Schaeffler: Eigener Start-Up für in Serie gehenden Bio-Hybrid?

16.08.2017
Bald via eigenem Start-Up in Serie?

Im Zuge der Bemühungen des Automobil- und Industriezulieferers Schaeffler AG, künftig wie auch schon Mitbewerber Bosch& Co. eigene Start-Up-Unternehmen zu kreieren und somit offen für neue Wege und Ideen zu sein, verweisen die Herzogenauracher vor allem auf ihr letztjährig erstmals vorgestelltes vierrädriges Bio-Hybrid Pedelec. Schließlich könnte sich daraus – Bosch eBike Systems lässt grüssen – ein größeres Geschäftsfeld entwickeln.

In der Branchen- und Wirtschaftszeitung »Automobilwoche« bestätigten Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld und sein Stellvertreter und Technik-Vorstand Peter Gutzmer, dass man sich derzeit intensiv mit der Start-Up-Szene beschäftige und sich diesbezüglich »durchaus mehr vorstellen« könne.
Die Autoindustrie stünde vor der Herausforderung, wie sie von der Produkt- in die Kundenservice-Welt komme. »Start-Ups haben diese neue Welt mit Ideen bereits geöffnet,« erklärt Gutzmer. Diese Unternehmen bräuchten allerdings ihre Freiheiten. Sie würden »so eine Integration nicht überleben«.
Zum derzeitigen Zeitpunkt trete man verstärkt mit Start-Up-Gruppen in Verbindung und sehe sich neue Geschäftsmodelle und –felder an. Wie es scheint mit einem konkreten Ziel: Schaeffler will seinen letztjährig vorgestellten Bio-Hybrid – ein überdachtes vierrädriges Pedelec – in Serie bringen. Dies werde man laut Gutzmer »mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Struktur mit Start-Ups tun«.
Schaeffler Group hatte im März 2016 und im Rahmen des „Auto, Motor und Sport“-Kongresses seine »neue Mobilitätslösung« der Öffentlichkeit vorgestellt. Die präsentierte Mikromobilitätskonzept- Studie zeigte, wie sich das Unternehmen eine Lösung für urbane Mobilität vorstellt.  
»Der Wunsch nach emissionsfreier, sauberer Mobilität zu einem politischen Umdenken bringt neue, individuelle Mobilitätslösungen in urbanen Ballungsräumen hervor«, hieß es damals aus Herzogenaurach. Auf dieser Basis durchleuchtete Schaeffler »unter dem ganzheitlichen Strategiekonzept ‚Mobilität für morgen‘ Einsatzfelder und zukünftige Bedarfe für individuelle Mobilitätsformen«.
Ergebnis: Der präsentierte Bio-Hybrid. Dazu Peter Gutzmer: »Die reine Elektromobilität im Pkw-Bereich wird nicht ausreichen, um nachhaltige, energieeffiziente Mobilität für morgen zu garantieren. Der Bio-Hybrid zeigt, wie sich Schaeffler eine Lösung für urbane Mobilität vorstellt. Er ist nah am Fahrrad positioniert, jedoch ohne Nachteile in punkto Wetterschutz und Stauraum. Dank des Pedelec-Antriebs mit einer Begrenzung auf 25 km/h darf der Bio-Hybrid ohne Führerschein betrieben werden und ist auch auf Fahrradwegen einsetzbar.«
Der Bio-Hybrid soll mit einer Akku-Ladung eine Mindestreichweite von 50 Kilometern haben (die Reichweite nach damaligen Simulationen lag bei 50 bis 100 Kilometern). Für eine erhöhte Sicherheit und Fahrstabilität sorgt die neue Fahrzeugplattform mit zwei Vorder- und Hinterrädern. Aufgrund der kompakten Abmessungen (2,1 Meter lang, 1,5 Meter hoch, 85 Zentimeter breit und einer Spurweite von 80 Zentimetern) lässt sich der Bio-Hybrid auch bequem auf Fahrradwegen bewegen. Zudem ermöglicht ein elektrischer Rückwärtsgang ein müheloses Manövrieren.
»Verbunden mit einem portablen Batteriesystem, einem variablen Gepäckfach und einer Automatikschaltung lässt sich der 1+1-Sitzer (2 Sitzplätze) bereits heute in die bestehende Infrastruktur sowie in den Alltag integrieren. Das extravagante Design unterstreicht den Lifestyle-Charakter und passt zur innovativen Dachkonstruktion, die sich über eine intelligente Schwenklösung im Fahrzeug unter dem Sitz verstauen lässt«, heißt es bei Schaeffler. Zudem verwandele sich der Bio-Hybrid mit eingefahrenem Wetterschutz in ein stylisches Cabriolet mit Frischluftgarantie. Des Weiteren sei der Fahrer dank integrierter Smartphone-Anbindung mit zahlreichen Apps vernetzt.
Schaeffler denkt aber bereits über die Einbindung von Start-Ups hinaus. Man überlege, den serienreifen Bio-Hybrid Kommunen zur Vermietung anzubieten. Daraus könnten für Schaeffler wiederum neue Geschäftsfelder entstehen, meint Gutzmer. Außerdem wollen die Herzogenauracher für den Aftersales-Bereich Informationen über den Betriebszustand der Fahrzeuge ziehen, »um dann zu verstehen, wo welcher Servicebedarf entsteht«.

Text: Jo Beckendorff, Foto: Schaeffler AG

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