In den frühen 90er Jahren traten zwei Maschinenbau-Studenten für das Ziel an, bessere Fahrräder zu bauen – was damals auch sehr nötig war. Markus Riese und Heiko Müller schlossen ihr Studium an der TU Darmstadt ab und gründeten im Jahr 1993 Riese & Müller. Erst kam das Faltrad Birdy; wesentliches Merkmal der nachfolgenden „großen“ Fahrräder war die Vollfederung, die damals in City- und Trekkingrädern unüblich war.
Hatte das Unternehmen anfangs noch einen sehr familiären Charakter, so wurde es mit dem wachsenden Erfolg größer und strukturierter. Wesentliche Kennzeichen waren mehrere Umzüge, zuletzt vor einigen Jahren in ein großes Werk in Mühltal bei Darmstadt, und ein Anwachsen auf rund 800 Mitarbeitende. Heute sind es deren rund 700. Weltweit führen 1.400 Händler die E-Bikes (Bio-Bikes werden nicht mehr angefertigt); Riese und Müller wird zu den führenden Herstellern von Premium-E-Bikes und Cargo-Bikes gerechnet. Das macht sich nicht allein an Stückzahlen fest, sondern am Anspruch, der technischen Perfektion so nahe wie möglich zu kommen. Manche sagen, man merke es den Produkten eines Unternehmens an, wenn es von Ingenieuren geleitet wird. Bei all dem liegt der Fokus klar auf nachhaltiger Mobilität; die sportiven Fahrradsegmente werden weitgehend anderen Herstellern überlassen.
Auf Heiko Müller geht beispielsweise sehr wesentlich die Entscheidung zurück, ausschließlich auf E-Bikes zu setzen und Bio-Bikes nicht mehr weiterzuentwickeln. Er und Markus Riese waren immer inspiriert und eine Inspiration für andere.
„Ich blicke auf unglaublich ereignisreiche Jahre zurück“, sagt Heiko Müller. „Riese & Müller war für mich immer weit mehr als ein Unternehmen. Es war die Möglichkeit, gemeinsam mit großartigen Menschen Ideen Wirklichkeit werden zu lassen und einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität zu leisten. Für mich beginnt nun eine neue Zeit mit neuen Aufgaben. Als aktiver Gesellschafter bleibe ich meinem Lebenswerk eng verbunden. Meinen Schwerpunkt lege ich auf die langfristige Weiterentwicklung und damit auf die Sicherung unseres Familienunternehmens am Standort Deutschland.“
Zukunft: Wolf plus X
Die Geschäftsführung war schon vor längerer Zeit um Dr. Sandra Wolf erweitert worden, die das Unternehmen seinerzeit zunächst beraten hatte. Die geschäftsführende Gesellschafterin wird Riese und Müller aber nicht allein führen; für den 1. August 2026 wurde der Eintritt eines neuen Geschäftsführers angekündigt. Sandra Wolf steht aber mit ihrer Person für den fortdauernden Status als Familienunternehmen.
Ohnenhin betont das Unternehmen die Kontinuität der strategischen Ausrichtung und das Zusammenspiel aus Geschäftsführung, engagierten Führungskräften und Mitarbeitenden als Erfolgsfaktoren. Man bleibe seinem Anspruch treu, innovative Mobilitätslösungen zu entwickeln und die Zukunft des Radverkehrs aktiv mitzugestalten.
Zeitgleich mit der Eurobike hält Riese und Müller ein B-to-B-Event ab, das vielen Geschäftspartnern die Gelegenheit, mit Heiko Müller letztmals in der Rolle als Geschäftsführer zusammenzutreffen. Viele werden sich wünschen, dass der Kontakt zum scheidenden Geschäftsführer auch danach bestehen bleibt.

