Erstmals klare Regeln für serielle Hybrid-Pedelecs
Mit der neuen DIN-Norm 31067 liegt erstmals ein eigenständiger technischer und rechtlicher Rahmen für serielle Hybrid-Pedelecs (SH-EPAC) vor. Die Norm definiert eindeutig, unter welchen Bedingungen kettenlose, generatorbasierte Antriebskonzepte als Fahrräder gelten – und grenzt sie klar von leistungsstärkeren E-Fahrzeugen ab.
Kettenlose Pedelecs mit seriellem Hybridandrieb sind mit der neuen DIN-Norm 31067 erstmals rechtlich und technisch genau eingeordnet.Foto: Velotech.de GmbH

Serielle Hybrid-Pedelecs unterscheiden sich konstruktiv von klassischen Pedelecs: Die vom Fahrer erzeugte Tretleistung wird nicht mechanisch über Kette oder Riemen übertragen, sondern ausschließlich elektrisch über einen Generator in den Antrieb eingespeist. Solche Konzepte galten bislang als rechtliche Grauzone. Die DIN 31067 schließt diese Lücke und stellt klar: Serielle Hybrid-Pedelecs sind rechtlich Fahrräder, sofern sie die bekannten EPAC-Grenzwerte einhalten.

Im Kern stellt die Norm SH-EPACs klassischen Pedelecs gleich. Die elektrische Unterstützung ist auf eine Nenndauerleistung von maximal 250 Watt begrenzt und muss sich bei 25 km/h vollständig zurücknehmen. Unterstützung darf nur bei aktivem Pedalieren erfolgen, eine Ausnahme gilt lediglich für eine Rangierhilfe bis 6 km/h.

Neu ist vor allem die technische Präzision der Vorgaben. Die Leistungsbewertung erfolgt nicht isoliert am Motor, sondern am Gesamtsystem Fahrzeug – inklusive Generator, Motor, Elektronik und realer Wirkungsgrade. Damit sollen rechnerische Tricks oder softwarebasierte Umgehungen ausgeschlossen werden, die bislang eine klare Einordnung erschwerten.

„Die DIN 31067 setzt dort an, wo bisher Grauzonen bestanden haben“, erklärt Ernst Brust, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Mikromobilität. „Sie ermöglicht neue Antriebskonzepte, ohne die grundlegenden Sicherheits- und Verkehrsregeln des Fahrradverkehrs aufzuweichen.“

Ein weiterer Schwerpunkt der Norm liegt auf Manipulationsschutz und Funktionssicherheit. Zentrale Parameter wie Höchstgeschwindigkeit, Motorleistung oder Rangierhilfe müssen gegen unbefugte Änderungen abgesichert sein. Sensorik und Steuerungen müssen Manipulationen erkennen, nicht zugelassene Akkus sind ausgeschlossen. Zudem fordert die DIN 31067 für sicherheitsrelevante Steuerungsfunktionen einen definierten Performance Level (PLr c) nach DIN EN ISO 13849, um Risiken wie unbeabsichtigtes Anfahren oder selbstständigen Wiederanlauf zu verhindern.

Mit der DIN 31067 steht der Branche ein Regelwerk zur Verfügung, das Innovation zulässt, ohne das etablierte EPAC-System auszuhöhlen. Serielle Hybrid-Pedelecs werden nicht zum Schlupfloch für leistungsstarke E-Mopeds, sondern klar als Fahrräder mit elektrischer Unterstützung definiert – mit entsprechenden Pflichten, aber auch mit voller rechtlicher Gleichstellung im Fahrradverkehr.

 

 

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