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Garmin: virtuelles Indoor-Cycling größter Lock-Down-Profiteur
Garmin

Navigationsexperte Garmin Ltd. – mit der Anfang 2019 getätigten Übernahme des niederländischen Anbieters Tacx Onroerend en Roerend Goed B.V. unter anderem auch verstärkt im Bereich Indoor-Trainer-, -Trainingssoftware und -apps tätig – hat in einem Blog-Beitrag seiner Ingenieure und Analysten die Aktivitätsdaten von registrierten Garmin-Nutzern in den ersten Tagen der Corona-Krise und des damit verbundenen Lock-Down ausgewertet. Fazit: den Daten zufolge war der 13. März – der Tag, an dem in den USA der Ausnahmezustand ausgerufen wurde – ein schicksalhafter Wendepunkt, der auch eine bedeutende Verschiebung der menschlichen Aktivitäten markierte. Anders ausgedrückt: die Auswirkungen der Pandemie haben zu einer Veränderung des aktiven Lebensstils geführt, von dem vor allem der virtuelle Radsport profitiert.

Angesichts der Tatsache, dass staatliche und kommunale US-Behörden ihren Bürgern verordneten, zu Hause zu bleiben, überrascht es nicht, dass die Daten von Garmin auf einen massiven Rückgang der Gesamtzahl der in den zweiten Märzhälfte unternommenen Schritte (Stichwort Schrittzähl-Geräte) hindeuten. »Dies ist ein offensichtliches Ursache-Wirkungs-Szenario und stimmt mit unseren globalen Trenddaten in China, Italien und anderen Ländern, in denen die Pandemie zuerst zuschlug, überein«, heißt es im besagten Blog-Beitrag.
Lock-Down führt von sportlichen Outdoor- zu Indoor-Aktivitäten
Somit registriert Garmin einen bemerkenswerten Wandel in der Art der Aktivitäten, die die Menschen ausüben – »was eine noch nie dagewesene Kehrtwende in Bezug auf die typische Frühjahrsbewegung und -aktivität widerspiegelt«.
In diesem Zusammenhang hat Garmin die prozentuale Veränderung des Aktivitätsniveaus in den Vereinigten Staaten für bestimmte Sportarten und Übungen untersucht. Dann wurden – um etwaige Zunahmen und Abnahmen zu ermitteln – die Daten der ersten März-Hälfte (= vor dem Lock-Down) mit denen der zweiten März-Hälfte (= nach dem Lock-Down) verglichen. Zur weiteren Verdeutlichung wurden die Ergebnisse auf der Grundlage des gleichen Zeitraums im Jahr 2019 dargestellt.
Ausgangssperren-Profiteur virtuelles Indoor-Cycling
Mit Blick auf den virtuellen Radsport ergab sich folgendes Bild: »Die virtuelle Radsport-Aktivität ist in der zweiten Monatshälfte (Anmerkung des RadMarkts: der 13. März war der Beginn des ausgerufenen Ausnahmezustandes in den USA – Stichwort »Shelter in Place«) und im Vergleich zur ersten Märzhälfte 2020 um unglaubliche 64 Prozent gestiegen – eine extreme Verschiebung, die im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres noch untypischer erscheint. Ganz anders sah es im Vorjahr aus, als die Radgemeinde in der zweiten Märzhälfte die ersten Sonnenstrahlen genießen konnte und ihre ersten (Outdoor-)Frühlingsrunden drehte. Damals rutschten die Indoor Cycling-Aktivitäten im Vergleich zur ersten Märzhälfte 2019 um 20 Prozent nach unten. Siehe dazu auch unten stehende Graphik 1.
Virtuelle Laufband-Aktivitäten wuchsen ebenfalls zweitstellig
Die Dinge werden noch interessanter, wenn sich die verantwortlichen Garmin-Ingenieure und Analysten außerhalb der Nischensportarten umschauen und Alltagssportler betrachten, die gezwungen waren, ihre täglichen (Outdoor-)Trainingsroutinen zu überdenken: »Indoor/Laufband-Laufen und Schwimmen sind um 44 Prozent bzw. 88 Prozent zurückgegangen. Oberflächlich betrachtet, klingt das, als ob wir zum Stillstand gekommen sind. Die ganze Geschichte weist jedoch auf das genaue Gegenteil hin. Beachten Sie dabei, dass die großen Fitness-Center im ganzen Land geschlossen sind – heißt, dass eine riesige Anzahl von Laufbändern derzeit nicht genutzt wird. Wenn wir uns das auf einem Laufband getätigte virtuelle Laufen ansehen, bei dem die Smartwatch mit einer externen App wie Zwift verbunden wird, sehen wir einen steilen Anstieg in der zweiten Märzhälfte. Und trotz der Schließung von Fitnesscentern hält sich das Indoor-Herz-Kreislauftraining insgesamt auf dem Niveau von 2019. Im Zeitraum 16. bis 30. März zeigt es einen wöchentlichen Anstieg von 18 Prozent.«  Siehe dazu auch unten stehende Graphik 2.
Konsumenten holen sich das Fitness-Studio nach Hause
Daraus zieht Garmin folgenden Schluss: Es trainieren mehr Menschen. Und sie finden neue Wege, dies »mit oder ohne eigene Geräte« zu Hause zu tun. Diese Aussage wird laut dem Navigationspionier durch Medienberichte über Geschäfte unterstützt, in denen Trainingsgeräte für zu Hause verkauft werden und diese – »weil sich die Bürger ihr Fitness-Studio zu sich nach Hause zu holen« – ausverkauft sind.
Gehen hält fit
Darüber hinaus sei das Gehen als protokolliertes Aktivitätsprofil (dies ist eine in Garmin-Geräte integrierte App) im Vergleich der ersten zur zweiten Märzhälfte um 36 Prozent gestiegen: »Dieser Anstieg ist doppelt so hoch wie die 18-prozentige Steigerung, die im Vergleich zum gleichen Frühjahrszeitraum des letzten Jahres beobachtet wurde. Die Zahlen bestätigen, was die meisten bei ihren eigenen Nachbarn beobachten – viele Menschen gehen zu Fuß. Sie halten sich zwar an die Empfehlungen zur sozialen Distanzierung, gehen aber trotzdem«.
Häusliche Routine meets virtuelle Aktivitäten
Garmin-Fazit: »All dies spiegelt eine weitere wichtige Beobachtung aus der realen Welt wider, die wir in den sozialen Medien sehen. Die häusliche Routine wird neu erfunden und virtuell mit anderen geteilt. Fitness-Fachhändler und Personal Trainer bieten ferngesteuerte Workout-Lösungen an. Die Verbraucher fordern sich gegenseitig heraus, sich weiter zu bewegen. Sogar Garmin hat einen #10KADAY-Schritt auf Instagram gestartet, um den Anhängern zu helfen, aktiv zu bleiben, während die ‚Shelter-in-Place‘-Bestellungen in Kraft sind.«
Das verantwortliche Garmin-Team will die sportlichen Aktivitäten seiner Nutzer während des Corona Shut-Down weiter untersuchen.

Text: Jo Beckendorff/Foto und Graphiken: Garmin
 

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