Shimano 01-03/20: Corona-Krise bremst Fahrradgeschäft aus

30.04.2020
Shimano.

Waren die vom RadMarkt bereits aufgegriffenen ersten 2020er-Quartalsberichte der börsennotierten schwedischen Anbieter Thule Group und MIPS noch bis dato eingebremst (Thule Group) bzw. ungebremst (MIPS), sieht es beim Marktführer Shimano Inc. leider weniger rosig aus. Die Corona-Krise hat bei den Japanern bereits in den ersten drei Monaten des Jahres kräftige Bremsspuren hinterlassen. Dabei musste vor allem der größte und wichtigste Shimano-Geschäftsbereich Fahrradkomponenten ordentlich herunterschalten.

Dass Shimano auch schon im ersten Verkaufsquartal 2020 derart von Covid-19 ausgebremst wurde, hängt wohl auch damit zusammen, dass das Virus im benachbarten China bereits zum Jahreswechsel und darüber hinaus kräftige Bremsspuren hinterlassen hat. Schließlich ist Shimano auch mit eigenen Fabriken, die die Welt beliefern, in China vertreten. In Nordamerika und Europa schlug die Corona-Krise hingegen erst ab März so richtig zu.
Trotzdem verweisen die Japaner in ihrem Quartalsbericht und mit Blick auf Corona zuallererst auf Europa und Nordamerika. Denn dort sind die Märkte, auf denen Shimano hauptsächlich seine hochwertigen Produkte verkauft. Die staatlich angeordneten Geschäftsschließungen und Ausgangssperren hätten generell zu einer raschen Verschlechterung des zuvor soliden Beschäftigungs- und Einkommensumfelds geführt: »Damit wurden die wirtschaftlichen Aussichten - einschließlich des Abwärtsdrucks auf den persönlichen Konsum - zunehmend unsicherer.«
Zweistelliger Umsatz- und Gewinn-Einbruch
Somit habe die Krise auch schon im ersten Verkaufsquartal 2020 Spuren hinterlassen. Der Netto-Gesamtumsatz rutschte im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres um 12,3 Prozent auf nunmehr 76,92 Milliarden Yen (664,48 Millionen Euro) ab. Der operative Gewinn in Höhe von 12,66 Millionen Yen (109,38 Millionen Euro) musste sogar ein Minus von 22,3 Prozent verdauen.
Geschäftsbereich Fahrradkomponenten
Der größte von Shimano bediente Geschäftsbereich Fahrradkomponenten schaltete beim Umsatz im ersten Verkaufsquartal 2020 und im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres um 15,4 Prozent herunter. Somit lag der nur noch bei 58,87 Milliarden Yen (508,78 Millionen Euro). Der operative Gewinn lag mit 10,30 Milliarden Yen (89 Millionen Euro) gleich 26,1 Prozent unter dem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums.
Laut Shimano sei das Fahrradkomponenten-Geschäft in Europa zu Jahresbeginn und dank des milden Winters gut durchgestartet. Der Verkauf von Kompletträdern und vor allem E-Bikes sei gut angelaufen, dann aber ab Mitte März aufgrund der Auswirkungen des Corona-Virus stark ausgebremst worden. Somit seien die Lagerbestände der Händler rasch angestiegen.
Dasselbe Bild (allerdings ohne exorbitanter E-Bike-Verkäufe) ergab sich in Nordamerika.
In China waren die Einzelhandels-Umsätze aufgrund der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus nur schleppend. Einziger Lichtblick: »Die Lagerbestände der Lieferanten blieben im Allgemeinen auf einem angemessenen Niveau.«
In Brasilien erholten sich die Einzelhandels-Umsätze - nachdem sie aufgrund der politischen Instabilität stagnierten – auch Ende März vom Corona-Virus rapide ausgebremst. Auf dem weiterhin gegen die anhaltende Währungsabwertung kämpfenden argentinischen Markt stagnierten die Verkäufe wie im Vorjahr auch.
Auch keine guten Nachrichten aus der Shimano-Heimat Japan: die Einzelhandels-Umsätze mit Alltags- und Sporträdern schwächelten weiter. Dafür surrten E-Bikes gut mit. Die Lagerbestände der Händler blieben im Allgemeinen auf einem angemessenen Niveau.
Nichtsdestotrotz seien unter diesen herausfordernden Marktbedingungen die hochwertigen MTB-Komponenten »Deore XT« und »SLX« sowie die »GRX«-Gravelbike-Komponenten gut vom Markt aufgenommen worden – nicht zu vergessen die sportlichen E-Bike-Komponenten von »Shimano Steps«.
Angelausrüstung und Sonstiges
Kurz noch ein Blick auf die zwei weiteren von Shimano bedienten Geschäftsfelder. Während der Umsatz des Geschäftsbereichs Angelausrüstung mit 17,98 Milliarden Yen (155,33 Millionen Euro) stabil blieb (im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahr Minus 0,3 Prozent), konnte der operative Gewinn um 1,1 Prozent nach oben auf nunmehr 2,39 Milliarden Yen (20,66 Millionen Euro) klettern.
Der Geschäftsbereich »Sonstiges« spielt indes weiterhin eine untergeordnete Rolle. Hier sank der Umsatz um 2,6 Prozent auf 70 Millionen Yen (0,60 Millionen Euro). Der operative Verlust kletterte allerdings von 5 Millionen Yen (0,04 Millionen Euro) im ersten Quartal des Vorjahres auf 30 Millionen Yen (0,26 Millionen Euro) im Zeitraum 01-03/2020.
Geschäftsprognose 2020 ausgesetzt
Shimanos Ausblick auf das Gesamtjahr ist nicht nur durch die Tatsache negativ eingefärbt, dass man aufgrund der Corona-Pandemie die Produktionsaktivitäten an einigen ausländischen Produktionsstandorten einschränken sowie Verkaufs- und Transportbeschränkungen von Regierungen in Ländern, in denen Shimano-Produkte verkauft werden, schlucken musste: »Da das Ausmaß dieser Auswirkungen ungewiss bleibt, ist es für das Unternehmen derzeit schwierig, angemessene Prognosen zur Geschäftsentwicklung zu berechnen.«
Deshalb haben die Japaner beschlossen, die am 12. Februar 2020 angekündigten Prognosen zur Geschäftsentwicklung vorübergehend zurückzuziehen: »Das Unternehmen wird erneut Prognosen zur Geschäftsentwicklung bekannt geben, sobald es die Situation erlaubt.«

Text: Jo Beckendorff, Foto: Shimano

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