KED-Neuausrichtung: letzte deutsche Helm-Eigenproduktion goes international
2024 hatte ein Investorenteam um den Unternehmer Dr. Christian Borsche, seinem Sohn Victor Borsche und Jonas Japing den Ende 2023 in die Insolvenz geschlitterten Helm-Produzenten KED-Macher D-H-G Knauer GmbH Kunststoffverarbeitung übernommen. Seit Neustart unter dem Namen KED Ahead GmbH haben die neuen Eigentümer viel bewirkt. Worin allerdings immer wieder ein Pfund hervorgehoben wurde, mit dem gewuchert wurde - nämlich die »Made in Germany«-Produktion in Freiberg (5 Kilometer nördlich von Ludwigsburg) - wird nun zu Grabe getragen.
Während Louis Borsche (links) weitere Führungsaufgaben übernimmt, agiert Victor Borsche (Mitte) nach dem Ausscheiden von Jonas Japing (rechts) alleiniger KED-Geschäftsführer.Foto: KED

Parallel zur strategischen Neuausrichtung der Produktion gibt Jonas Japing die Geschäftsführung zum 30. Juni 2026 auf eigenen Wunsch ab. Somit übernimmt Victor Borsche die alleinige Geschäftsführung. Außerdem übernimmt Louis Borsche – seit eineinhalb Jahren operativ bei KED in Vertrieb, Marketing und Produktmanagement – zusätzliche Führungsaufgaben.
Mit der Weichenstellung von einer heimischen zur internationalen Fertigung treffen die aktuellen KED-Eigentümer »eine bewusste strategische Entscheidung für die Zukunft«.
Tatsache sei, dass mal als letzter Fahrradhelm-Hersteller mit Eigenproduktion in Deutschland viel Herzblut in den Standort Freiberg am Neckar gesteckt hätte. Nicht nur das: innerhalb der letzten zweieinhalb Jahren wurden über 3 Millionen Euro in das Unternehmen investiert – unter anderem in die Installation einer modernen Rückkühl-Anlage sowie in neue Produktionstechnologien und den Ausbau der Inmold-Fertigung.
Laut Victor Borsche ist es ihm und seinem Team aber trotz umfassender Anstrengungen nicht gelungen, die Produktion langfristig wirtschaftlich tragfähig aufzustellen. Explodierende Rohöl- und Materialpreise, gestiegene Lohnkosten, anhaltende Kaufzurückhaltung und politische Rahmenbedingungen ohne spürbare Perspektive hätten die getätigten Investitionen überholt.
Da man in einer Preissteigerung keine Option sieht, bleibt eigentlich nur noch die Produktionsverlagerung ins Ausland. »Wir haben uns für Partner entschieden, die bereits heute für die Weltmarktführer im Helmbereich produzieren – und für uns«, ergänzt Borsche.
Die Konsequenz dieser Entscheidung: Die Eigenproduktion in Freiberg am Neckar wird zum 31. Dezember 2026 eingestellt.
Für den Anbieter wichtig zu kommunizieren: »Jeder KED-Helm wird weiterhin nach EN 1078 entwickelt und durch das deutsche Qualitätssicherungs-Team freigegeben. Das Sortiment bleibt vollständig erhalten. Firmenhauptsitz, Entwicklung, Vertrieb und das gesamte nicht-produzierende Team bleiben fest in Deutschland verankert.«
Wie viele Mitarbeitende durch diese Maßnahme ihren Job verlieren, wird nicht genannt. Nur so viel: »Die Mitarbeitenden der Produktion haben KED zu dem gemacht, was es heute ist. Ihr Können, ihre Erfahrung und ihr täglicher Einsatz haben KED über Jahrzehnte geprägt und gestärkt. Die Geschäftsführung dankt ihnen für ihren langjährigen Einsatz und ihr Engagement und begleitet jeden Einzelnen aktiv durch diesen Übergang, mit dem Ziel, gemeinsam individuelle Lösungen zu finden.«

Text: Jo Beckendorff

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