Fahrradwirtschaft positioniert sich gegen E-Bike-Tuning
Die europäischen Verbände unterzeichnen Selbstverpflichtung gegen E-Bike-Tuning und fordern von EU und Mitgliedsstaaten wirksame Kontrollen von Tuning-Kits und gegen illegale Importe.

Bei einem Branchentreffen der europäischen Fahrradwirtschaft in Brüssel hat der europäische Branchen-Dachverband European Cycling Industries (ECI) eindeutig gegen E-Bike-Tuning Position bezogen: Mit Forderungen an die EU und ihre Mitgliedsstaaten, mit einer Selbstverpflichtung der Branche sowie detaillierten technischen Anforderungen für einen wirksamen Manipulationsschutz von E-Bikes. Die deutschen Wirtschaftsverbände ZIV – die Fahrradindustrie und Zukunft Fahrrad haben die Selbstverpflichtung in Brüssel unterzeichnet und wollen mit einem gemeinsamen Maßnahmenbündel in Deutschland gegen illegale E-Bikes vorgehen.

An erster Stelle der politischen Forderungen der Verbände stehen das Unterbinden des unkontrollierten Handels mit Tuning-Kits nach französischem Vorbild und ein gezieltes Vorgehen von Polizei, Zoll und Marktaufsicht gegen meist importierte illegale E-Bikes.

Beides seien wichtige Beiträge für Verkehrssicherheit, Verbraucherschutz und die überwältigende Mehrheit der europäischen Fahrradwirtschaft, die sich an die gesetzlichen Vorgaben für E-Bikes halte.

Mit der Selbstverpflichtung und dem Positionspapier demonstriere die Branche Einigkeit und Entschlossenheit im Kampf gegen Tuning und illegale E-Bikes. Entscheidend für effektive Maßnahmen sei eine präzise Beschreibung von E-Bike-Tuning und illegaler Motorisierung.

Das ECI-Positionspapier legt detailliert dar, was dem Stand der Technik entsprechender Manipulationsschutz in der Praxis bedeutet. In den Anhängen werden Maßnahmen aufgeführt, die von Herstellern umgesetzt werden müssen, mit konkreten Maßstäben für ihre Produktentwicklung. Überwachungsbehörden hilft es zu beurteilen, ob ein System manipulationssicher gestaltet ist oder nur den Anschein davon erweckt und deswegen nicht als dem Fahrrad gleichgestelltes E-Bike verkauft und genutzt werden darf.

Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV: „Hier wird eine wichtige Lücke geschlossen, die nicht nur für die Fahrradwirtschaft, sondern auch für die Marktaufsicht eine genauere Orientierung gibt. So kann ein legales EPAC von einem getunten bzw. tunebaren Fahrzeug unterschieden werden, das dadurch seinen EPAC-Status und damit auch seine Zulassung verliert.“

ZIV und Zukunft Fahrrad planen zudem eine auf der europäischen Selbstverpflichtung basierende deutsche Variante sowie ein gemeinsames Maßnahmenbündel, um in Deutschland gegen illegale E-Bikes vorzugehen.

Branchenentwicklung durch Tuning bedroht

In Deutschland waren im Jahr 2025 mehr als die Hälfte aller verkauften Fahrräder E-Bikes, wobei der Bestand mittlerweile 17 Millionen Stück übersteigt. Diese Fahrzeuge müssen verkehrssicher sein und dürfen Nutzende und weitere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden. Außerdem schafft die Branche Wertschöpfung und Beschäftigung. Durch nicht konforme Produkte wird ein ganzes industrielles Ökosystem aus überwiegend europäischen KMU gefährdet, die die Kosten für Prüfung, Zertifizierung und Dokumentation tragen und im Wettbewerb mit Produkten stehen, bei denen keine dieser Kosten anfallen.

Das vom ECI veröffentlichte Manifest erweitert die Diskussion über Produktmanipulationen hinaus auf das umfassendere Problem nicht konformer Produkte. Diese erreichen europäische Verbraucher insbesondere über Online-Marktplätze, auf denen Waren häufig direkt von außerhalb der EU ansässigen Anbietern verkauft werden, ohne dass ein identifizierbarer Akteur innerhalb der EU-Gerichtsbarkeit für deren Konformität verantwortlich ist.

Das Manifest richtet sich bewusst an ein breites Publikum: politische Entscheidungsträger auf EU- und nationaler Ebene, regionale Behörden, Marktüberwachungsstellen, Verbraucherorganisationen, Versicherer, Plattformen und Verbände aus anderen Produktbranchen, die mit derselben strukturellen Lücke konfrontiert sind. Das Problem sei nicht spezifisch für das Fahrrad, und das Manifest macht deutlich, dass die Reaktion darauf ebenfalls nicht spezifisch sein sollte.

Die Veröffentlichung erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die EU umfassende Reformen durchführt, die sich unmittelbar auf diese Fragen auswirken; das künftige Europäische Produktgesetz könnte die Rechenschaftslücke für Online-Verkäufer außerhalb der EU schließen, ebenso wie die Umsetzung der Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit und des Gesetzes über digitale Dienste. Auch die Arbeiten an den zugrunde liegenden Normen schreiten voran. Die Veröffentlichung geschieht auch zu einem Zeitpunkt, an dem immer stärker motorisierte Fahrzeuge auf den Markt kommen, bei denen die Folgen einer Manipulation noch schwerwiegender sein können.

Schlagworte
Weitere Themen
Wir woanders
Trekking & Radkultur
Das Magazin für E-Bikes
Taktik & Training
Das Branchenmagazin
Club für leidenschaftliche Fahrradfahrer
Community aus sportlichen Radfahrern