ADFC sieht Eurobike als einzig echte Welt-Fahrradmesse – Fahrrad nur Feigenblatt auf der IAA

27.08.2021
ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider.

Vor Beginn der Eurobike in Friedrichshafen am 1. September stellt der ADFC noch einmal deutlich heraus, dass allein die Messe am Bodensee die einzig echte Welt-Fahrradmesse bleibe. Die knapp eine Woche später in München stattfindende IAA (7.-12.9.2021) wolle sich mit dem erstmals ausstellenden Fahrradherstellern »einen innovativen Anstrich« geben.

Dazu sagt die ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider: »Das Fahrrad ist die Lösung für die Verkehrswende, das hat der ADFC immer gesagt. Gut, dass die politische Dimension des Themas Fahrrad jetzt auch im Messegeschehen angekommen ist. Wenn die IAA sich jetzt rühmt, eine Fahrradmesse mit angeschlossener Autoausstellung zu sein, ist das blanker Hohn. Das Fahrrad ist auf der IAA als grünes Feigenblatt zu Gast. Die Eurobike bleibt die Leitmesse der klimafreundlichen Zweiradmobilität und damit ein Tummelplatz für die Mobilitätstrends der Zukunft. Die nächste Bundeskanzlerin, der nächste Bundeskanzler sollte nicht die IAA, sondern die Eurobike eröffnen.«
In Friedrichshafen und in München hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club daher sehr unterschiedliche Auftritte. Ist er auf der Eurobike mit einem eigenen Stand vertreten, so will er in München im Bündnis mit Umwelt- und Verkehrsverbänden am 11. September mit einer großen Fahrrad-Sternfahrt unter dem Motto #aussteigen für eine echte Verkehrswende und die Halbierung des Autoverkehrs demonstrieren. Zehntausende Menschen werden dazu erwartet.
Doch liegen hier Steine auf dem Weg: Das zuständige Kreisverwaltungsreferat München hat den Demonstranten untersagt, ihren Protest über wenige Kilometer der Autobahnen A94 und A96 zu führen. Gegen dieses Verbot hat das Demo-Bündnis #aussteigen am 26. 8. Klage beim Verwaltungsgericht München eingereicht.

Gegen Schwarz-Weiß-Denken

Die Pressemitteilung des ADFC zu Eurobike und IAA trifft nicht überall auf ungeteilte Zustimmung: Andreas Hombach von WSM – Walter Solbach Metallbau GmbH, unter anderem auch mit Fahrradparksystemen im Markt, hat dazu eine Stellungnahme abgegeben:
»Meine (persönliche) Meinung: Dieser Beitrag des ADFC, dessen Mitglied ich bin, ist ein Schlag ins Gesicht derer, die die IAA Mobility als Chance sehen, den BesucherInnen zu zeigen, dass es auch sinnvolle Alternativen zur automobilen Mobilität gibt. Für mich ein Rückfall in alte Zeiten, als Radfahrende als ‚die Guten‘ und Autofahrende als ‚die Bösen‘ eingestuft wurden. Ich bin ein Anhänger intelligenter Mobilität - und dazu zählt durchaus auch das Auto! Es wird keine Welt geben, in der nur Fahrräder unterwegs sind - genauso wenig wie es keine Welt gibt, in der nur Autos unterwegs sind. Eine Lösung ist die Diskussion über ‚Nutzen‘ statt ‚Besitzen‘ - nicht aber dieses Schwarz-Weiß-Denken. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht (oder fährt) wird sehen, dass es auch Grautöne dazwischen gibt (und übrigens auch ganz viele bunte Farben drumherum). Die IAA Mobility zeigt eine Bandbreite verschiedenster Mobilitätsformen. So sind auch viele führende Firmen der Fahrradbranche und auch die WSM (übrigens langjähriger Unterstützer des ADFC) als Anbieter von Infrastrukturlösungen dort vertreten - und das finde ich persönlich gut so! Meine Meinung, lieber ADFC.«
Foto: ADFC/Deckbar
 

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