Schwan Stabilo Gruppe: Diversifikation macht widerstandsfähig

27.11.2020
Graphik Schwan Stabilo Gruppenumsatz 2019/2020.

Keine Frage – auch die Schwan-Stabilo Schwanhäußer GmbH & Co. KG (alias Schwan Stabilo Group) hat die globalen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Allerdings ist das urdeutsche Familienunternehmen dank seiner breiten thematischen und geografischen Aufstellung im Geschäftsjahr 2019/2020 (endete am 30. Juni) zumindest bis dato gut durch die sich auftürmenden Widrigkeiten gekommen: mit einem Umsatzrückgang von 8 Prozent auf nunmehr 609,8 Millionen Euro hat das Unternehmen laut Eigenangaben »die gravierenden Auswirkungen der weltweiten Corona-Krise noch vergleichsweise in Grenzen halten können«.

»Nichts von dem, was wir bisher in unseren Märkten erlebt haben, ist vergleichbar mit der jetzigen Situation. Corona hat alles auf den Kopf gestellt. Trotzdem haben wir es bisher geschafft, einigermaßen gut die Krise zu überstehen. Zwar mit einigen Kratzern, aber mit keinen gravierenden oder gar existenzbedrohenden Schäden«, erklärt ein erleichtert wirkender CEO Sebastian Schwanhäußer, der gemeinsam mit CFO Martin Reim die übergreifende Verantwortung für das Gesamtgeschäft der Schwan Stabilo Gruppe trägt.
Zauberformel Diversifikation
Laut den Heroldsbergern (bei Nürnberg) haben sich die drei Geschäftsbereiche, in denen die Gruppe aktiv ist, als Anker in der Krise erwiesen. Der Teilkonzern Schreibgeräte konnte seinen Umsatz im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr 2018/2019 dank einem Umsatzplus von 9,1 Prozent im heimischen Deutschland-Geschäft insgesamt auf nahezu Vorjahres-Niveau halten: mit einem Umsatz von 195,2 Millionen Euro lag man im Vergleich nur 0,6 Prozent im Minus. Das Corona-Virus verzögerte wiederum den eingesetzten Erholungskurs des Teilkonzerns Kosmetik. Gleich zu Beginn des Geschäftsjahres waren erste positive Effekte vorangegangener strategischer Entscheidungen trotz erheblicher Marktturbulenzen spürbar. Unter dem Strich blieb zum Ende des Geschäftsjahres 2019/2020 (und im Vergleich zu 2018/2019) ein Umsatzminus von 14,4 Prozent auf alles in allem 255,8 Millionen Euro.
Schwan Stabilo Outdoor
Im dritten Geschäftsbereich – dem Teilkonzern Outdoor - zeigte sich ein eher differenziertes Bild. Während die Marken Ortovox und Gonso nach dem Shut-Down im Frühjahr kräftige Zuwächse erzielten, konnten die Marken Maier Sports und Deuter die Rückgänge nicht komplett kompensieren. Dass Ende vom Lied: ein im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr einstelliges Umsatzminus von 5,1 Prozent auf 159,7 Millionen Euro.
Ortovox wuchs als derzeitiger Shootingstar im Sektor Outdoor sogar zweistellig. Gonso ritt im Frühjahr und Sommer auf dem Corona-bedingten allgemeinen Fahrradhype. Maier Sports litt nicht zuletzt unter dem milden Winter 2019/2020. Und Deuter schwächelte aufgrund niedrigerer Bestellungen der Vertriebspartner (etwa für Trekking- und Reise-Rucksäcke) sowie der anstehenden Neustrukturierung des gesamten Sortiments inklusive bereits vorgestelltem neuen Markenauftritt ab Frühjahr/Sommer 2021.
Laut dem Geschäftsführer der Outdoor-Sparte Martin Riebel ist der Rückgang ausschließlich auf die Lock-Down-Wochen von Mitte März bis Anfang Mai 2020 zurückzuführen: »Allerdings hatten wir in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedliche Entwicklungen.«
Insgesamt hätten alle vier Marken des Teilkonzerns Outdoor stark vom Megatrend »Bewegung in der Natur« profitiert. O-Ton aus Franken: »Vor allem das Fahrradfahren bekam einen neuen Stellenwert – nicht nur in der Freizeit, sondern auch beim Weg zur Arbeit, um den Öffentlichen Nahverkehr zu meiden. Ebenso haben Sportler das Rad (wieder-)entdeckt, da das Training und die Kurse in den Vereinen und Fitnessstudios nicht wie gewohnt stattfanden.«
Strategischer Fokus: digitale Offensive
Strategischer Schwerpunkt aller vier Marken war im abgelaufenen Geschäftsjahr die digitale Offensive. Dazu Riebel: »Digital ist für viele das neue normal. Die Pandemie hat dies nochmals eindrucksvoll untermauert. Wir haben nun alle digitalen Projekte im Teilkonzern Outdoor gebündelt und sind in den letzten Monaten mit großen Schritten vorangekommen.« Ziel seien einheitlich digitale Plattformen über die ganze Outdoor-Gruppe. 
So ging bereits im November 2019 der Onlineshop von Deuter live. Im März 2020 folgte der von Ortovox. Maier Sports wird sich dieser gemeinsamen Plattform nach Einführung des neuen ERP Systems, das alle Geschäftsprozesse in den Bereichen Finanzen, Fertigung, Vertrieb, Lieferkette, Personalwesen und Betrieb automatisiert und verwaltet, anschließen.
Mit der angelaufenen E-Commerce-Offensive will man laut Riebel die derzeit gefahrene Fachhandels-Strategie gezielt ergänzen: »Die Kunden haben, selbst wenn sie ihr Produkt über unsere Online-Shops auswählen, die Freiheit, es direkt hier zu bestellen oder es über den Fachhandel in ihrer Nähe zu beziehen.«
Letztendlich verweist Martin Riebel auch noch auf das wichtige Thema Nachhaltigkeit. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hätten alle Outdoor-Marken der Gruppe ihre Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit weiter forciert.
Gruppen-Ausblick: »Fahren auf Sicht«
Da jegliche Prognosen zum weiteren Verlauf der Pandemie und damit auch der geschäftlichen Entwicklung nicht möglich seien, steuern Konzernleitung und alle lokalen Geschäftsführungen in den Ländergesellschaften auf Sicht und passen all unsere Entscheidungen je nach den Umständen in den einzelnen Märkten an.
CFO Martin Reim gibt zu bedenken, dass sich »ein erneuter Shut-Down oder auch nur teilweise Einschränkungen kurzfristig auf alle Geschäftsfelder und Betriebe negativ auswirken« könnten. Dies gelte grundsätzlich für alle Länder, mit denen man Geschäfte mache.
Das Schwan Stabilo-Chefduo Schwanhäußer/Reim vertraut jedenfalls darauf, dass das Gruppen-Krisenmanagement wie in den vergangenen Wochen auch in Zukunft gut funktioniert: »Wir sind sicher, dass wir diese Krise mit guten Konzepten und richtigen Entscheidungen meistern werden.«

Text: Jo Beckendorff, Foto: Deuter/Fotograf Stefan Neuhauser, Graphiken: Schwan Stabilo Group
 

Weitere Themen, die Sie interessieren könnten