Kurze Rückblende: Ab 2013 beteiligt sich der südkoreanische Outdoor-Riese Youngone bei Scott und übernimmt 2015 mit 50,01 Prozent die Aktienmehrheit. Patron Beat Zaugg, der Scott über Jahrzehnte zu einem Global Player aufgebaut hat, behält knapp 47 Prozent und bleibt das Aushängeschild der Marke. Die beiden Scott-Aktionäre wollten ursprünglich als Partner die langfristige Zukunft der traditionellen Schweizer Velofirma mit Sitz im freiburgischen Givisiez sichern, bevor sie sich heillos zerstritten und gegenseitig mit Klagen eindeckten. Weil die Koreaner eine vertragliche Kaufoption auf Zauggs Anteile nicht ausüben konnten, verklagen sie 2022 Zaugg bei der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris wegen Verletzung des Aktionärsbindungsvertrags.
Dennoch schoss die Youngone Corporation im Januar 2024 zur Sicherstellung der Liquidität ein Darlehen von 150 Millionen USD ein. Doch an Karfreitag kam es zum Eklat: Youngone verkündete die Absetzung von Beat Zaugg als CEO, am Ostermontag folgte dessen Dementi.
Im August 2024 wurde die neue Führungsriege präsentiert, mit dem Finanzexperten Juwon Kim als Vertreter der Youngone Corporation und Pascal Ducrot als langjährigem Manager von Scott Sports.
Am 6. Februar 2025 fällt das ICC-Gericht seinen ersten wegweisenden Entscheid: Youngone wird Recht gegeben und darf Zauggs gesamten verbleibenden Anteil übernehmen. Nun hat das Schiedsgericht in einem zweiten Schritt den Wert der Transaktion festgelegt: Für seinen Scott-Anteil von rund 47 Prozent erhält der langjährige Firmenpatron maximal knapp 20 Mio CHF, genau 19’088’927 CHF, wie aus einem Bericht auf einer Offenlegungsplattform für börsenkotierte Unternehmen in Korea hervorgeht.
Vorerst gibt es nur 15 Millionen CHF
Allerdings bekommt Beat Zaugg noch nicht das ganze Geld, sondern erst drei Viertel des Betrags. Fünf Mio CHF hat die koreanische Firma auf ein Treuhandkonto überwiesen. Wieviel von diesem letzten Viertel an Zaugg ausbezahlt werden muss, werde «im Rahmen des verbleibenden Schiedsverfahrens festgelegt», heisst es im Gerichtsdokument weiter. Erst danach steht also der endgültige Preis fest.
Klar ist aber jetzt schon: Für Zaugg ist dies ein ziemlich schlechter Deal. Als er vor 10 Jahren gut die andere Hälfte der Firma an Youngone Corporation abtrat, mussten die Koreaner noch 135 Millionen CHF bezahlen. Immerhin…
Text: Peter Hummel


