Die Zeit der „Goldgräberstimmung“ beim Fahrrad-Leasing scheint vorbei. Waren die letzten Jahre, besonders während der Corona-Pandemie, eine Boomzeit, deuten sich momentan Rückgänge bei Neuverträgen an. Genaue Zahlen für das Jahr 2025 gibt es noch nicht. Diese werden laut Elena Laidler-Zettelmeyer, Leiterin Strategische Kooperation beim Branchenverband Zukunft Fahrrad, erst im Frühjahr 2026 erwartet.
Die ersten Prognosen zeigen aber nach unten. Hier ist der Fahrradmarkt auch von den konjunkturellen Schwierigkeiten in Deutschland betroffen. Laidler-Zettelmeyer sieht darin einen Grund für die rückläufige Nachfrage am Leasing-Markt: „Es ist gerade kein Klima, um sich mit Dienstrad-Leasing zu beschäftigen.“ Es gebe eine merkliche Unsicherheit, ob ein Leasing-Vertrag noch Sinn ergibt, wenn der Arbeitsplatz gefährdet ist. Da die aktuellen Probleme allerdings vielschichtig seien, gelte es an vielen Stellen neue Impulse zu setzen, so die Expertin.
Leasing-Laufzeit anpassen
Sören Hirsch, Bereichsleiter Bike beim Leasing-Anbieter Linexo by Wertgarantie, bringt beispielsweise eine Anpassung der Leasing-Laufzeit ins Gespräch. Aktuell werden Leasing-Verträge über 36 Monate abgeschlossen. Diese Laufzeit wurde bei Einführung des Fahrrad-Leasing aus dem Automobilbereich übernommen, scheint sich allerdings in der Praxis als nicht tragfähig für Fahrräder und E-Bikes zu erweisen. „Die Annahme, alle drei Jahre würde ein neues Fahrrad geleast, bewahrheitet sich nicht“, so Hirsch. In der Praxis werde das geleaste Rad nach Ablauf des Vertrages eher zu günstigen Konditionen übernommen als ein neuer Anschlussvertrag abgeschlossen. „Leasing wird als Finanzierungsmodell genutzt“, sagt Hirsch. Durch flexiblere Leasing-Laufzeiten könne ein besseres Anschluss-Leasingmodell entwickelt werden.
Das sieht Till Kaletsch, Marketing-Manager beim Kompakt-E-Bike-Hersteller Isy, ähnlich: „Im Anschluss-Leasing liegt der Hund begraben. Man kauft das Rad nach Ablauf des Leasing-Vertrages, weil man eine Beziehung zum Rad aufgebaut hat. Ein Fahrradkauf ist mit Emotionen verbunden.“ Längere Leasing-Laufzeiten mit günstigeren Raten wäre eine Option. Hinzu komme, dass im Fahrradhandel zu wenig unternommen werde, um die Kunden für ein Anschluss-Leasing zu begeistern, so Kaletsch.
Mehr Prozesse digitalisieren
Ein Grund dafür, da sind sich die Fachleute einig, liegt in der mangelhaften Digitalisierung der Fahrradbranche. So werden Leasing-Verträge zwischen Leasing-Anbieter, Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossen, der Fachhandel dient hingegen nur für die „Radausgabe“ – manchmal sogar ohne Wissen über die Konditionen des Vertrages bzw. Leasing-Modells. Eine gezielte Ansprache der Leasing-Kunden am Ende der Vertragslaufzeit könne der Handel so nicht leisten.
Aufgrund der attraktiven Marktlage sind in den letzten Jahren viele Leasing-Anbieter gekommen, die unterschiedliche Konditionen anbieten. Das sorgt für einen hohen bürokratischen Aufwand im Fachhandel bei der Abwicklung von Service-Anfragen oder Reparaturen, weil meist die Übersicht fehlt, von welchem Leasing-Partner das Kundenrad stammt. Auch die Kundinnen und Kunden wissen das oft nicht. „Wenn wir Prozesse optimieren und digitalisieren, gibt es ein hohes Entwicklungspotenzial“, ist sich Laidler-Zettelmeyer sicher.
Handel besser unterstützen
So könnte auf einfache Weise die Attraktivität von Leasing im Handel wieder steigen. Durch den bürokratischen Aufwand, gepaart mit den aktuell hohen Rabatten beim Fahrradkauf und Abführungen von bis zu sechs Prozent des Kaufpreises an den Leasing-Anbieter verdient der Handel kaum etwas beim Abschluss eines Leasing-Vertrages.
Deshalb brachte der VSF eine Überführungsgebühr ins Spiel, damit der Fachhandel die geringer werdende Marge ausgleichen kann. Diese Gebühr müsste vom Arbeitergeber getragen werden, was das Leasing-Modell für diesen wiederum uninteressanter erscheinen lassen könnte. „Überführungsgebühren sind ein Symptom für strukturelle Probleme. Wir verstehen diese Empfehlung als ein aus den aktuellen Marktbedingungen entstandenes notwendiges Übel“, erklärt Hirsch.
Linexo gehe einen anderen Weg: Anstatt Gebühren vom Fachhandel zu erheben, unterstütze man den Fachhandel durch Provisionen bei abgeschlossenen neuen Leasing-Verträgen. Hirsch sieht nämlich noch ein großes Potenzial bei kleinen Handwerksbetrieben, die für das Leasing begeistert werden könnten und meist mit den örtlichen Fahrradhändlern in Kontakt stehen. Hier könne der Fachhandel bei der Akquise von Neukunden profitieren und wieder für das Thema Leasing begeistern.
Preise stabilisieren
Für Fahrradhersteller ist der Leasing-Markt nämlich immer noch ein attraktives Business. Fast 80 Prozent der geleasten Räder sind E-Bikes, der Durchschnittspreis für geleaste Räder lag 2024 bei 3.720 Euro, so die Zahlen aus einer Studie von Deloitte und Zukunft Fahrrad, also deutlich über den Durchschnittspreisen im Gesamtmarkt.
Auch hier scheint aktuell aber ein Ende erreicht. „Aus Markensicht macht es für uns keinen Sinn, bei den Preisen weiter nach oben zu gehen“, sagt Kaletsch. Insbesondere, weil Unternehmen mittlerweile auch beginnen, den maximalen Leasing-Preis zu deckeln und nicht mehr jedes Fahrrad als leasingfähig anerkennen. Deshalb wird diskutiert, ob man einen Gebrauchtmarkt für Leasing-Rückläufer eröffnet, der unter Einbeziehung des Fachhandels weitere Optionen ermöglicht und so auch Einstiegspreislagen abdecken kann.
Thomas Geisler/mb

