Laut ARGE Fahrradfachhandel verlief die erste Hälfte der Saison 2026 österreichischen Fahrradfachhandel positiv: »42 Prozent der befragten Betriebe melden ein besseres Gesamtgeschäft als im Vorjahr. Zugleich zeigen sich klare regionale Unterschiede – und zwei Entwicklungen, die den stationären Fahrradfachhandel zunehmend prägen: ein starkes Werkstatt- und Servicegeschäft sowie wachsendes Dienstradleasing.«
Treiber Werkstatt
Das Service- und Werkstattgeschäft ist 2026 der verlässlichste Stabilitätsfaktor im Fachhandel. 57 Prozent der Betriebe verzeichnen ein stärkeres Werkstatt-Geschäft als 2025. Weitere 30 Prozent berichten von stabilen Umsätzen. Lediglich rund 12 Prozent sehen Rückgänge. Das Bild zieht sich durch nahezu alle Bundesländer – mit Spitzenwerten in Tirol (83 Prozent), Niederösterreich (67 Prozent) und Oberösterreich (61 Prozent).
Die steigende Nachfrage ist kein Zufall: Smartere E-Bike-Systeme, komplexere Antriebe und qualitätsbewusstere Kund:innen treiben den Servicebedarf: »Wer hier kompetent aufgestellt ist, hat einen strukturellen Vorteil.«
Dazu Sport Streicher E.U.-Geschäftsführer Tom Streicher in seiner Rolle als Sprecher der ARGE Fahrradfachhandel: »Professionelle Werkstätten sind längst mehr als eine Ergänzung zum Verkauf. Sie sind zum Rückgrat des Fachhandels geworden. Sie sichern Auslastung, binden Kund:innen langfristig und stabilisieren den Umsatz – gerade dann, wenn das Neugeschäft durch Wetter oder regionale Rahmenbedingungen schwankt. Investitionen in Servicequalität zahlen sich wirtschaftlich aus.«
Streicher-Fazit: »Die Saison 2026 zeigt, was den stationären Fachhandel wirklich trägt: nicht der Boom, sondern die Kompetenz. Wer in Werkstatt und Service investiert hat, steht heute stabiler da – unabhängig davon, wie das Wetter war oder wie die Kauflaune in der Region ist.«
Treiber Dienstradleasing
Auch wenn das Thema Dienstradleasing noch längst nicht ausgereizt ist: 84 Prozent der befragten Betriebe bieten bereits Dienstradleasing an. 59 Prozent berichten von einem positiven Einfluss auf ihr Geschäft. Bei verbesserten rechtlichen, steuerlichen und administrativen Rahmenbedingungen erwarten Fahrradfachhändler sogar noch einen zusätzlichen positiven Effekt.
Der Bundesländer-Vergleich macht den Unterschied sichtbar: In Vorarlberg, Oberösterreich und Niederösterreich – »wo Rahmenbedingungen klar und praktikabel sind« – ist Leasing bereits fest im Geschäftsmodell verankert. In der Steiermark hingegen sehen aktuell nur 50 Prozent einen positiven Effekt. Gleichzeitig erwarten 75 Prozent – sobald die Rahmenbedingungen stimmen – einen deutlichen Schub.
»Dienstradleasing ist längst kein Spezialthema mehr, sondern ein wichtiger Umsatztreiber für viele Fachhändler:innen«, erklärt der Sprecher des Sportartikel-Handels in der Wirtschaftskammer Österreich Michael Nendwich, »die Umfrage zeigt: Zwei Drittel der Betriebe erwarten bei klareren Rahmenbedingungen einen zusätzlichen Schub. Das ist ein starkes Signal an Politik und Verwaltung – und ein klarer Auftrag, die Leasingmodelle in allen Bundesländern praxistauglich zu gestalten.«
Und sonst?
Laut ARGE Fahrradfachhandel bestätigt die aktuelle Nachfrage im Handel, was 2025 bei der Industrie bestellt wurde:
– E-MTB: 56 Prozent der Betriebe nennen E-Mountainbikes als besonders gefragt – in Tirol sogar 100 Prozent
– Gravel-Bikes (mit und ohne Motor): 48 Prozent – die Dynamik aus 2025 setzt sich fort
– E-Bike Trekking/SUV: 42 Prozent – vielseitige Alltagsräder bleiben stark nachgefragt
– Rennräder: 32 Prozent der Betriebe berichten von deutlicher Nachfrage
Last but not least würden Kinder- und Jugendräder sowie Cargo-Bikes das Sortiment ergänzen – »mit regionalem Gewicht, etwa E-City-Bikes in der Steiermark (75 Prozent)«.
Verhaltener Ausblick
Für die zweite Saisonhälfte erwarten 30 Prozent der Betriebe einen besseren Verlauf als 2025, 30 Prozent einen ähnlichen und 38 Prozent rechnen mit einer schwächeren zweiten Hälfte. Dabei blicken Tirol und Niederösterreich am optimistischsten in die zweite Saisonhälfte. Vorarlberg, Wien und Salzburg zeigen die verhaltensten Erwartungen.
Text: Jo Beckendorff/VSSÖ/ARGE Fahrradfachhandel


