Die Laufradspezialisten veröffentlichen ihre Erfahrungen und Testresultate von über 60 aufgebauten und im Labor geprüften Laufrädern sowie rund 20 parallelen Fahrtest-Konfigurationen. Diese Informationen stellt Newmen nun der gesamten Branche zur Verfügung. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Wer 32 Zoll einfach als größeres 29er behandelt, baut schlechtere Bikes als nötig – auf Kosten der Endverbraucher.
Das Steifigkeitsproblem
Das Kernproblem ist physikalischer Natur: Ein 32-Zoll-Laufrad ist bei identischem Aufbau im Schnitt 31 Prozent weicher als ein 29-Zöller bei seitlicher Belastung – eine direkte Folge des um 64 Millimeter größeren Durchmessers (ETRTO 686 vs. 622 mm). Das ist nahezu die gleiche Größenordnung wie beim Sprung von 26 auf 29 Zoll vor knapp 20 Jahren, der damals erst nach Jahren zu einheitlichen Standards wie Boost- und Superboost-Naben geführt hat. Newmen zieht daraus die Schlussfolgerung, dass die Branche diesen Lernprozess diesmal nicht wiederholen sollte.
Als Grenzwert für ausreichende Seitensteifigkeit definieren die Allgäuer auf Basis ihrer Fahrtests einen Prüfstandswert von maximal 8,5 Millimetern Auslenkung bei 300 Newton seitlicher Belastung. Unterhalb dieses Wertes – also bei zu weichen Laufrädern – steigt nicht nur die Serviceanfälligkeit durch sich lösende Nippel und nachlassende Speichenspannung, sondern leidet auch das präzise Fahrgefühl messbar.
Was wirklich hilft – und was nicht
Newmen hat vier Stellschrauben systematisch untersucht: Laufraddurchmesser, Speichenart, Nabenbreite bzw. Flanschabstand sowie Speichenanzahl. Das Ergebnis ist branchenpolitisch relevant: Die wirkungsvollste und gleichzeitig kostenneutrale Maßnahme ist die Erhöhung der Nabeneinbaubreite. Am MTB-Hinterrad steigert der Wechsel von Boost (12×148) auf Superboost (12×157) die Seitensteifigkeit beim 32-Zöller um 16,4 Prozent – bei einem Mehrgewicht von lediglich zehn Gramm pro Nabe und ohne Mehrkosten. Ein solches 32-Zoll-Superboost-Hinterrad erreicht damit annähernd die Steifigkeit eines 29-Zoll-Laufrades mit Boost-Einbaumaß.
Am Gravel-Hinterrad bringt der Wechsel von 12×142 (Non-Boost) auf 12×148 (Boost) 11,5 Prozent mehr Steifigkeit, am Gravel-Vorderrad wirkt sich eine Flanschabstandsvergrößerung um zehn Millimeter mit 15,5 Prozent aus.
Dickere Speichen oder mehr Speichen erhöhen die Steifigkeit zwar ebenfalls – sind laut Newmen aber die schlechtere Wahl: Schwerere Sapim D-Light-Speichen bringen gegenüber Laser-Speichen bei 56 Speichen in 32 Zoll zwar 7,54 Prozent mehr Steifigkeit, aber auch 41 Gramm Mehrgewicht pro Laufradsatz. Die Erhöhung von 28 auf 32 Speichen bringt 10,9 Prozent mehr Steifigkeit bei 49 Gramm Mehrgewicht – und treibt bei 100.000 Bikes pro Jahr dieSpeichenkosten um 300.000 bis 600.000 Euro in die Höhe, bei gleichzeitig 5.600 Kilogramm zusätzlich verbautem Speichenmaterial.
Weitere Systemfragen
32 Zoll stellt nicht nur Laufradhersteller vor neue Aufgaben. Newmen weist in seinem Statement auch auf Konsequenzen für Bremsen, Rahmen und Gabeln hin: Der größere Laufraddurchmesser verändert die Hebelverhältnisse zur Bremsscheibe – die Bremspower sinkt gegenüber 29 Zoll um rund zehn Prozent, was nach Einschätzung von Newmen den Einsatz einer jeweils um eine Stufe größeren Scheibe erfordert (etwa 180 statt 160 mm oder 220 statt 200 mm). Zudem verlaufen die Speichen durch den größeren Durchmesser gerader und rücken damit näher an den Bremssattel – ein potenzieller Konflikt, den die Entwickler bei der Flanschpositionierung berücksichtigen müssen. Gabel- und Kettenstrebenlängen müssen wachsen, was die Rahmenbelastung im Steuerrohrbereich erhöht.
Newmen-Empfehlung
Für Gravel empfiehlt Newmen durchgängig den Wechsel von Non-Boost auf Boost – vorn und hinten, kostenneutral. Für MTB lautet die klare Empfehlung am Hinterrad: Superboost (12×157). Am Vorderrad wäre aus Sicht von Newmen ein neues Einbaumaß von 15×120 der logisch nächste Schritt – ein Standard, der aktuell noch nicht existiert. Das vollständige Statement ist unter dem folgenden Link abrufbar: https://www.newmen-components.de/32-Zoll


