Fahrradfachhandel 1. Halbjahr 2019: E-Bike-Nachfrage ungebrochen

03.09.2019

Aus der Sicht des Fahrradfachhandels ist das Jahr 2019 auch ohne besondere Wetterunterstützung bisher hocherfreulich gelaufen – den E-Bikes sei Dank. Rückenwind bekamen die Händler auch über Fahrradleasing und steuerlich begünstigte Dienstfahrräder. Die brachten zusätzliche Umsätze auch durch den Verkauf hochwertiger Räder.

Durchschnittlich 10 Prozent mehr Umsatz kommt beim Fahrradfachhandel im ersten Halbjahr dieses Jahres zusammen. Wie immer sei die Entwicklung in den Unternehmen sehr unterschiedlich gewesen, erklärt der Verband des Deutschen Zweiradhandels e.V. Diejenigen hätten am meisten von dem positiven Trend profitieren können, die konsequent ihr Waren- und Dienstleistungsangebot auf den wachsenden Anteil der E-Mobilität im Zweiradverkehr ausgerichtet hatten.

Preisniveau stabil – Stückzahl runter

Insgesamt wurden in Stückzahlen etwas weniger Räder verkauft, dies konnte jedoch durch den wachsenden Anteil hochwertiger Räder überkompensiert werden. Aufgrund der nachgefragten Qualität hätte auch das Preisniveau im Fachhandel weitgehend stabil gehalten werden können. »Die hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen im Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung des Elektrofahrrads als Verkehrsmittel, sind aber auch mit entsprechenden Erwartungen an das Angebot des Handels verbunden«, so der Hinweis des VDZ.
Positiv ausgewirkt hat sich die seit diesem Jahr verstärkte steuerliche Förderung von »Diensträdern« in Verbindung mit Fahrradleasing oder Finanzierung durch den Arbeitgeber. So konnten mehr hochwertige Elektroräder verkauft werden (Durchschnitt von 2.200 auf 3.000 Euro), vielfach zusammen mit einem »Wohlfühlpaket« inklusive Wartung und Reparatur. Hier beklagt der Verband des Deutschen Zweiradhandels, dass Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen die Vorteile der »Dienstfahrzeugregelung« nicht wahrnehmen könnten.
Größere Marktanteile eroberten sich die größeren Handelsunternehmen und der Internethandel. Einen Grund sieht der Verband in den breiteren Sortimenten. Dabei müsse allerdings berücksichtigt werden, dass nicht wenige stationäre Händler das Internet als Absatzkanal nutzten.

Sicherheit – E-Scooter - Service

In Bezug auf die zuletzt geführten Diskussionen um die Zunahme von Fahrradunfällen - vor allem mit E-Bikes, sieht die Fahrradwirtschaft die Lösung für mehr Sicherheit in erster Linie durch die Schaffung von ausreichend guten und sicheren Radwegen mit konsequenter Trennung der Verkehrswege. Die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellte eine Milliarde Euro sollte zügig abgerufen und für den Ausbau der Radwege eingesetzt werden, so die Forderung.
Das Sicherheitsthema wird auch in Bezug auf E-Scooter aktuell diskutiert. Laut VDZ kann der Fahrradfachhandel bisher noch nicht über eine spürbare Nachfrage in seinen Geschäften berichten, offensichtlich machten zunächst einmal die Verleiher das Geschäft. Zudem stelle sich der Fahrradfachhandel die Frage, ob er bei dem zurzeit vorherrschenden Preisniveau der Scooter seinen hochwertigen Service wirtschaftlich anbieten könne.
Service ist ein wichtiges Fachhandelsthema. Die für die anspruchsvoller gewordene Technik erforderlichen gut ausgebildeten Mitarbeiter seien allerdings nur schwer zu gewinnen, beklagt der Fahrradhandel und die Zahl der Auszubildenden im Fahrradhandel sei in den letzten Jahren rückläufig. »Die Konsequenz daraus kann nur sein, dass der Fachhandel selbst verstärkt ausbildet und für diese Ausbildung wirbt. Die Qualität von Beratung und Service wird auch in Zukunft über die Verteilung der Marktanteile entscheiden«, so die Erkenntnis des VDZ.
Auf der Wunschliste des Verbandes stehen »etwas mehr Kontinuität und längere Laufzeiten der Modelle«, denn die Modellvielfalt im Fahrradmarkt und der oft zu frühe Wechsel weit vor Ablauf der Saison stellten den Handel vor Probleme.

Zahlen und Trends

Weitgehend stabil ist der Umsatzanteil des Bereichs Bekleidung, Helme, Zubehör und Werkstatt im Fahrradfachhandel mit zirka 40 bis 45 Prozent. Höhere Umsätze verzeichnete der Werkstattanteil.
Bei den Verkäufen von Zweirädern (55 bis 60 Prozent Umsatzanteil) entwickelt sich der Anteil der E-Bikes im Fahrradfachhandel überproportional. Bei vielen Händlern machen sie inzwischen die Hälfte der Fahrradverkäufe aus.
Der Gesamtumsatz in der Fahrradbranche lag 2018 bei 5,6 Milliarden Euro. Insgesamt wird für das vergangene Jahr ein Umsatz mit Fahrrädern in Höhe von 3,1 Milliarden Euro angegeben, das sind zirka 3,9 Millionen Stück.  2,5 Milliarden Absatz an Zubehör, Textilien, Ersatzteile und Service sind insgesamt für 2018 verzeichnet.
Durchschnittlich wurden 2018 im Markt pro Fahrrad 750 Euro erzielt, bei den E-Bikes 2.500 Euro. Die motorisierten Fahrräder machen 23,5 Prozent (in Stück) am Umsatz aus, gerechnet in Euro 48 Prozent. Der Bestand an Fahrrädern in Deutschland wird mit 75,5 Millionen Stück angegeben (Stand 2018).
Der Marktanteil des Fachhandels am Fahrradverkauf macht in Stück 66 Prozent aus, in Euro 48 Prozent.
Quelle: VDZ
 

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