Dorel 2019: Fahrradgeschäft wieder in der Spur - gutes CSG-Europe-Geschäft wird um- und ausgebaut

13.03.2020
Dorel Group Logo.

Der kanadische Mischkonzern Dorel Industries Inc. hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem Gesamtumsatz in Höhe von 2,63 Milliarden US$ (2,34 Milliarden Euro) abgeschlossen. Verglichen mit dem Vorjahr ist das ein leichtes Plus von 0,6 Prozent. Was aber viel wichtiger ist: der Nettoverlust des sich weiter in einer Umstrukturierungsphase befindenden Unternehmens konnte von 444,3 Millionen US$ (394,7 Millionen Euro) auf 10,5 Millionen US$ (9,3 Millionen Euro) reduziert werden.

Der bereinigte Nettogewinn für das Jahr betrug 16,8 Millionen US$ (14,9 Millionen Euro - alle Werte in US$, weil die Dorel-Aktien an der US-Börse Nasdaq gehandelt werden). Da Dorel erstmals zum 31. Dezember 2018 den neuen internationalen Rechnungslegungsstandard »IFRS 16« angewandt hat, werden laut den Kanadiern »in der gewählten Übergangsmethode Vergleichsinformationen nicht angepasst« (kann somit also nicht mit dem ausgewiesenen bereinigten Nettogewinn 2018 verglichen werden).
Dorel Sports wuchs Ende 2019 im dritten Quartal in Folge
Was Dorel-Präsident und -CEO Martin Schwartz besonders freut: der Umsatz von Dorel Sports – neben Dorel Juvenile und Dorel Home das dritte von den Kanadiern bespielte Geschäftsfeld – ist im letzten Quartal des Jahres 2019 »im dritten Quartal in Folge gestiegen, da sich unsere neuen Modelle, insbesondere Cannondale, gut verkaufen«.
Überhaupt scheint sich Dorel Sports wieder gefangen zu haben. Der Gesamtumsatz 2019 lag mit 909,0 Millionen US$ (807,4 Millionen Euro) 2,9 Prozent über dem Vorjahr. Im Gegensatz zu der den (oftmals branchenfremden) Massenmarkt anfahrenden Pacific Cycle Group (PCG - Marken Instep, Ironhorse, Kid Trax, Mongoose, Schwinn) sowie dem brasilianischen Fahrradproduzenten Caloi konnte der ausschließlich den Fachhandel anfahrende vierte Quartalsumsatz 2019 von Cycling Sports Group (CSG – Marken Cannondale, Charge Bikes, Fabric, GT Bicycles, Mongoose) allerdings nicht zulegen.
Dorel Sports wieder in der Gewinnzone
Trotzdem konnte Dorel Sports im Gesamtjahr 2019 einen operativen Gewinn von 30,3 Millionen US$ (26,9 Millionen Euro) für sich verbuchen. Zum Vergleich: 2018 hatte das unter dem Schirm von Dorel Sports rollende Fahrradgeschäft noch einen operativen Verlust von 229,1 Millionen US$ (203,5 Millionen Euro) schlucken müssen. Heißt auch, dass der bereinigte operative Gewinn »unter Ausschluss von Wertminderungsaufwendungen auf Goodwill, immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen, Umstrukturierungs- und anderen Kosten um 13,9 Millionen US$ (12,4 Millionen Euro) oder 70 Prozent auf 33,8 Millionen US$« (30,0 Millionen Euro) kletterte.
Zugpferd CSG-Europe
Damit Dorel Sports auch künftig weiter nach oben rollt, werden derzeit vor allem auf dem guten Fahrradmarkt Europa und mit Blick auf die Premiumprodukte von CSG einige Zukunftsweichen gestellt. So wird Dorel Sports die dortigen CSG-Aktivitäten »zur Unterstützung der nächsten Wachstumsebene und zur Aufrechterhaltung der zunehmenden Dynamik der Marken Cannondale, Charge Bikes und GT Bicycles« in den Niederlanden zentralisieren: »Das bestehende Montagewerk in Oldenzaal wird in eine hochmoderne Anlage umgewandelt, um die derzeitige Produktionskapazität für Cannondale-Fahrräder und E-Bikes mehr als zu verdoppeln und eine stärkere Konzentration auf Produkte von höchster Qualität zu ermöglichen. Alle produktions- und zulieferungsbezogenen Abteilungen werden in der neuen Anlage zusammengeführt.«
