ZIV-Stimmungsbarometer für das erste Halbjahr: 3,2 Millionen verkaufte Fahrräder und E-Bikes

02.09.2020

Der Zweiradindustrieverband in Bad Soden hat ein aktuelles Stimmungsbarometer vorgelegt. Demnach hat sich das Fahrrad in den von der Corona-Pandemie geprägten vergangenen Monaten zum Verkehrsmittel der Stunde entwickelt: Die Zahl der in Deutschland im Zeitraum von Januar bis Juni 2020 verkauften Fahrräder und E-Bikes ist trotz Schwierigkeiten durch Shutdowns in Asien und Europa und stockende Warenflüsse auf 3,2 Millionen gestiegen – ein Absatzplus von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch bezogen auf den Umsatz mit  Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten und Zubehör rechnet der Verband mit einem deutlichen Anstieg.

Nachdem 2019 bereits Rekordumsätze gebracht hatte, angetrieben von der ungebremsten Nachfrage nach E-Bikes, war auch 2020 mit einem milden Januar vielversprechend gestartet, bilanziert der ZIV. Mitte Februar wurden dann aber durch Shutdowns in China und anderen Teilen Asiens die Lieferketten gestört oder unterbrochen. Hersteller von Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten und Zubehör konnten, wenn überhaupt, nur sehr eingeschränkt produzieren.
Durch Ladenschließungen in den meisten Bundesländern ab Mitte März hatten die Fahrradgeschäfte dann bis Mitte April stark Einschränkungen beim Abverkauf. Onlineanbieter hingegen meldeten sehr hohe Absätze, heißt es im Stimmungsbarometer weiter. Mit der Wiedereröffnung der Fahrradgeschäfte setzte allerdings ein regelrechte Run auf Fahrräder, E-Bikes, Komponenten und Zubehör ein, was sich bereits im April als auch der Mai und Juni mit außergewöhnlich hohen Absatzzahlen niederschlug.
Als einige von vielen Gründen identifiziert der Verband: Die Menschen mieden den ÖPNV und stiegen um aufs Rad, das Rad befriedigte das Bedürfnis nach Bewegung an der frischen Luft mit ausreichend Abstand und Urlaubsplanungen veränderten sich zugunsten von Radreisen im eigenen Land.
 

Produktion in Deutschland und Importe sinken
Während der Verkauf boomte, sind die Produktion von Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland und Importe in den ersten sechs Monaten zurückgegangen: WIe der ZIV meldet, wurden in Deutschland 1,39 Millionen Fahrzeuge produziert. Dies entspricht einem Minus von 1,1 Prozent. Die Importe von Fahrrädern und E-Bikes sind nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 14,4 Prozent gesunken. Der Anteil an E-Bikes bei den Importen lag bei knapp 28 Prozent.
Auch die Exporte von Fahrrädern und E-Bikes erlebten demnach einen Rückgang: Die Exportmenge sank um 2,6 Prozent. Der E-Bike Anteil an den Exporten betrug rund 38 Prozent.
 

E-Bike Verkäufe steigen erneut
Nachdem der Absatz an Fahrrädern, bis auf wenige Ausnahmen, seit Jahren leicht rückläufig war, rechnet der Zweirad-Industrie-Verband für das erste Halbjahr 2020 mit einem Wiederanstieg um rund 6,1 Prozent auf 2,1 Mio. Stück. Die Kategorie E-Bike wuchs erneut zweistellig um 15,8 Prozent auf geschätzte 1,1 Mio. Einheiten.
 

Fahrrad profitiert
Wie der ZIV resümiert, hat das Radfahren in der Coronakrise einmal mehr seine Vorteile unter Beweis stellen können als infektionssichere, das Herz-Kreislaufsystem und das Immunsystem stärkende Variante von Mobilität und Freizeitgestaltung. Der Verband plädiert dafür, das Umdenken, das stattgefunden hat, jetzt zu nutzen, um das Radfahren auch langfristig für die Menschen attraktiv zu machen, also in eine einladende und sichere Fahrradinfrastruktur zu investieren.
David Eisenberger, Leiter Marketing & Kommunikation des Zweirad-Industrie-Verbandes: »Fahrradmobilität ist systemrelevant. Das haben die letzten Monate gezeigt. Darüber hinaus wissen wir, dass Fahrrad und E-Bike in diesem Jahr zusätzlich neue Zielgruppen angesprochen haben. Viele dieser neuen Nutzer werden die Zweiradmobilität auch nach der Krise nicht mehr missen wollen. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Branche auch dieses Jahr auf einem hohen Niveau, ähnlich des Vorjahres, abschließen kann.«
www.ziv-zweirad.de

Verena Ziese

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