»Fahrrad-Wahn in Deutschland«: ZIV widerspricht Forsa-Chef Manfred Güllner

21.11.2016
Fahrrad-Wahn in Deutschland? Der ZIV kommt zu anderen Ergebnissen als Prof. Güllner.

Vor einigen Tagen sorgte ein Artikel des Leiters vom Meinungsforschungsinstitut Forsa, Manfred Güllner, in dem Magazin Kommunal vom Deutschen Städte- und Gemeindebund für Aufsehen. Darin stellte Güllner die Behauptung auf, deutsche Kommunen seien vom Fahrrad-Wahn befallen. »Schön wär’s!«, kontert der Zweirad-Industrie-Verband e.V. und verweist auf die Realität. Trotz des erfreulichen Aufschwungs des Themas Radverkehr in den letzten Jahren, gebe es in der Verkehrsplanung vielerorts nach wie vor eine deutliche Bevorzugung des motorisierten Verkehrs im Autoland Deutschland.

Der ZIV schreibt weiter: » Der Radverkehr wächst, vor allem in den deutschen Großstädten. Aber die Ausgaben für den Radverkehr sind nach wie vor verschwindend gering im Vergleich zum motorisierten Verkehr. Im Bundeshaushalt des Jahres 2016 sind mehr als sechs Milliarden Euro für Autobahnen und Bundesstraßen bereitgestellt. Der Radverkehr wird hingegen mit zirka 100 Millionen Euro gefördert.
Weiterhin ist das Fahrrad ein günstiges Verkehrsmittel mit nahezu keinerlei Zugangsbarrieren und somit für jeden nutzbar. Es ermöglicht auch denen mobil zu sein, die sich kein Auto leisten können. Dass Radverkehrspolitik Politik für reiche Eliten sei, wie es Güllner darstellt, ist doch eine sehr einseitige Betrachtungsweise.
Zudem nutzt Radverkehrsförderung allen Verkehrsteilnehmern. So minimieren z. B. Tempo-30-Zonen auch für Autofahrer und Fußgänger das Risiko schwerer Unfälle und weniger Staus kommen denen zugute, die auf das Auto angewiesen sind. Dass von der Minderung der Lärm- und Luftbelastung durch mehr Rad- und weniger Autoverkehr alle Einwohner profitieren, ist offensichtlich.

Radverkehrsförderung kommt allen zugute

Am Beispiel Berlin zeigt sich, dass Radverkehrspolitik nicht nur für Radfahrer wichtig ist. Laut einer Umfrage von infratest dimap (www.infratest-dimap.de) im Auftrag des RBB und der Berliner Morgenpost sagte die Hälfte der Auto- und Motorradfahrer, dass zu wenig für den Radverkehr getan werde. Zudem fanden auch 50 Prozent der Auto- und Motorradfahrer, dass der Volksentscheid Fahrrad mit seinen Forderungen in die richtige Richtung gehe. Auch der ADAC Berlin-Brandenburg (www.adac.de) hat eine Umfrage zum Thema Radverkehr in Berlin durchgeführt. Demnach befürworten 56 Prozent der Mitglieder, dass dem Radverkehr mehr Verkehrsraum zur Verfügung gestellt wird. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) unterstützen die Schaffung eines separaten, gut ausgebauten Fahrradstraßennetzes getrennt von den Hauptverkehrsachsen. Diese Menschen haben verstanden, dass Radverkehrsförderung allen Verkehrsteilnehmern zugutekommt.
Dass nach wie vor etliche Menschen lieber täglich im Stau stehen und hohe Kosten für Nutzung und Unterhalt eines Autos zahlen, anstatt mit dem Rad zu fahren, liegt in erheblichen Maße auch daran, dass sie aufgrund der vielerorts mangelhaften Fahrradinfrastruktur Angst haben auf das Rad zu steigen.
Verkehrsplaner täten deshalb gut daran, weiterhin die Realitäten in den Kommunen zu beobachten und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu erörtern. Und das heißt konkret, den Radverkehr weiter zu fördern und eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen.«

Den Beitrag von Prof. Manfred Güllner finden Sie hier:
Magazin Kommunal, 2. November 2016 - Fahrrad-Wahn in Deutschland?

Foto: winora/pd-f

 

 

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