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Nach Schuldenpaket-Beschluss: Automobilclub bringt sich in Stellung
Kaum hat sich die deutsche Regierung zum Schuldenpaket bekannt, geht es wohl auch schon ganz schnell um die Verteilung der auch für die Verkehrswende eingeplanten Investitionen. Der Automobil-Club von Deutschland (AvD) ist sofort mit seiner Sicht der (Verkehrswende-)Dinge dabei.

Mit Blick auf die Herausforderungen des Klimawandels begrüßt der AvD eigenen Aussagen zufolge generell alle Maßnahmen zu einer sinnvollen und realitätsnahen Verkehrswende. Hierbei müssten aber ausdrücklich die Bedürfnisse aller Beteiligten entsprechend berücksichtigt werden – und zwar nicht nur von Verkehrsteilnehmenden wie Pkw, Lkw, Fahrrad oder Fußgänger, sondern auch unmittelbar Anwohnende und Gewerbetreibende.
»Der Klimaschutz und die damit einhergehende Mobilitätswende geht uns alle an«, erklärt AvD-Präsident Lutz Leif Linden – nur: »Mit großer Bestürzung sehen wir jedoch, wie bundesweit an vielen Orten durch fehlerhafte Verkehrsplanung die Existenz von Menschen aufs Spiel gesetzt wird. Der AvD hat mit seiner über 125-jährigen Historie stets die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer im Blick und fordert hier ein Umdenken seitens der Politik. Verkehrspolitische Ziele lassen sich nur im Einklang aller Beteiligten umsetzen. Bevor die Bagger anrollen, muss es einen frühzeitig beginnenden Planungsprozess geben, der die Meinungen aller Beteiligter einholt und diese in sämtliche Entscheidungen mitberücksichtigt!«
In diesem Zusammenhang hat sich der AvD ein Beispiel aus der sich langsam zwecks Entlastung von einer Autostau- Richtung Fahrrad-Stadt entwickelnden Metropole Frankfurt a.M. herausgepickt.
Im vergangenen Herbst sei dort entlang der Eschersheimer Landstraße ein Radweg neu eingerichtet worden. Nur: »Einer Umfrage der IHK Frankfurt zufolge ist seitdem bei Gewerbetreibenden mit Ladenfront zur Straße ein Umsatzrückgang von bis zu 40 Prozent zu verzeichnen. Nicht mal ein halbes Jahr später überlegen bereits ein Drittel, sich einen neuen Standort zu suchen oder gar zu schließen« heißt es beim AvD.
Stichwort »Opfergrenze«
Das Phänomen sei bereits aus verkehrsbaulichen Veränderungen früherer Jahre bekannt: »Anlieger von Baumaßnahmen sind häufig mit Belastungen durch Schmutz und Lärm konfrontiert, Verkehrsumleitungen oder gar der Wegfall von Parkmöglichkeiten haben darüber hinaus negative Auswirkungen. Vor allem Gewerbetreibende leiden unter den Beeinträchtigungen. Haltemöglichkeiten für Lieferanten oder ein kurzer Stopp von Kunden auf dem Nachhauseweg sind dann nicht mehr möglich. Diese Einschränkungen sind jedoch temporär und müssen für die Dauer erduldet werden – man spricht hier von `Opfergrenze´. Eine Fahrradstraße ist dagegen ein dauerhaftes Thema mit deutlich weitreichenderen Auswirkungen bis hin zur Geschäftsaufgabe.«
Rückbau?
Die IHK Frankfurt habe die Stadt bereits aufgefordert, die baulichen Änderungen zu evaluieren und gegebenenfalls nachzujustieren. Dabei dürfe selbst ein Rückbau nicht ausgeschlossen sein.
O-Ton aus der ebenfalls in Frankfurt beheimateten AvD-Zentrale: »Der AvD unterstützt die Forderung und sieht die Notwendigkeit eines generellen Planungsprozesses, der alle Beteiligten gleichermaßen zu Wort kommen lässt. Wo Radwege sinnvoll sind, wo Ladezonen entstehen können und wo Parkplätze besser bleiben sollten, können Anlieger am besten beurteilen. Verkehrspolitik darf nicht rein durch Planungsexperten entstehen, sondern muss stets sämtliche Folgen in Betracht ziehen, auch wenn sie ein noch so hehres Ziel verfolgt.«

Text: Jo Beckendorff/AvD

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