Kellys Bicycles verlagert E-Bike Produktion komplett nach Europa

25.08.2020
Führte gekonnt durch die virtuelle Kellys Bicycle 2021er-Präsentation: Executive Manager Michal Divinec.

Auf der diesjährigen virtuellen Präsentation der neuen Fahrradprodukte 2021 von Bikeanbieter Kellys Bicycles s.r.o. (alias Kellys Bike Company) erwähnte Executive Manager Michal Divinec unter anderem auch die Produktionsverlagerung aller E-Bike-Rahmen von Asien nach Europa.

In diesem Zusammenhang arbeiten die Slowaken nicht nur, aber zumindest mit Blick auf ihre vollgefedertes Flaggschiff E-Mountainbike-Serie »»Theos F«  mit dem jungen belgischen Produzenten REIN4CED zusammen – einem innovativen Spezialisten im Bereich eines faserverstärkten leichten Verbundmaterials, der mit der Accell-Gruppe zu Beginn des Jahres bereits einen namhaften Premiumrad-Anbieter für sich gewinnen konnte. Wo Kellys seine anderen E-Bike (Alu)-Rahmen für die Saison 2021 marktnah in Europa produziert lässt, wollte man dem RadMarkt auch auf Nachfrage nicht beantworten. Name und Land/Ort dieses Produzenten wolle man nicht öffentlich kommunizieren. Allerdings hat der RadMarkt so eine Ahnung, wer es tatsächlich sein könnte.
Bereits Anfang 2020 berichtete der RadMarkt, dass die holländische Accell Group schon Mitte des Jahres erste »Made in Belgium» Hardtail-Mountainbike-Modelle unter dem Namen seiner deutschen Marke Ghost Bikes mit der Rahmentechnologie von REIN4CED in den EU-Markt rollen wird.
Zauberformel Karbon-Verbundstoff
Dabei setzen die Belgier mit ihrer jungen Produktionsstätte in Leuven (Jahreskapazität: 20.000 Rahmen) auf eine automatisierte Produktionslinie für hybride Fahrradrahmen. »Hybrid« deshalb, weil diese Rahmen auf einen Kohle- und Stahlfaser-Verbundstoff setzen. Die thermoplastischen Verbundwerkstoffe werden mit der dahinter von REIN4CED entwickelten Technologie namens »Feather« versehen – einem laut Anbieter schlagfesten Material, mit dem man »erstmals die kommerzielle Produktion von Karbonrahmen in Europa« ermöglicht.
Kellys: Fully-Rahmenpremiere mit Karbon-Verbundmaterial
Bikeanbieter Kellys präsentiert nun nach drei Jahren Entwicklungsarbeit unter dem Mantel seiner Flaggschiff-Serie »Theos F« erste vollgefederte E-Mountainbikes (bzw. E-Enduros, 140 und 170 Millimeter Federweg), die mit Rahmen des neuen Produktionspartners REIN4CED und dessen entwickelten thermoplastischen Stahl-Kohlenstoff-Hybrid-Verbundwerkstoff »Feather« in die Saison 2021 surren sollen.
Die eingesetzten 720 Wh (anstelle von bis dato 630 Wh-)Batterien kommen übrigens von BMZ. Beim Antrieb setzt Kelly’s auf den Nachfolger des aktuellen (Mittel-)Motors »E8000« von Shimano. Dank marktnaher Produktion soll »Theos F« schon im Februar 2021 ausgeliefert werden können.
Allerdings ist nicht nur das eingesetzte Rahmenmaterial revolutionär, sondern auch die Art und Weise, wie dieser thermoplastische Hybridrahmen aus Stahl-Kohlenstoff-Verbundwerkstoff gebaut wird: eingesetzte Roboter sollen in der REIN4CED-Produktionsstätte »für höchste Qualität und ultimative Leistung« sorgen.
Kellys E-Bike-Alurahmen künftig auch marktnah Made in Europe
Kellys geht aber noch einige Schritte weiter. Nicht nur die Karbon-Verbundstoff-Rahmen für die vollgefederten E-Topmodelle »Theos F« werden in Europa produziert, sondern Kellys komplette E-Bike Range. Heißt, dass neben »Theos F« auch alle R-Series (»Tygon R« und »Tayen R«) sowie die E-Trekking- und -City-Modelle »E-Carson«, »E-Cristy« und »Estima« künftig in Europa produziert werden. Sie surren allerdings kollektiv mit Alu-Rahmen in den Markt. Wer diese marktnah produziert, scheint derzeit Betriebsgeheimnis. Kellys wollte dies auch auf RadMarkt-Nachfrage nicht beantworten. Nur soviel: mit einer marktnahen Europa-Produktion würden Versand und Logistik drastisch reduziert – was nicht nur Kosten sparen, sondern auch zu schnelleren Lieferungen führen würde (ganz zu schweigen von einem positiven Beitrag zur CO2-Emmissionseinsparung).
Alle Kellys E-Bikes mit noch mehr Power
Dazu Kellys-Chef Michal Divinec: »Für die nächste Saison fügen wir unseren E-Bikes zwei wesentliche Vorteile hinzu. Die gesamte ‚Tygon-` und ‚Tayen‘-R-Serie ist mit einer neuen Generation von 720 Wh-Batterien und einer Kapazität von 20Ah ausgestattet. Dank eines im Vergleich zu den aktuell eingesetzten 630 Wh-Akkus besseren Verhältnisses von Kapazität zu Gewicht dürften ‚Tygon‘ und ‚Tayen‘ 2021 die leichtesten Hardtail-Mountain-E-Bikes sein, die mit ähnlicher Kapazität in den Markt kommen. Um engere Toleranzen, einen besseren Fertigungsaufbau und damit mehr Qualität zu gewährleisten, werden alle Rahmen der R-Serie vollständig in Europa von Robotern produziert«. Alle 2021er-Innovationen für »Tygon« und »Tayen« würden sich auch in den E-Trekking- und City-Modellen der Slowaken wiederfinden.
Apropos vollautomatisierte (Roboter-)Produktion: alleine diese Aussage lässt den RadMarkt vermuten, dass es sich beim Produzenten um Triangle's Cycling Equipments S.A. im Bike Value Portugal handelt. Den hatte der RadMarkt 2017 besucht (siehe RadMarkt-Ausgabe 9/2017). Triangle‘s setzt nämlich erstens ausschließlich auf Alu-Rahmen und wollte sich zweitens zuerst auf die Produktion von Hardtail-Rahmen konzentrieren, bevor man sich an das im Vergleich schwierigere Thema vollgefederte Fahrrad-Rahmen wagt.
Die virtuelle Präsentation der Kelly Bicycle Range 2021 ist derzeit übrigens noch unter diesem Link aufzurufen.

Text: Jo Beckendorff, Fotos: Kellys Bicycles
 

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