Heute wird Head Sport Großteil-Übernahme von ASI unterschreiben

22.01.2019
Das ASE-Geschäft setzt sich aus dem Fahrrad-Großhandel ASI und dem U.S.-Fachhandelsgeschäft PB zusammen.

Da in einem dem RadMarkt vorliegendem 62-seitigem Schreiben des sich mit dem Vergleichsantrag nach Chapter 11 von U.S.-Bikeanbieter Advanced Sports Enterprises Inc. befassenden Konkursgerichts in Durham/North Carolina bereits der unterschriftsreife Vertrags-Entwurf für den Verkauf eines Großteils der ASE Vermögenswerte an Head Sport-Tochter und Bieter und HTM Holdings USA, Inc. enthalten ist, ist davon auszugehen, dass dem internationalen Sportanbieter mit der börsennotierten Konzernmutter-Gesellschaft Head NV in Amsterdam heute in der allerletzten Überprüfung des Verkaufs (siehe auch gestrige ASE-Meldung) auch der letztendliche Zuschlag für die Übernahme eines Großteil der ASE-Vermögenswerte erhalten wird.

Vorab nochmals der Hinweis, dass der Vergleichsantrag nach Chapter 11 ausschließlich das ASE-Geschäft in den USA betrifft. Sowohl Advanced Sports GmbH (alias Advanced Sports Europe) mit Sitz in Mutlangen als auch Advanced Sports Asia sind laut Advanced Sports Europe-Geschäftsführer Armin Hoogstraten »sowohl finanziell als auch juristisch eigenständige Unternehmen«. Für den Vertrieb der in Europa angebotenen ASI-Marken und deren Modelljahr 2019-Produkte habe das ASE-Geschehen in den USA keinerlei Auswirkungen.
Wie gestern bereits geschildert, ist ASE nicht nur das Dach des Fahrrad-Großhandels Advanced Sports International (ASI - Marken Breezer, Fuji, Kestrel, SE Bikes etc.), sondern auch von der in den Vereinigten Staaten tätigen Fahrrad-Fachhandelskette Performance Bicycle (PB). Wie aus den USA zu erfahren ist hofft man dort auch, mit dem Verkauf an Head auch einige der einst 104 PB-Filialen inklusive des Onlinegeschäfts Performancebike.com and BikeNashbar.com retten zu können. 39 dieser PB-Filialen haben bereits dicht gemacht. Welche ASE-Vermögenswerte aber genau in der Übernahme seitens Head Sport enthalten sind, ist zum Zeitpunkt dieses Schreibens nicht bekannt.
Nur soviel: in der Übernahme sind auch Teile des PB-Fachhandelsgeschäfts von ASI dabei. Die vom Gericht angegebenen ASE-Vermögenswerte beinhalten nämlich – wie in einer »Transaktionsvereinbarung« festgelegt - neben Werkzeugen, Investment und Krediten auch die Mietverträge für 65 zu spezifizierende Einzelhandels-Standorte und dem Warenlager in Santa Fe/New Mexiko«. Und weiter: Ausgenommen seien die in der Transaktionsvereinbarung explizit genannten ausgeschlossenen Vermögenswerte. Die genaue Auflistung lag uns zum gestrigen Zeitpunkt dieses Schreibens leider nicht vor.
Der Kaufpreis »für die Übertragung der Rechte, des Eigentums und der Anteile der Verkäufer an den erworbenen Vermögenswerten« besteht aus einem Kaufpreis von 21,5 Millionen US$ (18,9 Millionen Euro) – und beinhaltet »die Übernahme der Verbindlichkeiten einschließlich aller daraus resultierenden zusätzlichen Kosten«.
Des Weiteren wird im vorliegenden Gerichtsschreiben vom 19. Januar versichert, dass »die Schuldner und ihre Berater einen robusten und umfassenden Marketing- und Verkaufsprozess für die Vermögenswerte durchgeführt« hätten. Anders ausgedrückt: Die Schuldner haben in Absprache mit ihren Beratern und den Konsultationspartnern einen fairen und offenen Verkaufsprozess durchgeführt. Verkaufsprozess und Auktion habe jedem Unternehmen die ordnungsgemäße, vollständige, faire und angemessene Gelegenheit geboten, ein Angebot zum Kauf der Vermögenswerte abzugeben. Das von den Schuldnern in Absprache mit ihren Beratern und den Konsultationspartnern gemäß den Ausschreibungsverfahren durchgeführte Verfahren habe »den höchsten und besten Wert für die Vermögenswerte für die Schuldner und ihre Nachlässe unter den gegebenen Umständen« erbracht.
Mit der Übernahme eines Großteile der ASE-Vermögenswerte ist auch klar, das der bisherige ASE-Produktionspartner Ideal Bike Corporation – der börsennotierte Anbieter gilt hinter Giant und Merida immerhin als drittgrößter Fahrradproduzent Taiwans – nicht direkt zum Zuge gekommen ist (oder nicht wollte/konnte?). Wobei auch anzumerken ist, dass das Konkursgericht die Lizenz- und -Fertigungs-Verträge von ASE mit Ideal bereits Ende letzten Jahres und im Rahmen des Vergleichantrags-Verfahrens aufgelöst hat.
Mit der Ablehnung der Verträge wurde ausgeschlossen, dass Ideal die oben genannten ASE-Fahrradmarken-Namen selbst verwendet. Besagte Ablehnung  wurde vom Ausschuss der ungesicherten Gläubiger und von Wells Fargo als einem der größten gesicherten Gläubiger der ASE unterstützt. Ideal hatte gegen diese Entscheidung Berufung einlegt.
Ob Ideal für ASE über das Jahr 2019 hinaus produzieren wird bleibt abzuwarten. Von dieser Entscheidung ist letztendlich auch Advanced Sports Europe direkt betroffen: einmal abgesehen von der Ideal-Produktion in Taiwan und China ist sowohl die Schutzblech-Fraktion als auch E-Bikes für den europäischen Markt in den Händen von Ideal-Europe Sp.zo.o. im polnischen Kutno.

Text: Jo Beckendorff
 

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