Ein kurzer Rückblick: Ende September 2024 musste Österreichs zweitgrößter Bikeanbieter Simplon Fahrrad GmbH eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen. Am 12. Dezember desselben Jahres stieg der heimische Investor SOL Capital Management GmbH mit einem seiner Fonds bei dem angeschlagenen Custombau-Anbieter ein. Mit dessen (allerdings nicht näher genannten) Kapitalspritze sollte das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht werden.
Wie das Unternehmen dann bekannt gab, startete Simplon nach abgeschlossener Sanierung unter dem Namen 2Rad Produktions GmbH neu in die Saison 2025. Kurz darauf wurde auch bekannt gegeben, dass man ab der Saison 2026 – Stichwort »Nearshoring« – einen Teil der Produktion aus Kostengründen von Österreich nach Rumänien zum dortigen Produzenten Corratec SRL (einer Tochter der süddeutschen Bikemarke Corratec) verlegen wird.
Und jetzt? Laut KSV1870 habe sich nach der Übernahme von der ehemaligen Schuldnerin herausgestellt, dass »die Kommunikation seitens der ehemaligen Schuldnerin vor Anteilsübernahme nicht zur Gänze nachvollziehbar bzw. korrekt gewesen sei. So habe man festgestellt, dass die aus der ersten Insolvenz übernommenen Warenbestände bei der Warenübernahme nach Erwerb unzureichend und nicht vollständig gewesen seien«.
Da Fehlteile einerseits die Fertigstellung und andererseits die Auslieferung verhinderten, konnte der bestehende Auftragsbestand nicht zügig abgearbeitet werden.
Folge: eine »Beeinträchtigung der Lieferfähigkeit und ein teilweises Ausbleiben von Folgeaufträgen, was wiederum zur Liquiditätsbelastung führte«.
Gemäß vorliegender Unterlagen sind in dem nun eröffneten Verfahren laut AKV »150 Gläubiger mit Gesamtforderungen in Höhe von rund 33,4 Millionen Euro« betroffen. Davon entfallen laut KSV1870 »28,3 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten aus dem ehemaligen Sanierungsverfahren, welche nun wieder aufleben«. Dieser Betrag teilt sich wiederum auf 26 Millionen Euro auf, die auf eine Hauptgläubigerin entfallen sowie 2,3 Millionen Euro, die auf sonstige Gläubiger entfallen.
Nun beabsichtig 2Rad Produktions GmbH (alias Simplon), einen Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent (zahlbar binnen zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans) einzubringen. Heißt auch, dass eine Unternehmensfortführung angestrebt wird.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt beschäftigt der Bikeanbieter noch 54 Mitarbeiter. Vor der ersten Insolvenz in Eigenverwaltung waren es noch rund 140 Beschäftigte.
Text: Jo Beckendorff


