Deutschland gilt zwar weiterhin als Fahrradnation – rund 96,5 Prozent der Bevölkerung besitzen oder besaßen ein Fahrrad –, doch die Serviceinfrastruktur kommt laut Report zunehmend an ihre Grenzen. 46,6 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, bereits Hindernisse bei Wartung oder Reparatur erlebt zu haben. Besonders auffällig: 33,1 Prozent nannten lange Wartezeiten im Fahrradfachhandel als Hauptproblem – der höchste Wert in ganz Europa.
Wartungsprobleme mit spürbaren Folgen
Die Studie zeigt, dass Serviceengpässe direkte Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten haben. Von denjenigen, die Probleme beim Service erleben, versuchen viele, Reparaturen selbst durchzuführen oder weichen auf andere Verkehrsmittel aus. Ein erheblicher Teil fährt seltener Rad, ein kleiner, aber relevanter Anteil gibt das Radfahren sogar ganz auf. Shimano sieht darin ein strukturelles Risiko für den Radverkehr insgesamt.
Sicherheitsgefühl für Kinder stagniert
Auch beim Thema Sicherheit zeichnet der Bericht ein kritisches Bild. 65 Prozent der Befragten in Deutschland stimmen der Aussage nicht zu, dass Radfahren für Kinder in den vergangenen zwölf Monaten sicherer geworden sei – was so viel heißt, dass in puncto Fahrradsicherheit für Kinder keine wahrnehmbaren Verbesserungen im vergangenen Jahr erzielt wurden. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld. Als wichtigste Stellschraube nennen die Befragten quer durch alle Altersgruppen eine kindgerechte, sichere Fahrradinfrastruktur.
Wahrnehmung der Infrastruktur bleibt verhalten
Nur 41 Prozent der deutschen Befragten nehmen Verbesserungen der lokalen Fahrradinfrastruktur im letzten Jahr wahr. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit der geringsten positiven Wahrnehmung in Europa. Auch hier bedeutet die Wahrnehmung von Verbesserungen nicht, dass der Zustand der Infrastruktur schlecht ist oder sich verschlechtert hat; mit Blick auf Märkte mit Fahrradinfrastruktur auf einem hohen Niveau, wie die Niederlande oder Dänemark, zeigen sich ebenfalls geringe Steigerungen bei der Wahrnehmung von Verbesserungen (Niederlande +4,1%, Dänemark +7,16%), weil man hier bereits auf einem sehr hohen Niveau unterwegs sei, wie der Shimano-Report klarstellt.
Shimano sieht Handlungsbedarf
„Der Bericht zur Lage der Nation ist ein Weckruf für alle, denen die Zukunft des Radfahrens in Europa am Herzen liegt“, sagt Ties van Dijk, Advocacy Specialist bei Shimano Europe. „Wir sehen Millionen von Menschen, die gerne Fahrrad fahren würden, aber durch Hindernisse davon abgehalten werden, die es eigentlich nicht geben dürfte, angefangen bei mangelnder Verfügbarkeit und komplexer Wartung bis hin zu Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Kindern beim Radfahren. Die physische Infrastruktur verbessert sich zwar vielerorts, aber diese Infrastruktur allein reicht nicht aus. Wenn wir es den Menschen nicht leicht machen, ihre Fahrräder zu warten, und es für die nächste Generation nicht sicher machen, Fahrrad zu fahren, riskieren wir einen Rückgang der Fahrradnutzung, und das gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft aktive, nachhaltige Mobilität am dringendsten benötigt.“
Den kompletten Bericht kann man hier ansehen:
https://bike.shimano.com/stories/article/state-of-the-nation-2026.html


