Heißt, dass die Lagerbestände der Husqvarna- und GasGas-gebrandeten E-Bikes abverkauft werden. Für die Mehrheitsbeteiligung an der Fahrrad-Marke Felt in Höhe von 70 Prozent werden strategische Optionen evaluiert.
Wie der RadMarkt im letzten Jahr berichtete, war die Zentrale von Felt Bicycles von seinen gleichberechtigten Minderheits-Gesellschaftern Florian Burguet und Cesar Rojo bereits nach Barcelona verlegt worden – und dort in einer ehemaligen Textilfabrik, in der schon Cesar Rojos Designunternehmen Rojo Design und dessen MTB-Premium-Marke Unno zu Hause ist, eingezogen. Mit diesem Schritt hatte sich Felt schon quasi aus dem Pierer-Universum gelöst.
Fahrrad/E-Bike- und Motorrad-Verkäufe 2024 zweistellig runter
Laut den nun vorgelegten ersten vorläufigen ungeprüften Geschäftszahlen 2024 konnte Pierer Mobility im letzten Jahr 106.311 E-Bikes und Fahrräder absetzen. Verglichen mit dem Vorjahr ist das ein Rückgang von rund 32 Prozent. Die Österreicher führen den Verkaufsschwund vor allem auf den Verkauf von R Raymon an die deutsche »Fahrrad-Familie« Puello zurück.
Was den motorisierten Zweirad-Sektor der KTM AG betrifft, verkaufte die im letzten Jahr 292.497 Motorräder. Davon rollten rund 60.000 Stück über den indischen Partner Bajaj Auto. Verglichen mit dem Vorjahr ist das ebenfalls ein zweistelliger Rückgang von rund 21 Prozent.
Durchaus positiv: mit Hilfe der bewussten Reduzierung des Produktionsvolumens auf rund 230.000 Einheiten (minus 26 Prozent) konnten die letztjährigen Lagerbestände schon um rund 40.000 Einheiten (minus 18 Prozent) reduziert werden. »Dieser gezielte Lagerabbau, der ein elementarer Pfeiler des Sanierungsplans ist, setzte sich in den ersten Monaten des Geschäftsjahres 2025 weiter fort«, heißt es dazu aus der Pierer Mobility-Zentrale.
Vorläufige 2024er-Zahlen beruhen auf positiven Sanierungsausgang
Wie bereits angekündigt, verschiebt die börsennotierte Zweirad-Größe Pierer Mobility AG mit Hilfe einer Ausnahmegenehmigung seitens der SIX Exchange Regulation AG die für Ende April 2025 vorgesehene Veröffentlichung ihres Geschäftsjahres-Berichts 2024. Nichtsdestotrotz mussten die durch die Insolvenz ihrer motorisierten Zweirad-Tochter KTM AG angeschlagenen und weiter um einen Sanierungsplan ringenden Österreicher die oben genannten ersten vorläufigen und provisorischen Finanzkennzahlen für das Geschäftsjahr 2024 veröffentlichen.
Schließlich ist der erfolgreiche Abschluss des derzeit weiterlaufenden Investorenprozesses Voraussetzung für die Sanierung der KTM AG – und somit für den Fortbestand der Gruppe. Die hier genannten vorläufigen Zahlen beruhen auf der grundsätzlichen Annahme einer Unternehmensfortführung.
Anders ausgedrückt: »Sie gehen davon aus, dass die Finanzierung der Sanierungsverfahren der KTM-Gruppe rechtzeitig sichergestellt werden kann. Ziel der aktuell laufenden Verhandlungen ist es, die Finanzierung der Sanierungspläne in Höhe von insgesamt rund 600 Millionen Euro sicherzustellen.«
Laut den nun vorgelegten vorläufigen ungeprüften Kennzahlen 2024 erzielte Pierer Mobility Group im letzten Jahr einen Konzernumsatz von rund 1,88 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Vorjahr ist das ein Rückgang von rund 29 Prozent.
Aufgrund deutlich reduzierter Betriebsleistung und einmaliger Restrukturierungs-Aufwendungen ergibt sich daraus auch ein deutlich negatives operatives Ergebnis. Während EBITDA ein Minus von rund 484,3 Millionen Euro ausweist, liegt das EBIT bei minus 1,19 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2023 lag das EBITDA noch bei plus 323,5 Millionen Euro und das EBIT bei plus 160,0 Millionen Euro.
Laut Pierer Mobility beinhaltet das 2024er-EBIT »notwendige Wertberichtigungen im Rahmen des Sanierungsverfahrens sowie Impairments auf immaterielle Vermögensgegenstände (u.a. Entwicklungskosten) und Firmenwerte in Höhe von insgesamt minus 854 Millionen Euro«.
Das ist aber noch nicht alles: wie schob bekannt gegeben wurde, beäuft sich der Free Cashflow auf einen hohen negativen dreistelligen Millionenbetrag. Folglich erhöht sich die Nettoverschuldung zum Stichtag 31. Dezember 2024 auf 1,643 Milliarden und das negative Eigenkapital auf knapp 200 Millionen Euro.
Was den Österreichern in diesem Zusammenhang sehr wichtig ist: »Im Fall der Erfüllung der Sanierungspläne der KTM AG, der KTM Components GmbH sowie der KTM Forschungs & Entwicklungs GmbH wird es zu einem hohem Sanierungsgewinn kommen…Für den Fall des erfolgreichen Abschlusses des Sanierungsverfahrens der KTM AG, der KTM Components GmbH sowie der KTM Forschungs & Entwicklungs GmbH wird sich im Halbjahr 2025 die Nettoverschuldung deutlich reduzieren, was zu einem Sanierungsgewinn in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro führt. Damit wäre auch das Eigenkapital wieder deutlich, im hohen dreistelligen Millionenbereich, positiv«.
Liquidität für das Hochfahren der Motorrad-Produktion gesichert
Tatsache ist, dass die motorisierte Zweirad-Produktion im KTM-Werk Mattighofen – nachdem sie am 13. Dezember 2024 unterbrochen wurde – mit Hilfe einer Finanzspritze des strategischen Partners Bajaj am 17. März in ersten Schritten wieder hochgefahren wurde. Nach den derzeitigen Plänen und vorbehaltlich eines positiven Abschlusses des Investorenprozesses werden alle vier Produktionslinien im Sommer 2025 wieder im Betrieb sein: »Bis dahin wird auch die globale Lieferkette schrittweise reaktiviert, sodass ab dann ein flüssiger Produktionsablauf mit effizienten Durchlaufzeiten und ohne weitere Produktions-Unterbrechungen gewährleistet ist.«
Ausblick
»Wegen der schwierigen makroökonomischen Rahmenbedingungen sowie aufgrund des laufendes Sanierungsprozesses und des schrittweisen Hochfahrens der Produktion wird auch für das Geschäftsjahr 2025 ein negatives operatives Ergebnis (vor Sanierungsgewinn) erwartet«, heißt es dazu kurz und bündig.
Text: Jo Beckendorff



