Mavic-Insolvenz: Heimische Investorengruppe trommelt für Rettung

25.05.2020
Mavic-Logo.

Laut Meldungen aus Frankreich hat der renommierte Wirtschaftsanwalt Didier Poulmaire eine Gruppe heimischer Experten unterschiedlichen Backgrounds um sich herum versammelt. Ihr gemeinsames Ziel: den wie berichtet in eine Insolvenz im Schutzschirmverfahren geschlitterten Fahrrad-Komponentenanbieter Mavic S.A.S. zu retten. Immerhin handelt es sich bei Mavic (gegründet 1898) um eines der ältesten Unternehmen des Landes. Außerdem sind »die Gelben« auch technischer Partner der heimischen Tour de France. Da die Frist für die Abgabe von Übernahme-Angeboten auf den 2. Juni festgelegt wurde, ist Eile geboten.

Laut Poulmaire geht es darum, 200 heimische Arbeitsplätze von Menschen zu retten, die ”das gelbe Blut« in ihren Adern hätten. International bekannt ist der schillernde (Sport-)Anwalt als einstiger Berater der französischen Schwimm-Weltmeisterin Laure Manaudou sowie durch seine Rolle, die er bei der Übernahme des Fußball-Klubs Olympique Marseille seitens des amerikanischen Milliardärs Frank McCourt im Jahr 2016 eingenommen hatte.
Französische Gewerkschafter hatten den im Sommer 2019 getätigten Verkauf des sich damals in den Händen der finnischen Amer-Gruppe befindenden traditionellen Unternehmens an den amerikanischen Investmentfonds Regent LP von Anfang an in Frage gestellt. Was sie auch beklagen: bis dato habe keine klare »Entflechtung« der einst langjährigen Mavic-Mutter Salomon Group und Mavic stattgefunden. Nach wie vor ist zum Beispiel die Mavic-Zentrale in Annecy im Headquarter der Salomon Group zu Hause. Außerdem besitze und kontrolliere Salomon-Mutter Amer Sports (seit letztem Jahr in Händen des chinesischen Sportriesen Anta Sports) immer noch eine Mavic-Produktionsstätte für Karbon-Laufräder in Bulgarien (die Laufrad-Produktion in Rumänien gehört hingegen wie die Alu-Felgenproduktion im heimatlichen Triveir-sur-Moignans bei Lyon auch zu Mavic).
Didier Poulmaire geht es eigenen Angaben zufolge darum, das traditionelle Unternehmen Mavic und dessen Zukunft in französische Hände zu legen. Welche Landsleute sich für die Mavic-Rettung bisher um Poulmaire geschart haben, wird zum Zeitpunkt dieses Schreibens nicht in der französischen Medienwelt kommuniziert.
Nur soviel: laut L’Equipe soll es sich »um eine kleine Gruppe von Experten aus den Sektoren Fahrradproduktion, Vertrieb, Events und Marketing sowie zwei renommierten Ex-Rennrad-Fahrern« handeln. Zudem soll »ein großer Name aus der französischen Wirtschaftswelt« hinzustoßen.Dieser prüfe gerade Möglichkeiten, sich der Gruppe anzuschließen.
Laut Meldungen national anerkannter Zeitungen wie oben genannte L’Equipe werden bereits erste Gespräche über ein Mavic-Wiederaufbauprojekt mit dem eingesetzten Turnaround-Team geführt.
Wie bereits berichtet hat sich die US-Beteiligungsgesellschaft Regent selbst in Sachen Mavic-Insolvenz im Schutzschirmverfahren nur in einem Brief an seine Kunden gewandt. Demnach ermögliche es die aktuelle Situation, »nicht tragfähige Kosten zu mildern und hoffentlich Zugang zu zusätzlichem Kapital zu erhalten, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern und ein stärkeres mit der Fähigkeit zu schaffen, unsere Kunden weltweit besser zu bedienen«.
Letztendlich noch der Hinweis, dass weder in der Mavic-Zentrale noch in den -Produktionsstätten die Räder still stehen. Soweit es die Corona-Krise zulässt, sollen bis Ende Mai wieder ein Drittel der Mitarbeiter, die zuvor aus dem Homeoffice herausarbeiteten, wieder in ihre Büros in der Firmenzentrale zurückkehren«. Dieser Anteil soll im Juni auf 50 Prozent und im Juli/August wieder auf 100 Prozent hochgefahren werden. Mavic-Mitarbeiter aus der Firmenzentrale dürfen sich derzeit übrigens nicht zur Insolvenz äußern. Deshalb »no comment«.

Text: Jo Beckendorff

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