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Gescheiterter Accell Group-Übernahme folgt Insolvenz-Kettenreaktion
Das Scheitern der geplanten Accell Group Holding B.V.-Übernahme löste ein vor ein paar Wochen noch nicht erwartbares Beben aus. Auch wenn der letztwöchig erwirkte vorläufige Zahlungsaufschub in der Gruppen-Heimat schon auf die Einleitung lokaler Insolvenzverfahren hinwies - das die komplette Gruppe jetzt wie ein Kartenhaus zusammenzubrechen scheint, ist kaum aufzuhalten: in zahlreichen Ländern innerhalb in- und außerhalb der Europäischen Union haben internationale Unternehmen der Accell Group Insolvenzanträge gestellt. Auch dabei: Accell Germany GmbH und deren Töchter.
Wie die Mutter Accell Germany und die Schwesterunternehmen Ghost-Bikes GmbH und der Fahrradteile- und -zubehör-Großhändler Engelbert Wiener Bike Parts GmbH insolvent in Eigenverwaltung: die Winora Staiger GmbH (im Bild Winora-Bikes).Foto: Winora/Dario Suppan

Nachdem sich der Gruppen-Verkauf zerschlug, ist jetzt davon auszugehen, dass der einst größte europäische Premium-Bikeanbieter zerpflückt und in Einzelteile zerlegt verkauft wird – es sei denn, dass sich eventuell doch noch eine Lösung mit dem bereits kommunizierten (und dann gescheiterten) Interessenten Dutech Holdings Limited (alias Dutech Group-)Tochter Tri Star (oder einem anderen?) findet. Schließlich hat hier und dort auch schon eine Insolvenz zu einem Schuldenschnitt zuungunsten der Gläubiger, Lieferanten und auch Steuerzahler geführt, der dann aber die Braut für den Käufer durchaus attraktiver erscheinen lässt…
Accell-Insolvenzen in- und außerhalb der EU
Wie auch immer: Neben Deutschland und den Niederlanden wurden auch in Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Italien, Norwegen, Spanien, Schweden und Ungarn Insolvenzanträge gestellt.
Wie es aber zum Beispiel in den USA (wo Accell Group wenn auch in kleinerem Rahmen immer noch vertreten ist) oder in der Türkei aussieht, wurde zum Zeitpunkt dieses Schreibens nicht kommuniziert. Da allerdings bei Accell Group auch von »Insolvenzen in zahlreichen Ländern außerhalb der Europäischen Union« gesprochen wird, erscheint oben genannte Länderliste nicht vollständig.
Accell Germany & Co. beantragten Insolvenz in Eigenverwaltung
Auf jeden Fall hat die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld sowie die Fahrrad- und E-Bike-Hersteller-Töchter Winora Staiger GmbH und Ghost-Bikes GmbH und der Fahrradteile- und -zubehör-Großhändler Engelbert Wiener Bike Parts GmbH am letzten Mittwoch (5. August) beim zuständigen Amtsgericht Schweinfurt einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Gut zu wissen: Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind über das Insolvenzgeld bis Ende Oktober 2026 gesichert.
Ziel: Verkauf des herausgelösten (deutschen) Teils der Accell Group
Ziel ist jetzt »eine Investorenlösung unter Herauslösung der deutschen Geschäftstätigkeiten aus der internationalen Accell-Gruppe«.
»Die Einleitung der Eigenverwaltungs-Verfahren ist ein wichtiger Schritt, um die deutschen Gesellschaften der Accell Group nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden, Partnern und den Sanierungsexperten werden wir die Chancen dieses Verfahrens konsequent nutzen, um unsere Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Weiterentwicklung zu schaffen«, versichert Accell Germany-Geschäftsführer Joost van Schaik.
Darum in Eigenverwaltung
Die in Deutschland beantragte Eigenverwaltung bietet den Unternehmen die Chance einer Neuaufstellung. Um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen, gewährt sie ihnen einen rechtlichen Rahmen.
Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung. Sie hat die Sanierung jetzt in eigenen Händen: »Das Insolvenzrecht erlaubt dies in Fällen, in denen Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig selbst tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht. Beides ist bei der Accell Germany GmbH und ihren Tochtergesellschaften der Fall«, heißt es in einer Mitteilung von Accell Germany.
Sanierungsexperten steigen als Generalbevollmächtigte ein
Laut Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger gibt das Eigenverwaltungs-Verfahren den Unternehmen die Möglichkeit, die Sanierung der deutschen Gesellschaften unter schwierigen Marktbedingungen strukturiert anzugehen. Für die Dauer der Eigenverwaltungsverfahren ist Mucha als Generalbevollmächtigter in die Unternehmen eingetreten. Zusammen mit seinen Partnerkollegen Dr. Hans Konrad Schenk und Markus Berger wird er die Geschäftsführung bei der Restrukturierung unterstützen.
»Ob eine erfolgreiche Sanierung gelingt, hängt von vielen Faktoren ab, darunter die weitere Marktentwicklung und die Bereitschaft aller Beteiligten, das Verfahren konstruktiv zu begleiten. Wir sind jedoch zuversichtlich und werden alles daransetzen, Investoren zu finden, die den deutschen Teil der Accell Group mit den etablierten Marken fortführen möchten«, betont Martin Mucha.
»Die deutschen Accell-Gesellschaften verfügen mit Winora, Haibike, Ghost und E. Wiener Bike Parts über etablierte Marken, die im Markt gut positioniert sind und über eine treue Kundenbasis verfügen«, ergänzt Dr. Hans Konrad Schenk, »das ist eine solide Grundlage für die Sanierung.«
Vorläufiger Sachverwalter schaut Eigenverwaltung auf die Finger
Als vorläufiger Sachverwalter wurde in allen Verfahren der Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus (Partner der für den Standort Nürnberg verantwortlichen Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) bestellt. Seine Aufgabe ist es, das Verfahren im Interesse der Gläubiger zu überwachen. Auf Basis erster Gespräche mit den Beteiligten und einer kursorischen Bestandsaufnahme sieht er für die Accell-Gesellschaften gute Voraussetzungen, »die Mittel des deutschen Insolvenzrechts erfolgreich nutzen zu können«.

Text: Jo Beckendorff/Accel Germany

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