Corona-Angst: Rosenmontag-Börsenschock – was kommt danach?

28.02.2020
Bulle und Bär.
Wer übernimmt 2020 das Ruder: Bulle oder Bär?

Nachdem die 29 erfassten Aktienwerte unserer Fahrradbörse zu Jahresbeginn mehrheitlich weiter stramm bergauf radelten und wie die gesamte Weltbörse überhaupt jegliche politischen und wirtschaftlichen Krisen außen vor ließ (Börsenoptimisten sprechen diesbezüglich gerne von bereits eingepreisten Hürden…), änderte sich das abrupt am Rosenmontag (24. Februar). Das lag weniger an Karneval, sondern an dem Corona-Ausbruch in Italien. Mit Ankunft des Virus in Europa drehten auch die internationalen Börsen mehrheitlich ins Minus.

Dass sich die Weltwirtschaft aufgrund des durch den Corona-Virus verursachten Produktionsausfalls nicht so entwickeln würde wie vorab prognostiziert, hatte die Börse bis dato irgendwie zur Kenntnis genommen. Je weiter sich aber der Virus ausbreitete, umso mehr wurden gut ins Jahr gestarteten Weltbörsen eingebremst.
Die wachsende Zahl der Corona-Virus-Infizierten außerhalb Chinas führte an den US-Börsen zum größten prozentualen Tagesverlust seit zwei Jahren. Der Corona-Ausbruch in Italien sorgte dann vor allem an den europäischen Börsen für regelrechte Kurseinbrüche. Alleine der Dax – der deutsche Aktienindex, der die Wertentwicklung der 30 größten und liquidesten Unternehmen des heimischen Aktienmarktes repräsentiert – musste am Rosenmontag einen Kurssturz von 4,0 Prozent verdauen.
Corona-Virus: mehr als ein Gesundheitsproblem
Dass nach diesem Rosenmontag mit weiteren Abschlägen zu rechnen ist, hängt mit der Furcht vor einer weltweiten Pandemie mit größeren negativen Folgen für die weltweite Konjunktur zusammen. Die bisherigen Weltwirtschaftsprognosen sind nicht mehr haltbar. Während Börsenoptimisten derzeit von endlich wieder besten Einstiegspreislagen sprechen, warnen Börsenpessimisten vor einem bevorstehenden unvermeidbaren Crash.
Zentralbanken wieder die letzten Retter?
Fakt ist: Zentralbanken können eingreifen, um angeschlagene Unternehmen mit günstigen Krediten zu versorgen. Zudem werden sie wohl weitere Zinssenkungen ausrufen. Somit ist die Politik des billigen Geldes zwar auch für Börsenunternehmen wieder eine tolle Finanzspritze. Nur: wie lange kann so eine Politik, die zur Rundum-Verschuldung führt, überhaupt aufrechterhalten werden?
Umsatzprognosen fürs 1. Geschäftsquartal 2020: abwärts
Fakt ist auch, dass die ersten Quartalsberichte der jeweiligen Unternehmen nicht gerade mit tollen Zuwächsen aufwarten werden. Hier wird der Corona-Virus erste in Zahlen ausgedrückte Duftmarken hinterlassen. Somit ist bereits vor dem Zeitraum Mai, in dem man – Stichwort Sommerloch - die Börse am besten verlassen sollte (»sell in May and go away«), mit schlechten Nachrichten und negativen Zahlen zu rechnen. Solange der Corona-Virus als Damoklesschwert über allem schwebt, ist zu befürchten, bis auf weiteres mit keinen guten (Börsen-)News aufwarten zu können.
Acht Werte trotz Rosenmontags-Kurseinbruch noch im Plus
Was heißt das jetzt genau für die 29 Werte unsere Fahrradbörse (siehe unten)? Während eine Mehrheit zu Jahresbeginn nach oben schaltete, wurde diese am besagten Rosenmontag komplett ausgebremst. Heißt, dass am nachfolgenden Tag (Fastnachtsdienstag) nur noch acht Aktienwerte im Vergleich zum 1.1.2020 im Plus lagen.
Diese acht sind Vista Outdoor (plus 23,6 Prozent), Hwa Fong Rubber (plus 19,7 Prozent), Tube Investments of India (plus 14,7 Prozent), Tandem Group (plus 11,1 Prozent), HL Corporation (plus 8 Prozent), Accell Group (plus 6,4 Prozent), Fox Factory (plus 4 Prozent) und Allegion (plus 2,2 Prozent).
Interessant, dass sechs dieser Werte das Börsenjahr 2019 mit jeweils zweistelligen Wertzuwächsen abgeschlossen hatten und bis zum Rosenmontags-Einbruch ihre Kurswert-Rekordjagd fortgesetzt hatten – und somit diese Vollbremsung gut verdauen konnten. Lediglich Hwa Fong Rubber und Vista Outdoor passen nicht in diese Schublade. Deren Aktien lagen 2019 im Minus, konnten aber selbst nach besagtem Februar-Einbruch noch mit einem bisherigen zweistelligen 2020er-Plus protzen. Während wir für Hwa Fong keine Erklärung haben, liegt das Aktienplus von Vista Outdoor an den erstmals spürbaren positiven Auswirkungen der Umstrukturierungsmaßnahmen, die Anfang Februar bei Vorlage der ersten drei Verkaufsquartale des jeweils vom 1. April bis 31. März laufenden Vista-Geschäftsjahres 2019/20 kommuniziert wurden. Zuvor war der ins Trudeln geratene Anbieter auch an der Börse ziemlich gezwiebelt worden.
21 Fahrradbörsen-Werte 2020 nach Rosenmontag im Minus
Die restlichen von uns gelisteten 21 Fahrrad-Börsenwerte lagen teilweise schon vor, rutschten aber mehrheitlich nach dem Rosenmontags-Einbruch in den Keller. Neun dieser Werte warteten im Vergleich zum 1.1.2020 sogar mit einem zweistelligen Minus auf. Größter Verlierer ist Dorel (minus 31,5 Prozent). Die Dorel-Akte musste bereits 2019 einen Kursrutsch von 64,1 Prozent verdauen.
Da Dorel nicht nur einen Großteil seiner Fahrrad-Ware, sondern auch seine Möbel in China produzieren lässt, sind die Nordamerikaner besonders von dem Corona-Virus betroffen.
Wenn dieser sich nicht nur in China, sondern auch weltweit weiter ausbreiten sollte, werden andere Aktienwerte sicherlich noch das erfahren, womit Dorel schon länger zu kämpfen hat. Heißt: je abhängiger ein Unternehmen von »Made in China« ist, umso abhängiger wird es auch von den dortigen Entwicklungen (Produktionsausfall, dadurch einsetzende Lieferverzögerungen etc.pp) sein.
Was aber auch nicht immer stimmt: dank Globalisierung greift ein Zahnrad ins andere. Es braucht nur irgendein klitzekleines Teil einer Produktion auf dieser Welt zu fehlen, das in China produziert wird – schon gerät die gesamte Produktions- und Lieferkette ins Schwanken. Genau das passiert derzeit und setzt nicht nur die Börsen, sondern die gesamte Weltwirtschaft in Schieflage.

Text & Tabelle: Jo Beckendorff, Foto: Deutsche Börse AG

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