Fahrrad-Branche trauert um Udo Ochendalski
Mit Udo Ochendalski verliert die Fahrradbranche eine prägende Persönlichkeit. Am 29. August ist der 59-Jährige Frechener nach langer Krankheit leider viel zu früh verstorben.
Nicht nur Branchenteilnehmer, sondern unter anderem auch Taktgeber: Udo Ochendalski.Foto: Familie Ochendalski

Der aus der BMX-Szene kommende Irrwisch hatte in den 90er-Jahren mit seinem Großhandel Maxxximum Sport Vertrieb GmbH ein illustres Portfolio amerikanischer MTB-Marken (AMP, Avid, Azonic, Barracuda, Caramba, Grafton, Jamis, King Cycle, Lizard, Ringlé, Sprocket Head, SRP, Turner und Vivo) importiert. Anfangs von der heimischen Ifma-Lobby belächelt, änderte sich das, als der Kölner Messe die Felle Richtung Friedrichshafener Eurobike davon schwammen. So wurde Ochendalski auch kurzfristig (aber zu spät) als Coolness-Faktor beratend von denen engagiert, die den MTB-Boom komplett verschlafen hatten.
Nach den MTB-Boomjahren und dem Aufkommen des E-Bikes gründete der Mann, den einige Branchenkenner auch ehrfürchtig als »deutschen Gary Fisher« bezeichnen, die NC-17 Europe GmbH (Markenspruch: „It’s the Law”). Die Nachfolge seines (O-Ton Ochendalski) »Tuning-Unternehmens« NC-17 hatte er – nachdem von seiner Krankheit erfahren – rechtzeitig durch einen Verkauf gesichert. Geschäftsführender Gesellschafter des heute in Aachen ansässigen Unternehmens ist Klaus Hoenig (der Branche auch als einstiger Mitbegründer von BC GmbH & Co. KG und deren virtuellen Fahrradteile-Plattform Bike-Components alias bc GmbH bekannt).
2010 engagierte sich der NC-17-Gründer auch als Obermeister der Kölner Zweiradmechaniker-Innung. Für den damaligen Jungspund, der so gar nicht in das Bild alter weiser Innungsmeister passte, war diese Aufgabe sehr wichtig. »Als Branchenteilnehmer der ersten Stunde ist es Ehrensache, dass, wenn man etwas aus der Branche herausnimmt, auch etwas zurück gibt – zum Beispiel durch Team Sponsoring. Heute im fortgeschrittenen Alter scheint es mir am sinnvollsten, die gesammelten Erfahrungen in der Handwerks-Politik produktiv im Interesse gleichgesinnter Handwerker einzusetzen, um die handwerkliche Branchen-Intelligenz zu kapitalisieren,« schrieb er damals über seine Beweggründe eines Innungs-Engagments an die Pressevertreter, »alle in meinem Alter haben Anfang der 90er-Jahre mit dem US-amerikanischen Mountainbike-Boom angefangen oder ihn zumindest miterlebt. Wir waren jung und unerfahren in geschäftlichen Dingen oder einfach nur enthusiastisch. Nun sind wir alle weise geworden und die E-Bike stehen vor der Tür. Nun müssen wir uns entscheiden, wollen wir die zweite Markt-Chance, um es anders bzw. besser zu machen, nutzen oder nicht. Aufgrund der Elektrotechnik gibt es bedeutende Interessensgruppen bis hin zu Stromversorgern, die in diesen jungen Markt vorstoßen.

Kam aus der BMX-Szene und hatte ein Gespür für Trends. So kam es, dass sich Udo Ochendalski rechtzeitig zuerst dem aufkommenden Großthema MTB und später dem nachfolgenden Großthema E-Bike nicht nur zuwandte, sondern hier und dort auch beeinflusste.Foto: NC-17

Laut Hoenig hat der NC-17-Gründer von Anfang an das Ziel verfolgt, »Komponenten zu entwickeln, die Radfahrerinnen und Radfahrern ein Maximum an Funktionalität, Haltbarkeit und Fahrspaß bieten. Unter seiner Führung entstand eine Marke, die sowohl im Mountainbike-Bereich als auch im E-Bike-Segment für technische Lösungen und kreative Ideen bekannt wurde«. Für den Unternehmenschef war Udo Visionär, Tüftler und leidenschaftlicher Rad-Enthusiast zugleich: »Mit seinem Engagement, seiner Hartnäckigkeit und seiner Liebe zum Detail hat er nicht nur ein Unternehmen geschaffen, sondern auch einen bleibenden Einfluss auf die Fahrradbranche hinterlassen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von NC-17 sowie die gesamte Community werden sein Vermächtnis in Ehren halten und den Weg, den er vorgezeichnet hat, weiterführen. Unsere Gedanken sind in diesen Tagen besonders bei seiner Familie und seinen Freunden«.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Rest in Peace, lieber Udo – it’s a law!

Text: Jo Beckendorff

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