Darüber hinaus wird die europäische CSG-Zentrale nach Woudenberg in einen neuen, landschaftlich reizvollen Campus verlegt. Die Büros in Oldenzaal und Basel/Schweiz wurden bereits geschlossen. Dorel Sports rechnet damit, dass die Reorganisation (geschätzte Kosten: 8 bis 10 Millionen US$ = 7,1 bis 8,9 Millionen Euro, von denen 3,8 Millionen US$ = 3,4 Millionen Euro bereits im vierten Quartal verbucht wurden) bis zum Jahresende vollständig abgeschlossen sein wird. Dazu Dorel Sports-Präsident Peter Woods: »Dies ist ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung des strategischen Plans von CSG-Europe. Wir haben 2019 in Europa hervorragende Ergebnisse erzielt, und die aufregenden Veränderungen, die wir heute ankündigen, werden es uns ermöglichen, unsere Kunden besser zu bedienen, unsere Markenpräsenz zu stärken sowie unsere Kultur weiter zu entwickeln.«
Ausblick
Auch, wenn Dorel Group – und hier vor allem die Geschäftsdivisionen Dorel Sports und Dorel Juvenile – weiterhin unter der großen Abhängigkeit von  der Weltfabrik China leiden und vor allem durch die verhängten Strafzölle der USA gegenüber eingeführten Waren aus China ausgebremst wurde – es ist derzeit nicht leicht, Alternativen zu finden. Dorel Sports soll bereits emsig auf der Suche nach (vor allem Rahmen-)Produktionsalternativen in Fernost außerhalb Chinas suchen. Der oben genannte Ausbau der Europa-Montage ist auch ein Schritt Richtung marktnaher Produktion. Selbst wenn die Rahmen nicht mehr aus China kommen sollten: es gibt immer irgendwelche Kleinteile, die nur noch dort produziert werden und von der die Gesamtproduktion weiterhin abhängig sein wird.
Trotzdem geht Dorel-Chef Martin Schwartz in diesem Jahr von weiter starken Dorel Sports-Umsätzen au: »Die Lieferkette in China verbessert sich, und es wird erwartet, dass die Produkte zunehmend stabiler werden, da die Produktion allmählich zur Normalität zurückkehrt.«
Corona-Virus bis dato noch kein großer Hemmschuh
Wobei wir bei Corona wären Mit Blick auf das zuerst in China und dann in der ganzen Welt ausgebrochene Virus erklärt Schwartz:
»Aufgrund des Corona-Virus verzögerten unsere in China ansässigen Lieferanten die Wiedereröffnung nach dem chinesischen Neujahrsfest, sodass sich die Produktion in den meisten Fällen um zwei Wochen nach hinten schiebt. Zudem führte der vorübergehende Mangel an Arbeitskräften zu mehrwöchigen Unterbrechungen der Lieferkette. Die meisten Fabriken im Land sind jetzt wieder in Betrieb und werden ausliefern, aber noch nicht auf normalem Niveau. Der Betrieb in unserer Hauptfabrik für Dorel Juvenile in China verbessert sich täglich. Unsere Produktionskapazität liegt jetzt bei 95 Prozent. Obwohl die Produktion langsamer als normal verlief, haben wir in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 keine signifikanten Auswirkungen auf die Verbraucherausgaben im Einzelhandel für Dorel-Produkte festgestellt, und unsere drei Segmente verzeichnen weiterhin einen Anstieg der Online-Einkäufe. Selbstverständlich beobachten wir die Situation genau.«
Natürlich sei man sich bewusst, dass die vollen Auswirkungen des anhaltenden Corona-Virus auf die Weltwirtschaft derzeit nur schwer vorhersehbar sind. Schwartz weist aber auch darauf hin, dass Konsumenten bei Marktstörungen in der Vergangenheit weiterhin Jugendprodukte und Freizeitartikel wie Fahrräder gekauft haben und dies wahrscheinlich auch weiterhin tun werden. Allerdings würden sich Lieferketten-Unterbrechungen in China »auf die Auslieferung von Bestellungen im ersten Quartal und möglicherweise auch im zweiten Quartal auswirken. Trotz der allgemeinen Geschäftsverbesserung werden das Corona-Virus und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Devisenmarkt wahrscheinlich das erste Quartal beeinflussen«.

Text: Jo Beckendorff

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