Kaffee zum Rad: Café Symphony and Thonglor Bike wächst

14.01.2020
Shinichi Hoshi (mittig stehend) beim Kaffee mit Nippon-Kunden.

Vor sechs Jahren hatte der RadMarkt über Fahrradcafés in Bangkok berichtet. Damals unter anderem dabei: das von dem Japaner Shinichi Hoshi eröffnete Ladenlokal Café Symphony and Thonglor Bike. Was sich seit unserem letzten Besuch alles verändert hat, verriet uns Hoshi-san jetzt.

Ein kurzer Blick zurück: Shinichi Hoshi verschlug es schon als Student nach Thailand, geblieben ist er bis heute. Im Hauptberuf ist er Präsident von Exstar Asia, einem Anbieter von Industrieschmierstoffen. Aus seinem Hobbys Kaffee und Fahrrädern hat er dann quasi einen Zweitberuf gemacht: »Als immer mehr Japaner in diese Gegend zogen, kam ich 2009 auf die Idee, ein Café mit einem auf sie zugeschnittenen Kaffeegeschmack zu eröffnen.« Da hatte sich Hoshi schon zwei Jahre mit dem Thema Kaffee beschäftigt. Persönlich fuhr er zu den anbauenden Bergvölkern im Norden Thailands. Dort kauft er nicht nur ein und lässt die frischen Kaffeebohnen unter seiner Aufsicht rösten, sondern unterstützt die dort lebenden Bergstämme auch bei einem Schulprojekt.
Was im Café Symphony so anders ist, erfahren wir von seiner Nippon-Kundschaft: »Sonst nirgendwo in Bangkok kann man noch per Hand zubereiteten Kaffee bekommen. Hier gibt es keine Maschine, die ihn in zwei Minuten ausspuckt. Wenn wir bei Hoshi einen per Handfilter aufgebrühten Kaffee bestellen, dauert das 15 Minuten. Das Warten lohnt sich. Hoshis Kaffee schmeckt ganz anders.« So entsteht aus der Zubereitung eines jeden Kaffees praktisch eine Welt, bei der die Zeit stehen bleibt wie bei einer traditionellen japanischen Teezeremonie.

Von Kaffee zu Fahrrad
Da der »thailändische Japaner« aber auch Fahrräder liebt, kam ihm 2012 die Idee, diesen Bereich in sein Café in Nihonmachi (Bezeichnung für historische japanische Gemeinden in Südost- und Ostasien) zu integrieren. Sein Erstkontakt führte ihn zum bekannten japanischen Fahrradimporteur und Großhändler Aki. Dieser stellte ihm die Marke Louis Garneau in den Laden. So wurde aus Café Symphony das Café Syphomy and Thonglor Bike. Es folgten die Marken Merida und Primavera. Mit letzterer – einer kleinen Fahrradmarke aus Taiwan, die es heute nicht mehr gibt – wurde Hoshi selbst zum Importeur und Vertriebspartner in Thailand. »Damit habe ich aber 2014 aufgehört. Ich will mich ganz auf meinen Fachhandel konzentrieren«, erklärt Hoshi zwischen zwei Kundengesprächen.
Aber was heißt schon »konzentrieren«: in der Woche ist Shinichi Hoshi als Präsident von Exstar Asia im Einsatz. In dieser Zeit wird sein Laden von seinen thailändischen und inzwischen japanisch sprechenden Mitarbeitern geführt. So bleibt dem Besitzer nur das Wochenende. Und das weiß er für seinen Laden, sich und seine Kunden zu nutzen. O-Ton Hoshi: »Am Samstag und Sonntag fahren wir zusammen früh morgens zur Happy and Healthy Bike Lane am Flughafen. Dort drehen wir gemeinsam ein paar Runden. Nachmittags treffen wir uns dann hier im Cafe. Da wird es hier richtig eng.«

Zielgruppe Nippon-Expat-Community
Was dem Kaffee- und Fahrradladen-Macher ebenfalls in die Karten spielt: Anfangs waren in Nihonmachi fast nur japanische Geschäfte zu finden. Heute ist die Gegend auch ein Wohngebiet, hier leben viele Nippon-Expats (Kurzform von Expatriate: international tätige Führungskräfte). Überhaupt spielt die japanische Gemeinschaft in der thailändischen Wirtschaft eine wichtige Rolle. Zudem hat sie im Königreich eine lange Geschichte. Etwa zwei Drittel der 75.000 in Thailand ansässigen Japaner sollen in Bangkok leben. Damit ist die Hauptstadt laut Angaben des Außenministeriums »hinter Los Angeles, New York City und Shanghai« die Stadt mit der weltweit viertgrößten Nippon-Expat-Community.
Somit setzt sich aus dieser Community die Hauptkundschaft von Café Symphony and Thonglor Bike zusammen. Dieser bietet Hoshi neben Kaffee und Rennrädern mittlerweile auch Mountainbikes und Falträder. Die heutige Kundschaft besteht allerdings nicht nur aus Japanern. Während unseres Besuchs schauten zum Beispiel ein Neuseeländer und ein Australier rein. Sie priesen den persönlichen Fahrradservice.
In einem weiteren Gespräch mit Shinichi Hoshi verweist dieser unter anderen auf den seit 2016 amtierenden König Maha Vajiralongkorn. Der sei regelrecht Fahrradfan: »Darum glaube ich auch, dass es trotz des aktuellen Running-Booms weiterhin gut im Bereich Fahrrad laufen wird. Natürlich ist die Ausrüstung fürs Laufen im Vergleich zum Radfahren günstiger – ein Grund, warum viele Thailänder momentan eher auf Running setzen. Ich stelle aber auch fest, dass immer mehr Thais mittleren Alters aus der wachsenden Mittelschicht derzeit aufs Rennrad steigen. Zwar kaufen sie eher Modelle zu Einstiegspreislagen, die es hier bis dato weniger gegeben hat. Wenn hier in der Vergangenheit Rennräder verkauft wurden, dann Modelle von Premiummarken zu Mittel- und Hochpreislagen.«

Stabiler Markt erwartet
Mit Blick in die Zukunft meint Hoshi: »Der Fahrradmarkt sollte weiterhin stabil sein. Momentan läuft es wegen der ausgebauten Radwege in den Stadtparks etwas Richtung Alltagsrad. Diesen Bereich decken wir mit unserer Faltradmarke Dahon ab. Falträder lassen sich bestens im Auto verstauen. Was das sportliche Radfahren betrifft, läuft hier alles weiter Richtung Rennrad. Auch wenn der Boom nach HBBL-Eröffnung etwas abgeflaut ist: Langfristig bleibt das Thema Rennrad in Thailand vorn.« Gesundheitsbewusstsein, Freizeitgestaltung und die wachsende Mittelschicht befördern diesen Trend – wenn nicht auf dem Land, so doch zumindest in Bangkok selbst.
www.facebook.com/CafeSymphonyThonglorCoffeeBike

Text/Fotos: Jo Beckendorff

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