Messe Friedrichshafen: Corona-Messetest mit Interboot bestanden

25.09.2020
Leitete die Interboot 2020 als erste Messe in Baden-Württemberg seit dem Frühjahr sicher durch Corona-Fahrwasser: Messe Friedrichshafen-Chef Klaus Wellmann.

Test bestanden – dieses Fazit lässt sich bereits jetzt schon – und vor Ende der derzeit laufenden Messe Interboot 2020 (19. bis 27. September) auf dem Gelände von Eurobike-Macher Messe Friedrichshafen - ziehen. Das wird der Corona-bedingt auf den späten November (24. bis 26. November) verschobenen Eurobike Spezialausgabe 2020 nach viel Gegenwind sicherlich auch noch einmal Rückenwind geben. Die 59. Interboot ist die erste große Messe, die seit Frühjahr in Baden-Württemberg stattfindet – und gilt somit nicht nur als Test- und Übungsfall für die künftigen Messen von Eurobike-Macher Messe Friedrichshafen, sondern für sämtliche Messen in Baden-Württemberg.

»Wir freuen uns, wieder Messen durchführen zu dürfen. Die Interboot als erste große Live-Veranstaltung nach dem Lockdown bestätigt uns mit ihrem sehr positiven Verlauf für unsere umfangreichen Vorbereitungen«, erklärt Messe Friedrichshafen-Geschäftsführer Klaus Wellmann dem RadMarkt auf Anfrage. Selbstverständlich habe man diese Spezialausgabe mit besonderen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen sowie unter Wahrung sämtlicher Auflagen organisiert. Denn nur so könne man den Messebesuch in diesen Zeiten zu einem sicheren Einkaufserlebnis machen: »Das Hygienekonzept geht voll auf. Sowohl Aussteller als auch Besucher zeigen viel Verständnis.«
Mit der Interboot könne man derzeit zeigen, dass man auch mit weniger Ausstellern und Besuchern eine Branchenplattform stemmen kann. Alleine am Eröffnungs-Wochenende (19./20. September) schauten laut Messe Friedrichshafen an die 12.500 Interboot-Besucher vorbei. Sie informierten sich in den sechs besetzten Hallen des Messe Friedrichshafen über die Neuheiten der rund 200 Aussteller. »Größe und Internationalität sind derzeit sicherlich eher limitierende Faktoren und Überschaubarkeit und Regionalität wirken hilfreich«, sieht Wellmann das Positive.
Folgende zentralen Erkenntnisse habe man dank der momentan laufenden Messe Interboot sammeln können, die sich auch auf die anstehende Eurobike Spezialausgabe ableiten lassen: »Erstens: eine Messe funktioniert auch unter schwierigen Bedingungen gut und sicher. Zweitens: auch in Krisenzeiten ist es wichtig, dass sich eine Branche überhaupt und möglichst geschlossen darstellt. Drittens: das beste ‚Tool‘ ist der persönliche Austausch.«
Corona-Profiteure 
Was Messe Friedrichshafens stellvertretender Leiter Kommunikation Frank Gauß nach einem Rundgang über die laufende Interboot dem RadMarkt auch noch auf den Weg gibt: »Wassersport liegt wie Radfahren auch derzeit voll im Trend. Beide Branchen profitieren von der Corona-Pandemie. Wassersport-Produkte wie Boote, Boards und Zubehör erleben derzeit beste Verkäufe. Selbst hier auf der Messe berichten Aussteller über einen guten Absatz.«
Was allerdings mit Blick auf die ebenfalls von Covid-19 profitierenden Fahrradbranche anders sei: »Wir mussten die diesjährige Interboot nicht wie die Eurobike auf einen späteren Termin verlegen.« Das ist sicherlich ein Grund, warum die diesjährige Fahrradmesse am Bodensee auch bei den Besucherzahlen Federn lassen wird. RadMarkt-Anmerkung: zudem sind in diesem Jahr an allen drei Eurobike-Tagen ausschließlich Fachbesucher zugelassen. Das Publikum bleibt außen vor.
Krise als Chance nutzen
RadMarkt-Tipp: kleine (unabhängige?) Fahrrad-Fachhändler sollten die Gunst der Stunde nutzen. Gerade sie müssen immer stärker auf »Klasse statt Masse« setzen. Mit Ausbleiben der großen Player als Aussteller können sie in diesem Jahr gezielt mit kleinen Playern Gespräche führen. Hier eröffnet sich für den Fachhändler die einmalige Gelegenheit, sich künftig mit der einen anderen Nischenmarke noch besser an seinem Heimatort in Szene zu setzen.
Vielleicht ist diese Nischenmarke ja mit ihrem individuellem Baukasten-System in Sachen Komplettrad-Angebot quasi das Salz in der Suppe, mit dem man großen Mitbewerbern bestens contra bieten kann. Gerade für kleine feine Händler ist es doch wichtig, einen Lieferanten an Bord zu haben, der seinen Handelspartnern nicht mit Mindest-Abnahmemengen torpediert, sondern eher an ein gemeinsames Schritt-für-Schritt-Wachstum mit gleichberechtigtem Partner interessiert ist. Diese Tatsache sollten Fahrrad-Fachhändler, die sich bereits von der Idee eines diesjährigen Eurobike-Besuchs verabschiedet haben, noch einmal überdenken…
Letztendlich ist sich Klaus Wellmann sicher: »Die kommende Spezialausgabe der Eurobike wird vor allem die Menschen der Branche zusammenbringen, die dafür nicht per Flugzeug um die halbe Welt fliegen müssen. Dennoch sind wir überzeugt, dass die Fahrradbranche auch im Ausnahmejahr 2020 großen Redebedarf hat und die Teilnahme an der Eurobike im November für jeden perspektivisch wertvoll ist.«

Text: Jo Beckendorff, Fotos: Messe Friedrichshafen

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