Dass sich Decathlon als größter europäischer Fahrrad-Hersteller und -Händler mit einem Urban Mobility Barometers für den Radverkehr im Alltag ins Zeug legt, hat seinen Grund. Mit dem »Mobility Transition Pathway« fördert der französische Sportfilialist unter anderem Langzeit-Mietmodelle, Second-Hand- und Sharing-Angebote, bessere Reparaturmöglichkeiten sowie die Ausstattung von Millionen Fahrrädern mit individuellen Identifikationsnummern zum Diebstahlschutz. Das gerade im Sektor (E-)Alltagsrad noch Potential schlummert, ist langfristig gesehen – derzeit weiterhin angespannten Warenlager hin, derzeit weiterhin angespannten Warenlager her – kein Geheimnis.
Über 4.000 junge Befragte in sechs europäischen Ländern
Decathlon befragte über 4.000 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 28 Jahren in sechs europäischen Ländern (Frankreich, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien). Die Ergebnisse zeichnen ein vielversprechendes Bild einer Generation Z, die bereits im Sattel sitzt und auch bereit zu sein scheint, noch öfter zu radeln – wenn Städte und Gemeinden sie dabei unterstützen.
Zwei Drittel der 18- bis 28-jährigen Deutschen (genau genommen 66 Prozent) fahren mindestens einmal pro Woche Rad. Damit liegt Deutschland laut Decathlon im europäischen Vergleich an der Spitze. Bei der täglichen Nutzung liegt Deutschland mit einer Nutzung von 22 Prozent ebenfalls im europäischen Vergleich an der Spitze. RadMarkt-Anmerkung: dieses Spitzenergebnis fällt auch deshalb so gut aus, weil die europäischen Fahrrad-Nationen Dänemark und Niederlande bei dieser Decathlon-Umfrage leider außen vor blieben. Gleichzeitig gaben 22 Prozent an, das Fahrrad selten oder nie zu nutzen.
Einziger Knackpunkt: auch wenn das Fahrrad für viele junge Menschen zum festen Bestandteil ihres Lebens gehört, bleibt der tägliche Weg zur Arbeit oder zur Uni für viele eine Hürde. Auch wenn die Generation Z generell für den Umstieg aufs Fahrrad bereit zu sein scheint, gibt es doch Gründe, die sie davon abhält, häufiger – und vor allem auf ihren täglichen Wegen zur Arbeit oder Uni – aufs Bike zu steigen.
Radfahren als Lebensstil – aber nicht immer für den Alltag
In ganz Europa integrieren junge Menschen das Fahrrad zunehmend in ihren Alltag: 75 Prozent der Befragten nutzen das Fahrrad regelmäßig, 58 Prozent fahren mindestens einmal pro Woche. Interessant: während junge Berufstätige europaweit am häufigsten zum Rad greifen (nämlich 66 Prozent), sind es bei den Studierenden nur 39 Prozent.
Die europäischen Hauptmotive fürs Radfahren sind eindeutig:
• Fit und gesund bleiben (79 Prozent)
• Freiheit und den Fahrspaß genießen (68 Prozent)
• Zeit sparen und Staus vermeiden (68 Prozent)
• Geld sparen im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln (67 Prozent)
Auch in Deutschland ist »fit und gesund bleiben« die wichtigste Motivation (39 Prozent): 80 Prozent der jungen Deutschen, die nur gelegentlich Radeln, geben die Gesundheit als Hauptgrund an. Am seltensten wird das Ziel genannt, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
Trotzdem wird das Fahrrad europaweit überwiegend in der Freizeit (60 Prozent) und für sportliche Aktivitäten (45 Prozent) genutzt. In Deutschland nutzen 55 Prozent das Fahrrad für Freizeitaktivitäten und 52 Prozent für Sport und Training. Letzteres ist im Ländervergleich der höchste Wert. Nur 16 Prozent der jungen Europäer fahren täglich Fahrrad.
Kulturelle Unterschiede zeigen sich ebenfalls in der Nutzung: In Deutschland und Frankreich steht sportliches Training im Vordergrund, während in Italien und Polen das entspannte Freizeitvergnügen dominiert.
Knackpunkt Sicherheit?
Was hält die Generation also davon ab, das Radfahren in ihren urbanen Mobilitäts-Alltag häufiger zu nutzen? Laut Decathlon bestehen trotz allgemeinem Sicherheitsgefühl gewisse Hürden. Zwar beschreiben 50 Prozent der Befragten ihre Stadt als fahrradfreundlich. Vor allem in urbanen Gebieten fühlen sich 87 Prozent beim Radfahren grundsätzlich sicher. In Deutschland liegt das Sicherheitsgefühl mit 87 Prozent ebenfalls hoch. 90 Prozent empfinden ihre Stadt sogar als fahrradfreundlich für den täglichen Gebrauch. Dennoch geben europaweit 61 Prozent an, sich nicht vollständig sicher zu fühlen.
Im Autoland Deutschland nennen 61 Prozent derjenigen, die sich unsicher fühlen, riskantes Verhalten von Autofahrern und anderen Verkehrsteilnehmer als Hauptgrund. 52 Prozent verweisen auf starkes Verkehrsaufkommen.
Gewünschte Verbesserungen
Um häufiger aufs Rad zu steigen, wünschen sich europäische Generation Z-Radler folgende konkrete Verbesserungen:
• Mehr geschützte und getrennte Radwege (54 Prozent)
• Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder (43 Prozent)
• Bessere Beschilderung und Karten für Radwege (36 Prozent)
Auch in Deutschland würden 49 Prozent der jungen Menschen häufiger Radfahren, wenn es mehr geschützte Radwege gäbe. Ebenso viele wünschen sich mehr sichere Abstellmöglichkeiten. Diese Forderungen sind wohlgemerkt unabhängig von der Stadtgröße länderübergreifend konsistent. Sie zeigen laut Decathlon einen klaren Konsens darüber, was nötig ist, um Radfahren im Alltag zu normalisieren.
Decathlons 13-seitiger Urban Mobility Barometer kann kostenlos unter diesem Link als pdf heruntergeladen werden.
Text: Jo Beckendorff/Decathlon



