Elektromobilität in der Reha-Technik: PFH-Forschungsprojekt zur Entwicklung eines E-Handbikes

08.07.2021
Orthopädie-Fachmann Julian Schulz mit dem Handbike-Ergometer.

Die PFH Private Hochschule Göttingen forscht mit einem Team an ihrem Standort am Hansecampus Stade zu Elektromobilität in der Rehabilitationstechnik (EMOB-REHA). Dabei soll ein elektrisch unterstütztes dreirädriges Handbike entwickelt werden, das körperlich behinderten Menschen mehr Mobilität und Teilhabe im Alltag bringen soll.

Bisher sind Handbikes, die zumeist nicht elektrisch unterstützt sind, bekannt durch ihren Einsatz im Sport. Diese sind allerdings im Alltag weniger tauglich. »Das Innovationspotenzial unseres neuartigen Lösungsansatzes ‚EMOB-REHA‘ besteht darin, ein Fahrzeugkonzept für körperlich behinderte Menschen zu entwickeln, welches das gleichzeitige Steuern und Antreiben zulässt, über eine elektrische Unterstützung verfügt, einen kleinen Wendekreis hat, über eine gute Traktion verfügt und Reifenbreiten zulässt, die auch ein Befahren von losem Untergrund, im Extremfall von Sand in Strandbereich, ermöglichen«, erläutert Prof. Dr.-Ing. Marc Siebert, der das Forschungsteam leitet. Ein leichter Ein- und Ausstieg durch zum Beispiel eine wegschwenkbare Lenksäule sowie eine leicht erhöhte Sitzposition, sollen durch den neuartigen Lösungsansatz ebenfalls umgesetzt werden.
Um eine möglichst große Gruppe körperlich behinderter Menschen und insbesondere auch Kindern die Handbike-Nutzung ermöglichen, setzen die Entwickler auf eine modulare Plattformstrategie ähnlich der Vorgehensweise im Automobilbereich. »Basierend auf einem Basisrahmen-Konzept wollen wir so sowohl ein Alltags-Handbike, ähnlich einem Trekking- beziehungsweise Cityrad, als auch ein High-End-Sportgerät ableiten können«, erklärt Prof. Siebert.

Neuentwicklungen: Handbike-Ergometer und Scan-Messzelle

Das Forschungsteam hat jetzt eine stufenlose Simulationseinrichtung vorgestellt, das sogenannte »Handbike-Ergometer«. Es soll eine behinderungsgerechte Sitzposition ermitteln. Dafür wird eine neu entwickelte mobile Scan-Messzelle eingesetzt, die eine barrierefreie und berührungslose Erfassung biometrischer Daten erlaubt. Die Simulationseinrichtung wurde bereits an das Sanitätshaus Movimento in Kassel übergeben, weitere Partner sollen in Kürze folgen. Die dort gewonnenen Daten will das Forschungsteam um Marc Siebert nutzen, um das E-Handbike technisch umzusetzen.
»Mit dem Handbike-Ergometer können wir bereits im Vorfeld zusammen mit unseren Kunden die optimale Sitzposition simulieren und kommen der optimalen Versorgung wieder einen Schritt näher«, freut sich Julian Schulz, Orthopädietechnik-Mechaniker mit Schwerpunkt Rehatechnik bei der Movimento Orthopädie & Rehatechnik GmbH.
Das auf zwei Jahre angelegte Projekt EMOB-REHA (Elektromobilität in der Rehabilitationstechnik) am Lehrstuhl »Technologie der Faserverbundwerkstoffe« startete bereits im Januar 2020. Neben dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und verschiedenen Unternehmen aus der Reha-Branche gehört zu den Förderern auch der Fahrradreifenhersteller Bohle.
Foto: PFH

 

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