Sportfachhandel 2012: Grossereignisse gut, (fast) alles gut - Wachstumstreiber Outdoor, Running, Wintersport

06.02.2013

Keine Spur von Krisenstimmung beim deutschen Sportfachhandel 2012. Dank zwei toller Großereignisse – die Olympischen Spiele in London sowie die Fußball-EM in Polen und der Ukraine – konnte das Minus des Vorjahres von 4 Prozent in ein Plus von 2 Prozent gedreht werden. In Zahlen: Laut Werner Haizmann (Bild) – sowohl Präsident des Verbandes des Deutschen Sportfachhandels e.V. (VDS) als auch des Europäischen Sportfachhandels (Fedas) – erzielten die deutschen Sportfachhändler im letzten Jahr einen Gesamtzumsatz von 7,34 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,2 Milliarden). Was den europäischen Sportfachhandel betrifft, sehen allerdings die letztjährigen Zahlen vor allem in den krisengeschüttelten südeuropäischen Ländern nicht so positiv aus...

Mit Blick auf Deutschland meinte Haizmann auf der jeweils vorgeschalteten Hauptpressekonferenz der Ispo Munich: „Das wirtschaftliche Umfeld, in dem wir den Umsatzzuwachs in Deutschland erreichten, war 2012 von zahlreichen wirtschaftlichen Verwerfungen im Land und in Europa geprägt. Bemerkenswert aber die positive Einkaufsstimmung bei unserer Bevölkerung, die wir als Fachhändler spürten und jetzt noch spüren. Trotz der großen Wetterkapriolen, die auch 2012 wieder in unsere gewohnten Umsatzzyklen eingegriffen haben.“
Hauptwachstumstreiber auf dem größten Einzelmarkt Europas waren im letzten Jahr Outdoor, Wintersport und Running. Outdoor ist als Ganzjahresangebot und mit einem Marktanteil von 22 Prozent am Gesamtumsatz der weiterhin umsatzstärkste Bereich im Sportfachhandel: „2012 ist er vom sehr hohen Niveau des Vorjahres aus um weitere 5 Prozent gestiegen“.
Laut einer neuen Outdoor-Point-of-Sales-Studie (gestützt auf Daten von 600 Sportgeschäften, Kauf- und Warenhäusern) haben Outdoor-Textilien mit 64 Prozent den Löwenanteil am Sportfachhandelsumsatz 2012. Schuhe kamen auf 27 Prozent und Hartwaren auf 9 Prozent.
„Vom 64-prozentigen Textilanteil entfallen mehr als die Hälfte auf Outdoor-Jacken, deren Umsatzplus mit 4 Prozent aber leicht unterdurchschnittlich ausfiel. Bei Hartwaren wurden 2012 gegenüber 2011 mit plus 8 Prozent und bei Textilien mit plus 6 Prozent deutlich mehr abgesetzt. Bei den Outdoor-Schuhen fiel das Wachstum mit 2 Prozent etwas geringer aus“, erklärte Haizmann.
Auch positiv in 2012: Ein kräftiger Wachstumsschub beim Wintersport und bei winterlicher Freizeitmode. Die guten Zahlen basieren allerdings hauptsächlich auf den wetterbedingt drei starken Umsatzmonaten von Januar bis März 2012 (von denen man 2013 zumindest bis zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen Ende Januar nur träumen kann...).
Was den europäischen Sportfachhandel betrifft, konnten oben genannte Großereignisse leider nicht überall zum Turnaround wie in Deutschland führen. In einzelnen Bereichen und Ländern hätte eine dramatische Talfahrt eingesetzt, die aufgrund der jeweiligen Inlandsnachfrage wohl auch 2013 nicht zu stoppen sein werde: „Gründe dafür: die Staatsschulden, die hohe Jugendarbeitslosigkeit, rückläufige Industrieproduktion und die verschärften fiskalpolitischen Eingriffe in den Wirtschaftskreislauf. Das betrifft auch die Umsätze im Sportartikelmarkt. Nach ersten Berechnungen ging 2012 der europäische Umsatz, der 2011 bei 38,2 Milliarden Euro gelegen hat, um bis zu sechs Prozent zurück.“
Dass die zwei Großereignisse Olympische Spiele und Fußball-EM auch hier einiges abfedern konnten, beweise ein Blick auf die Sportartikelmärkte Polen und Russland: Dort wuchsen die Umsätze des Sportfachhandels im letzten Jahr um 2,5 bzw. 3 Prozent.
Was erwartet den Sportfachhandel in diesem Jahr? Dazu Haizmann in seiner Rolle als Fedas-Präsident: „Unsere Erwartungen an weitere Wachstumsimpulse am europäischen Sportartikelmarkt 2013 sind weiter sehr gedämpft. In vielen Ländern Europas wird der Sportfachhandel weiter unter Sparmaßnahmen der Regierungen, geringen Lohnsteigerungen und niedrigen Konsumausgaben leiden. Als europäische Sportfachhändler freuen wir uns aber am ständig steigenden Bewusstsein der Bevölkerung, für ihre körperliche Fitness selbst vorzusorgen zu müssen.“
Mit anderen Worten: Der Gesundheitstrend eröffnet dem europäischen Sportfachhandel neue Umsatzperspektiven, die es aufzugreifen gelte. Ergo sollte der europäische Sportfachhandel die Geschäfte mit Optimismus angehen.

Text/Foto: Jo Beckendorff


 

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