auch in der Fahrradbranche ab. Während asiatische Hersteller ihre Entwicklungsressourcen konsequent in neue Antriebssysteme, Getriebe, Elektronik und Software investierten, werde in Deutschland ein erheblicher Teil der Aufmerksamkeit auf den Wettbewerb zwischen verschiedenen Messekonzepten gelenkt. „Anstatt Kräfte in einen Wettbewerb der Messen zu investieren, sollte sich die Branche auf den internationalen Technologiewettbewerb konzentrieren. Dort entscheidet sich die Zukunft der europäischen Fahrradindustrie“, so Brust.

Mit der neuen europäischen Maschinenverordnung rückt laut Brust künftig das verwendungsfertige Gesamtprodukt stärker in den Mittelpunkt: Bewertet werde dann nicht mehr die einzelne Komponente, sondern das Zusammenspiel von Mechanik, Antrieb, Getriebe, Software und Elektronik als Gesamtsystem. Brust sieht den künftigen Wettbewerb deshalb vor allem über intelligente Systemintegration entschieden: „Nicht die maximale Motorleistung wird über den Erfolg zukünftiger Pedelecs entscheiden. Die Zukunft liegt in intelligenten Gesamtsystemen mit sicherer, reproduzierbarer Beschleunigung, effizienter Software und optimal abgestimmter Antriebstechnik. Die Beschleunigung wird zum entscheidenden Qualitätsmerkmal moderner EPAC-Systeme.“

Sein Fazit zur Messe: Europa verfüge weiterhin über hervorragendes Know-how, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Forschung, Entwicklung und industrielle Innovation aber wieder Vorrang vor internen Struktur- und Messekonflikten erhalten.

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