Komodo-Projekt wird als Erfolg gewertet

03.06.2019
Die Zusteller mit ihren sofort zuordnenbaren Lastenrädern.
Die Zusteller mit ihren sofort zuordnenbaren Lastenrädern.

Paketauslieferung per Lastenrad – das kann funktionieren. Auch wenn die Wirtschaftlichkeit noch nicht ganz klar zu sein scheint, hat das Komodo-Pilotprojekt in Berlin Prenzlauer Berg offenbar positive Erkenntnisse erbracht und den Beteiligten ermöglicht, eine Menge dazuzulernen. Eine genaue Auswertung steht allerdings noch bevor.

Das gelbe, braune oder rotweiße Lieferfahrzeug, das in zweiter Reihe parkt, prägt das Stadtbild von Berlin wie das keiner anderen Stadt, jedenfalls gefühlt. Sowohl in der Platz- und Staufrage als in Sachen Emissionen sollte der Umstieg auf Lastenräder die Wende bringen, und das Pilotprojekt Komodo (Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paket-Branche für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern in Berlin) wurde bewusst in den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg gelegt, wo man auf wenigen Kilometern viele Lieferadressen hat.
Kern des vor einem Jahr gestarteten Modellversuchs ist ein Mikrodepot am Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, das sich die fünf großen Logistiker teilen (DHL, UPS, DPD, Hermes, GLS). Dort liefern kleine LKWs die Pakete an. Die Fahrradkuriere entnehmen und verladen sie in ihre elektrisch unterstützten Lastenräder. Der DHL-Zusteller spricht von rund 40 Paketen pro Ladung, die dann im Umkreis von 2-3 Kilometern vom Depot zugestellt werden.
Das Bundesumweltministerium hatte mit ihren Fördermitteln zur Errichtung des Depots beigetragen. Einzelne Logistiker arbeiten mit ähnlichen Lösungen in anderen Städten, aber nur bei Komodo sind alle in einem Projekt vereint.
Normalerweise werden neue Produkte, Lösungen und Projekte mit großem Pomp vorgestellt, aber danach hört man oft nichts mehr davon. Hier wurde aber ein Jahr nach der Pressekonferenz zum Start eine weitere einberufen (22. Mai), um von den Erfahrungen zu berichten – und dass die Lösung für umweltverträglichen Lieferverkehr nach dem Projektende fortgeführt wird. 
Vor allem in Gebieten mit einer hohen Empfängerdichte und einer für Lastenräder geeigneten Sendungsstruktur (Paketanzahl, -volumen und -gewicht) können Mikro-Depots und Lastenräder effizient eingesetzt werden. Über den Personalaufwand konnten mit Blick auf die kleineren Ladevolumina pro Tour noch keine präzisen Angaben gemacht werden.
Täglich sind bis zu elf Lastenräder der Projektpartner im Einsatz. In zehn Monaten Feldversuch wurden zirka 38.000 Kilometer mit den Lastenrädern zurückgelegt. Im gleichen Zeitraum wurden von den Projektpartnern 160.000 Pakete mit Lastenrädern im Zustellgebiet ausgeliefert. Während des Feldversuchs konnten 28.000 konventionelle Fahrzeug-Kilometer eingespart werden. Dies entspricht einer Reduktion von rund 11 Tonnen CO2.
Die beteiligten Paketdienstleister konnten die ausgelieferten Paketmengen im Projektverlauf kontinuierlich steigern. In verdichteten Innenstädten sind öffentliche Flächen ein knappes Gut. Sie sollten daher kooperativ und dadurch besonders effizient genutzt werden, erklärt der Berliner Senat, der das Projekt ebenfalls unterstützt.
Die Projektpartner möchten deshalb auf den bisherigen Ergebnissen aufsetzen und den Ansatz der Mikro-Depots verstetigen. Die beteiligten Paketdienstleister werden auch nach Ende der öffentlichen Förderung (1. Juli 2019) den jetzigen Standort für ein weiteres halbes Jahr für die Auslieferung mit Lastenrädern nutzen.
Darüber hinaus will der Senat gemeinsam mit den Bezirken nach geeigneten Standorten für weitere Mikro-Depots in Berlin suchen- 2020 könnten wenigstens drei Standorte dazukommen.
Marc Baumgarte von GLS sagte, dass man immer noch dazulerne, was die Fahrzeuge betrifft. An sei noch in der Phase der Problembeschreibung. Die Logistiker ließen durchblicken, dass sie sich immer noch einer Struktur kleiner und mittlerer Anbieter von Lastenrädern gegenübersähen, eine skalierte industrielle Entwicklung und Produktion wurde dabei etwas vermisst.

Statements der Logistiker

Marc Rüffer, Abteilungsleiter Betrieb bei DHL Paket: »Klar ist aber auch: Mit Lastenrädern allein lassen sich die steigenden Sendungsmengen in einer Metropole wie Berlin nicht bewältigen. Wir setzen daher weiterhin primär konsequent auf den Ausbau unserer Elektro-Transporter-Flotte mit dem Streetscooter. Allein in Berlin und Brandenburg sind heute schon rund 450 Streetscooter im Einsatz. Bis 2050 wollen wir nicht nur komplett emissionsfrei zustellen, sondern alle unsere logistikbezogenen Emissionen auf null reduzieren.«

Gerd Seber, Group Manager Sustainability & Innovation DPD: »Unter günstigen Bedingungen kann ein Lastenrad im Zustellgebiet ebenso effizient sein wie ein herkömmlicher Transporter. Das Komodo-Projekt hat gezeigt, dass die anbieterübergreifende Nutzung solcher Flächen auch in der alltäglichen Praxis sehr gut funktionieren kann.«

Marc Baumgarte, Region Manager Germany East von GLS Germany: »Wir haben unsere E-Bike-Zustellung bereits auf Berlin Mitte ausgeweitet und leisten somit unseren Beitrag für eine nachhaltige Innenstadtlogistik.«

Michael Peuker, Komodo-Projektleiter bei Hermes Germany: »Über Komodo hat Hermes 58.000 Pakete emissionsfrei zugestellt und in dem Einsatzgebiet drei von fünf klassischen Lieferwagen eingespart. Die Lastenräder passen sehr gut zu unserem Mobilitätskonzept Urban Blue mit einem klaren Ziel: Bis 2025 wollen wir die 80 größten Innenstädte Deutschland emissionsfrei beliefern.«

Lars Purkarthofer, Leiter UPS Hauptstadtbüro Berlin: »Wir haben in 2012 in Hamburg damit begonnen, systematisch die Innenstadt mit Hilfe von Lastenrädern zu beliefern. Mittlerweile haben wir entsprechende Lösungen in 30 Städten implementiert. City-Logistik-Projekte wie hier in Berlin sind nur möglich, wenn alle Beteiligten konsequent und konstruktiv zusammenarbeiten. So kann Komodo beispielgebend auch für andere Städte sein, um die innerstädtische Paketzustellung nachhaltiger zu gestalten.«

Text/Fotos: Michael Bollschweiler

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