Der Obermeister der Zweiradinnung Südniedersachsen, Timo Schriegel, zeigte sich beeindruckt von der großen Resonanz: „Der stetig wachsende Zuspruch in den vergangenen Jahren zeigt, welchen hohen Stellenwert dieser Abschluss für Auszubildende, Familien, Betriebe und das gesamte Handwerk hat. Gemeinsam mit dem Prüfungsausschuss, der Innung und der Berufsbildenden Schule ist es gelungen, diese Freisprechung dorthin zu bringen, wo sie hingehört – in einen angemessenen und wertschätzenden Rahmen.“
Insgesamt wurden 56 Gesellenbriefe überreicht: 14 in der Fachrichtung Motorradtechnik und 42 in der Fachrichtung Fahrradtechnik. Zwei Prüflinge – jeweils einer pro Fachrichtung – konnten die Prüfung nicht bestehen. Die Durchfallquote lag damit erneut auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Gesellenprüfung umfasste theoretische und praktische Prüfungsanteile und erstreckte sich über mehrere intensive Tage. Hierfür wurden viele hundert Arbeitsstunden von Prüfungsausschuss, Lehrkräften und Betrieben gemeinsam erbracht.
In seiner Ansprache hob Schriegel die besondere Bedeutung des Zweiradhandwerks hervor: „Zweiradmechatroniker zu werden ist mehr als nur ein Beruf – es ist eine Berufung. Wir haben hier einen echten Zukunftsberuf, der handwerkliches Können, technisches Verständnis und Verantwortung vereint. Das ist kein Beruf, den Künstliche Intelligenz ersetzen wird.“
Sehr persönlich wurde es, als Schriegel auf seine eigene Ausbildungszeit zurückblickte. Bereits 1998 begann er im Alter von 16 Jahren seine Lehre zum Zweiradmechaniker – ebenfalls an diesem Berufsschulstandort. „Diese Schule, diese Menschen und dieses Umfeld haben mich geprägt. Der Zusammenhalt, den ich damals erlebt habe, ist bis heute geblieben“, so Schriegel.
Generationsübergreifender Zusammenhalt
Dieser generationsübergreifende Zusammenhalt zeige sich auch im heutigen Prüfungsausschuss. Mehrere Mitglieder begleiteten ihn bereits während seiner eigenen Ausbildung und späteren Meisterzeit. So waren einzelne heutige Prüfer damals selbst seine Prüfer: „Genau das macht unser Handwerk aus: Man begegnet sich immer wieder, wächst gemeinsam, übernimmt Verantwortung und gibt Wissen weiter.“
Simon Baum, Vorsitzender des Prüfungsausschusses, betonte die besondere Reichweite der Ausbildung und wies darauf hin, dass die Prüflinge weit über das eigentliche Innungsgebiet hinaus angereist waren – unter anderem aus Cuxhaven, Rostock, Usedom, Dresden, Göttingen, Kassel, Fulda und Bremen. Dies unterstreiche die überregionale Bedeutung der Ausbildung im Zweiradhandwerk.
Baum dankte dem gesamten Prüfungsausschuss für die vertrauensvolle und professionelle Zusammenarbeit sowie den Ausbildungsbetrieben und Familien für die Unterstützung während der Prüfungsphase. Besonders hob er hervor, dass Unterricht und Prüfung erstmals parallel durchgeführt wurden – mit sehr positivem Ergebnis.
Standort Seesen stärken
In diesem Zusammenhang ging Obermeister Schriegel erneut auf den Berufsschulstandort Seesen ein. Aus Sicht der Innung sei es von großer Bedeutung, diesen Standort zu erhalten: „Es wäre äußerst schade, wenn dieser Schulstandort verloren ginge. Hier liegt enormes Potenzial – nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für zukünftige Schulungs- und Weiterbildungsangebote der Zweiradmechaniker-Innung Südniedersachsen.“
Nach der feierlichen Übergabe der Gesellenbriefe und der traditionellen Freisprechung wurden auch besondere Prüfungsleistungen gewürdigt. In der Fachrichtung Motorradtechnik erhielt Gloria Froneck eine Auszeichnung für herausragende Leistungen. In der Fachrichtung Fahrradtechnik wurde Indigo Lian Kara für eine besonders überzeugende Prüfungsleistung geehrt. Den gemeinsamen Ausklang nutzten viele Gäste für einen ausführlichen Austausch.
Die Zweiradmechaniker-Innung Südniedersachsen führt ihre Freisprechungen traditionell in eigener Verantwortung durch – bewusst zeitnah nach Abschluss der Prüfungen. Dadurch wird sichergestellt, dass nahezu alle frisch gebackenen Gesellinnen und Gesellen teilnehmen können und ab diesem Zeitpunkt offiziell freigesprochen sind – einschließlich des Anspruchs auf den Gesellenlohn.
Abschließend warb Obermeister Schriegel für eine aktive Mitwirkung im Prüfungsausschuss und verwies auf die Gesellenwahl am 3. März 2026 vor der Jahreshauptversammlung der Elektromechaniker-Innung. „Wer sich einbringt, gestaltet die Zukunft unseres Handwerks aktiv mit.“
Die Freisprechung 2026 in Seesen zeigte eindrucksvoll, wie lebendig, engagiert und zukunftsorientiert das Zweiradhandwerk in Südniedersachsen aufgestellt ist.


