Peloton 2021/22: Umstrukturierung sorgt für weitere hohe Verluste

29.08.2022

Einen Tag nach der Ankündigung, seine Produkte in der Heimat USA künftig auch über Amazon laufen zu lassen und somit weiteres Wachstum zu kitzeln, legte der im letzten Jahr abgestürzte Fahrradbörsen-Champ Peloton Interactive Inc. in der letzten Woche seine Geschäftszahlen für das vierte Verkaufsquartal seines am 30. Juni endenden Geschäftsjahres 2020/2021 vor. Die sehen weiterhin düster aus. Nichtsdestotrotz äußert sich Peloton-CEO und -President Barry McCarthy positiv.

»Wenn Sie sich unsere finanzielle Leistung im vierten Quartal ansehen, wird es vermutlich davon abhängen, wo Sie sitzen. Die Pessimisten werden unsere Finanzergebnisse für das vierte Quartal betrachten und einen Schmelztiegel aus rückläufigen Einnahmen, negativer Bruttomarge und größeren Betriebsverlusten sehen. Sie werden sagen, dass dies die Lebensfähigkeit des Unternehmens bedroht«, wendet sich McCarthy in einem Vorwort des Geschäftsberichts direkt an die Aktionäre, »was ich jedoch sehe, sind bedeutende Fortschritte, die unser Comeback und die langfristige Widerstandsfähigkeit von Peloton vorantreiben. Zu den wichtigen Meilensteinen, die wir erreicht haben, gehören eine neue Führungsspitze, neu verhandelte Lieferverträge und ein deutlich verringerter Mittelabfluss.«
Peloton sei wie ein großes Frachtschiff: »Wir haben Alarm für alle Quartiere ausgelöst. Jeder ist an seinem Platz. Wir fügen weiterhin neue Inputs hinzu, um unsere Go-to-Market-Strategie weiterzuentwickeln und das Wachstum wiederherzustellen. Die Frage ist, wann das Schiff reagieren wird. Unser Ziel ist das Geschäftsjahr 2022/23.«
Das vierte Verkaufsquartal 2021/22
Im vom April bis Juni 2022 laufenden vierten Geschäftsquartal hat Peloton einen Umsatz von 678,7 Millionen USD (681,2 Millionen Euro) eingefahren. Verglichen mit dem vierten Quartal des vorherigen Geschäftsjahres ist das ein Minus von 28 Prozent. Der genannte Gesamtumsatz verteilt sich auf 295,6 Millionen USD (296,7 Millionen Euro, minus 55 Prozent) für Connected Fitness Products und 383,1 Millionen USD (382,5 Millionen Euro, plus 36 Prozent) für Connected Fitness Abonnements.
Umstrukturierung kostet
Der Nettoverlust summiert sich auf 1,24 Milliarden USD (1,25 Milliarden Euro). Zum Vergleich: im vierten Quartal des vorherigen Geschäftsjahres lag der Nettoverlust noch bei »nur« 313,2 Millionen USD (314,4 Millionen Euro). Laut Peloton entfallen alleine 415 Millionen USD (416,5 Millionen Euro) des neuen Verlustrekords auf radikale Umstrukturierungskosten: »Der Verlust spiegelt die beträchtlichen Fortschritte wider, die wir im letzten Quartal bei der Umstrukturierung des Unternehmens gemacht haben, um den derzeitigen und künftigen Bestandsüberhang zu verringern, Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln und zahlreiche Probleme in der Lieferkette zu lösen.« Diese Fortschritte sowie der verringerte Cashflow-Burn seien die positiven Faktoren, die hinter dem Verlust in der Bilanz stehen würden.
Die gesamten betrieblichen Aufwendungen des vierten Quartals beliefen sich auf 1,17 Milliarden USD (1,17 Milliarden Euro). Im vierten Quartal des vorherigen Geschäftsjahres waren es 556,3 Millionen USD (558,3 Millionen Euro). Darin enthalten: »337,6 Millionen USD (338,8 Millionen Euro) für Abrechnungen mit Lieferanten, 337,2 Millionen USD (338,4 Millionen Euro) für nicht zahlungswirksame Wertminderungsaufwendungen für Abschreibungen und Wertberichtigungen von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten - hauptsächlich im Zusammenhang mit unseren Restrukturierungsinitiativen - sowie 22,2 Millionen USD (22,3 Millionen Euro) Restrukturierungsaufwendungen.«
Beängstigender Geschäftsjahres-Verlust
Auf die Zahlen des Gesamtjahres 2021/22 wird im vorliegenden Geschäftsbericht kaum eingegangen. Laut den abgedruckten nackten Zahlen lag der Gesamtumsatz bei 3,58 Milliarden USD (3,59 Milliarden Euro, minus 10,9 Prozent). Diese Zahl setzt sich aus 2,19 Milliarden USD (2,20 Milliarden Euro, minus 30,5 Prozent) für Connected Fitness Products und 1,39 Milliarden USD (1,39 Milliarden Euro, plus 59,9 Prozent) für Connected Fitness Abos zusammen.
Der eingefahrene Nettoverlust in Höhe von 2,82 Milliarden USD (2,83 Milliarden Euro) lag ebenfalls exorbitant über dem Verlust des vorherigen Geschäftsjahres 2020/21 in Höhe von 189 Millionen USD (189,5 Millionen Euro).
Ausblick nur noch für das laufende erste Quartal
Wie geht es nun weiter? Für das bereits angelaufene Geschäftsjahr 2022/23 habe man seinen Ansatz für die Prognosen und die berichteten operativen Kennzahlen schon angepasst: »Angesichts der allgemeinen makroökonomischen Unsicherheiten und der Geschwindigkeit und Anzahl der Veränderungen, die wir in unserem Geschäft vornehmen, werden wir unsere formale Prognose für Umsatz, Bruttomarge, bereinigtes EBITDA und Netto-Kundenzuwachs auf das laufende Quartal beschränken, zumindest für die Dauer des Geschäftsjahr 2022/23. Was die operativen Kennzahlen betrifft, so werden wir keine vierteljährlichen Engagement-Kennzahlen mehr ausweisen. Wir werden weiterhin über die Abwanderung von Connected Fitness-Abonnenten berichten.«
Der Ausblick auf das angelaufene erste Geschäftsquartal spiegele die kurzfristige Nachfrageschwäche im Zusammenhang mit den jüngst vorgenommenen Preiserhöhungen für Hardware sowie der typischen saisonalen Nachfrageschwäche wider: »Wir erwarten eine Verbesserung der Bruttomarge, vor allem aufgrund der Preiserhöhungen für ‚Bike+‘ und ‚Tread‘, die Mitte August eingeführt wurden.«

Text: Jo Beckendorff, Foto: Peloton

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