Sport 2000 im Jahr 2020: Individual-Sport top, Teamsport flop

25.02.2021
Sport 2000 Logo.

Trotz erschwerter Bedingungen im Corona-Jahr 2020 hat der im Fünf-Länder-Verbund agierende sportliche Einkaufsverband Sport GmbH sein Geschäftsvolumen um insgesamt 2 Prozent ausbauen können. Begünstigt wurde diese positive Entwicklung bei den Mainhausenern -  deren 100-prozentige Mutter ANWR-Gruppe übrigens auch einen Minderheits-Anteil von 25,1 Prozent an dem Fahrrad-Einkaufsverband Bico Zweirad Marketing GmbH in ihren Händen hält –  »vor allem durch Zugänge großer Anschlusshäuser in Deutschland, der Schweiz und in Belgien«.

Insgesamt habe sich auch 2020 »unsere Strategie der ausgewogenen Händlerstruktur mit Spezialisten, Generalisten und E-Commerce- Partnern bewährt, da die Corona-bedingten Orderrückgänge nicht über sämtliche Einheiten gleichermaßen zu verzeichnen sind«, erklärt Sport 2000-Geschäftsführer Hans-Hermann Deters die Entwicklung. Deutschland als größte Landesorganisation des Mainhausener Einkaufsverbands verzeichnet ein leicht rückläufiges Zentralregulierungs-Volumen (Anmerkung des RadMarkts: das Umsatzvolumen, das buchhalterisch über die Verbandszentrale läuft) von minus 5 Prozent. Dazu Deters: »Neben den Zugängen ist die vergleichsweise robuste Entwicklung vor allem auf die Umsatzzuwächse bei den E-Commerce Partnern, im Running-Bereich sowie bei den Sneaker-Händlern zurückzuführen.«
Individual-Sportart Bike plus 27 Prozent
Entsprechend sieht auch die Entwicklung der Außenumsätze aus. Das stationär geprägte Sport 2000 Panel gibt insgesamt ein Minus von 7,8 Prozent aus. Auch hier gibt es - je nach Region und Ausrichtung des Händler - deutliche Unterschiede.
So haben sich im letzten Jahr die Individual-Sportarten - allen voran Funwheel Sports (plus 48 Prozent), Bike (plus 27 Prozent) und Running/Walking (plus 25 Prozent) - deutlich positiv entwickelt.
Outdoor-Sektor profitiert von E-Commerce
Aufgrund der heterogenen Aufstellung mit Outdoor Profis, Generalisten mit Outdoor-Anteil und E-Commerce-Partnern ist für der Outdoor-Bereich der Einkaufsgenossen eine differenzierte Betrachtung notwendig: nach dem ersten Lock-down habe sich der Outdoor-Sektor zwar zweistellig erholen können, musste dann aber dem zweiten Lock-down vor Weihnachten Tribut zollen.
»Die erneute Schließung der Geschäfte hat leider am Ende des Jahres das aufgelaufene Ergebnis noch einmal deutlich beeinflusst (minus 7,2 Prozent). Anders sieht die Outdoor-Entwicklung im E-Commerce aus ‒ diese Kategorie gehört hier zu den außerordentlichen Corona-Gewinnern. In Einzelfällen konnten hier Zuwächse von bis zu 45 Prozent verzeichnet werden«, heißt es aus Mainhausen.
Krisenverlierer Wintersport und Teamsport
Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Wintersport-Händler verzeichneten zum Beispiel aufgrund der Pandemie und des kompletten Ausfalls der Saison bis zum Jahresende 2020 außerordentlich starke Umsatzrückgänge in Höhe von 46 Prozent.
Dazu Gosau: »Der Zeitpunkt des zweiten Lockdowns hat diese Handelspartner mit besonderer Härte getroffen. Denn sie erwirtschaften im Zeitraum November bis Februar 60 bis 70 Prozent des Jahresumsatzes. Nachdem sie aufgrund des ersten Lock-downs bereits das Ostergeschäft komplett abschreiben konnten, herrscht hier gerade eine absolute Liquiditäts-Katastrophe.«
Ebenfalls extrem betroffen: stationäre Teamsport-Partner, die aufgrund der Kontaktverbote und der damit verbundenen kompletten Einstellung von Mannschafts-Sportarten im Profi- und Amateurbereich sowie dem Ausfall der Fußball-Europameisterschaft deutliche Einschnitte in Höhe von 29 Prozent hinnehmen mussten.
Liquiditätshilfen und mehr
Um den krisenbedingten Schaden durch die Pandemie bei den Handelspartnern möglichst gering zu halten, hat Sport 2000 zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht - »wesentlich sind hierbei die Liquiditätshilfen der erweiterten Saisonlinie für die Zentralregulierung über die hauseigene DZB-Bank sowie die mehrfache Valutierung der Bestellungen über das eigene Sport 2000-Großhandelslager«.
Lobbyarbeit im Hintergrund
Auch auf höchster politischer Ebene macht sich die Händlerorganisation in Form von intensiver Lobbyarbeit für die Interessen ihrer Partner stark. Zusammen mit der Mutter ANWR-Gruppe und weiteren Verbänden setzt sich die Sport 2000 in persönlichen Gesprächen mit den zuständigen Ministerien für die Ausweitung und die schnelle Umsetzung der Hilfen ein.
»Unsere Gruppe war wesentlich an den Nachbesserungen beteiligt, beispielsweise an der Zurverfügung-Stellung des KfW-Schnellkredits auch für Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten sowie an der Berücksichtigung der Teilwert-Abschreibungen. Jetzt liegt es an der Bundesregierung, die Mittel schneller fließen zu lassen und die Prozesse und die Systematik für die Abschreibungsmaßnahmen kurzfristig in die Wege zu leiten“, fordert Hans-Hermann Deters.
Partnerschaftliche Lösungen mit der Industrie
Darüber hinaus haben die Mainhausener Einkaufsgenossen digitale Round Tables mit der Industrie im Outdoor- und Winter-Bereich initiiert. Ziel war es, ein gemeinsames Verständnis für die Auswirkungen der Pandemie auf die unterschiedlichen Stakeholder zu schaffen, um daraus gemeinsame Lösungen (insbesondere für die Planung der Herbst/Winter Saison) zu finden.
Dazu noch einmal Gosau: »Die Round Tables wurden von der Industrie sehr gut angenommen. Die Gespräche waren von einem außerordentlich partnerschaftlichen, kooperativen und vor allen Dingen lösungsorientierten Austausch geprägt. So konnten wir eine deutliche Erhöhung der Durchläufer erreichen, also von Produkten die unverändert mit in die nächste Saison genommen werden und damit ohne weitere große Abschläge verkauft werden können. Damit schaffen wir eine gewisse Erleichterung und Planbarkeit für unsere Handelspartner.«

Text: Jo Beckendorff/Sport 2000
 

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