E-Commerce-Größe Bike24 hat Börsengang 2021 im Visier

08.06.2021
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Im September 2019 kaufte The Riverside Company den deutschen (Fahrrad-, Outdoor-, Fitness- und Schwimmprodukte) E-Commerce-Händler Bike24 GmbH von der britischen Fahrrad-E-Commerce-Größe Wiggle CRC zu einem nicht näher genannten Kaufpreis zurück. Das Private Equity-Unternehmen hatte die »kontinentaleuropäische Fahrrad-Online-Plattform« 2017 an den britischen Branchenriesen verkauft. Dieser Deal war allerdings nicht zu aller Zufriedenheit aufgegangen. Gestern (7. Juni) wurde bekannt gegeben, dass The Riverside Company zusammen mit den Bike24-Gründern und Management-Team für das Jahr 2021 einen Börsengang ihrer Bike24 Holding AG an der Frankfurter Wertpapierbörse plant.

Der 2002 von Andrés Martin-Birner, Falk Herrmann und Lars Witt gegründete E-Commerce-Händler Bike24 gehört mittlerweile zu den führenden E-Commerce-Fahrradplattformen in Kontinentaleuropa. Dabei verfügt es laut eigenen Angaben über das breiteste Sortiment an Markenprodukten der Branche. Die Online-Fahrradplattform ist bereits mit drei lokalen Online-Shops in Deutschland (Bike24.de), Österreich (Bike24.at) und Spanien (Bike24.es) im Markt vertreten. Darüber hinaus beliefert der internationale Shop (Bike24.com) Kunden in weltweit 80 Ländern.
Nun bereitet die Bike24 Holding AG die Notierung ihrer Aktien im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse vor. Vor dem Listing beabsichtigen Bike24 und die Gesellschafter eine Privatplatzierung durchzuführen, die laut gestrigen Angaben »sowohl neu ausgegebene Aktien aus einer Kapitalerhöhung als auch Aktien aus dem Bestand des Großaktionärs, dem europäischen Riverside Fonds VI, umfasst«.
Signifikanter Streubesitz angestrebt
Im Rahmen besagter Privatplatzierung sollen neue Aktien aus einer geplanten Kapitalerhöhung mit einem Bruttoemissionserlös von voraussichtlich etwa 100 Millionen Euro angeboten werden. Zur Erreichung eines signifikanten Streubesitzes hat sich der Hauptaktionär - der europäische Riverside Fonds VI - zum Verkauf bestehender Anteile bereit erklärt. Heißt, dass er bestehende Anteile für eine etwaige marktübliche Mehrzuteilung zur Verfügung stellen wird. Das Gründer- und Management-Team von Bike24 wird im Rahmen des Angebots wiederum keine Aktien verkaufen.
Finanzspritze für Wachstumsbeschleunigung und mehr
Mit dem Börsengang wollen die Macher von Bike24 sowohl die Beschleunigung des aktuellen Wachstumstempos in Kontinentaleuropa als auch die Finanzierung der künftigen Geschäftsentwicklung vorantreiben. So sollen die Erlöse aus der Privatplatzierung unter anderem dem Ausbau der Fulfillment-Infrastruktur von Bike24 im In- und Ausland und der weiteren Lokalisierung des jeweiligen Angebots für ausgewählte Auslandsmärkte dienen.
Nach dem erfolgreichen Start des Online-Shops in Spanien plant Bike24 bereits den Roll-out länderspezifischer Online-Shops in Frankreich und Italien sowie den Aufbau lokaler Logistik- und Fulfillment-Zentren. Darüber hinaus möchte Bike24 das Einkaufserlebnis der Kunden durch die Nutzung neuer Technologien noch weiter verbessern. Ferner soll ein Teil der Erlöse dazu verwendet werden, die Kapitalstruktur durch die Refinanzierung bestehender Bankverbindlichkeiten zu optimieren.
Dazu Bike24-Mitbegründer und -CEO Andrés Martin-Birner: »Der Online-Handel mit Teilen, Zubehör, Bekleidung sowie Fahrrädern bietet enormes Wachstumspotenzial. Der Gang an die Börse ist daher der nächste logische Schritt in der Entwicklung von Bike24. Er wird gestützt durch verschiedene relevante Megatrends wie die grüne Mobilität und das steigende Gesundheitsbewusstsein. Die Kapitalerhöhung gibt uns über die Verbesserung unserer Finanzierungsstruktur hinaus die nötige Flexibilität, um unsere langfristigen Wachstumsambitionen weiterzuverfolgen und unsere führende Position im kontinentaleuropäischen Markt auszubauen.«
Imposante Geschäftsentwicklung
Seit 2018 betrugen die Wachstumsraten (bei gleichzeitig zweistelligen EBITDA-Margen) pro Jahr durchschnittlich 30 Prozent. Im Geschäftsjahr 2020 erwirtschaftete Bike24 einen Umsatz von 199,2 Millionen Euro – gegenüber 2019 ein Plus von rund 45 Prozent. Das bereinigte EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation) stieg sogar um mehr als 70 Prozent auf 26,7 Millionen Euro.
Dieses Wachstum scheint sich fortzusetzen: im ersten Quartal 2021 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 75 Prozent auf fast 58 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA konnte im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres von damaligen 2,9 Millionen Euro auf 7,3 Millionen Euro im ersten Quartal 2021 mehr als verdoppelt werden.
Bike24 erwartet sogar sowohl für den europäischen als auch für den deutschen Fahrradmarkt weiteres Wachstum. Dieses würde »durch langfristige gesellschaftliche Megatrends wie ein steigendes Gesundheitsbewusstsein, nachhaltige grüne Mobilitätslösungen und den Wunsch nach Premium-Produkten im Online-Handel zusätzlich angetrieben«.
Hinzu komme, dass der Ausbau städtischer Fahrradverkehrs-Infrastrukturen durch unterstützende regulatorische Initiativen wie dem europäischen Green Deal sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene die Nachfrage voraussichtlich weiter ankurbeln wird.

Text: Jo Beckendorff, Foto: Bike24

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