Zunächst zu dem, was in Italien über die Tages- und Landespresse lief (und dann auch international aufgegriffen wurde): im zuletzt veröffentlichten Bericht des Geschäftsjahres 2023/2024 (endete am 31. Mai 2024) soll der konsolidierte Campi-Jahresabschluss einen Produktionswert von 82 Millionen Euro ausgewiesen haben. Verglichen mit dem vorherigen Geschäftsjahr 2022/2023 ist das ein rasanter zweistelliger Rückgang von 37,9 Prozent. Gleichzeitig musste der Traditionsanbieter in 2023/024 einen Nettoverlust von 15 Millionen Euro schlucken. Zum Vergleich: im vorherigen Geschäftsjahr soll gerade einmal einen Nettoverlust von 1 Millionen Euro zu Buche gestanden haben.
Da auch im darauffolgenden Geschäftsjahr 2024/2025 und dem derzeit laufenden Geschäftsjahr 2025/2026 keine Nachfrage-Erholung einsetzte und vorherige Sparmaßnahmen nicht die Wirkung zeigten, die man sich davon erhofft hatte, sieht sich Campagnolo nun gezwungen, sich an seinem Hauptsitz in Vizenza von 120 der derzeit rund 300 Beschäftigten trennen zu müssen.
Diese fulminante Stellenabbau-Ansage führte zu der Vermutung, dass der traditionelle Fahrradkomponenten-Anbieter seine heimische »Made in Italy«-Produktion evtl. ganz aufgeben und ins Ausland verlegen wird.
Diese Vermutung ließ Campagnolo nun folgendes offizielle Statement folgen: »Campagnolo hat die jüngste Verbreitung von Nachrichten über die Zukunft des Unternehmens zur Kenntnis genommen und möchte daher folgende Punkte klarstellen:
– Die Geschäftsführung von Campagnolo hat den Gewerkschaften FIM CISL und FIOM CGIL sowie dem Einheits-Gewerkschaftsrat RSU den vom Verwaltungsrat am 21. November genehmigten Industrieplan mit großer Transparenz vorgestellt. Es handelt sich um einen sehr strukturierten Plan, der das Ergebnis monatelanger Arbeit ist. Die Gespräche zwischen dem Unternehmen und den Gewerkschaften dauern an, wobei sich bereits positive Entwicklungen hinsichtlich eines bereits festgelegten Terminplans abzeichnen.
– In ihrer Mitteilung haben die für die Verwaltung des Industrieplans Verantwortlichen keinerlei Verweise auf Verlagerungen gemacht. Im Gegenteil – es wurde betont, dass derzeit eine Überprüfung der Lieferkette stattfindet, wobei der Schwerpunkt zunehmend auf kurzen und schnellen Lieferketten, idealerweise innerhalb Italiens, liegt. Made in Italy bleibt sowohl eine Priorität als auch eine Verantwortung für das Unternehmen.
– Auf der Grundlage der aktuellen Situation und des Inhalts des genehmigten Industrieplans hat der Verwaltungsrat einen strukturierten Finanzplan definiert, der darauf abzielt, der Gemeinde Vicenza ein Unternehmen von technischer Exzellenz zurückzugeben, das nachhaltig ist und Arbeitsplätze in Vicenza garantieren kann, wenn auch mit einem derzeit erwarteten Personalabbau.
– Im Bereich der Produktentwicklung bestätigt die Einführung der neuen »Super Record 13«-Plattform die Erwartungen voll und ganz: Die Gruppe erhält dank ihrer Leistung und bewährten Zuverlässigkeit hervorragendes Feedback vom Markt und bestätigt die Marke als Referenz unter den besten Fahrradherstellern. Das Projekt geht jedoch weit über diesen ersten wichtigen Schritt hinaus. Dank der Stärke dieser neuen technologischen Grundlage befindet sich Campagnolo bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung zusätzlicher Plattformen, die die Präsenz des Unternehmens auf mittlere Produktklassen und anschließend auf breitere Marktsegmente ausweiten – und damit das Produktionsengagement des Unternehmens erhöhen werden. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und mittel- bis langfristig ein nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten. Das Unternehmen verfügt über das erforderliche Know-how und die technischen Ressourcen, um diesen Weg zu beschreiten, und wird auch weiterhin interne Fachkompetenzen nutzen, um Stabilität und Kontinuität zu gewährleisten.
Text: Jo Beckendorff


