Hauptkritikpunkt sind nach Angaben der Tester zu starke Vorderbremsen, die die Normvorgaben teils deutlich überschreiten. Laut Testbericht überschritten die Vorderbremsen der Modelle von Academy, Bachtenkirch, Bikestar und Cube die zulässigen Werte. Bei Dino Bikes wurde dagegen eine zu schwache Hinterbremse festgestellt; zudem brach im Belastungstest die Gabel. Die Note für die Bremsen gilt als sogenanntes KO-Kriterium und wirkt sich unmittelbar auf das Gesamturteil aus. Testsieger wurde das Modell Woom Go 2 mit der Gesamtnote 1,6.
Bachtenkirch sieht Abwertung als Folge des Bewertungssystems
Ralf Bachtenkirch, Geschäftsführer der Bachtenkirch-Interbike GmbH & Co. KG bestätigt, dass das getestete 14-Zoll-Modell aufgrund erhöhter Bremskräfte bei höheren Betätigungskräften abgewertet wurde. Nach seinen Angaben lagen die gemessenen Bremskräfte bei einer Handkraft von 60 Newton rund 10 Prozent und bei 80 Newton rund 16 Prozent über den Normwerten. Diese Abweichungen hätten als KO-Kriterium zu einer Abwertung um drei Noten auf „Mangelhaft“ geführt.
Zugleich verweist Bachtenkirch darauf, dass das Modell in den Prüfrubriken „Fahren“, „Ergonomische Eignung“, „Handhabung“ und „Schadstoffe“ ein nahezu durchweg gutes Ergebnis erzielt habe. In der Kategorie „Sicherheit und Haltbarkeit“ sei im Teilbereich „Bruchfestigkeit und Haltbarkeit“ sogar die Bewertung „sehr gut“ erreicht worden.
Der Geschäftsführer stellt zudem die praktische Relevanz der gemessenen Kräfte infrage. Die für die Grenzwertüberschreitung maßgeblichen Handkräfte von etwa 80 Newton könnten kleine Kinder, die typischerweise ein 14-Zoll-Rad nutzten, nach seiner Darstellung faktisch nicht aufbringen. Zudem habe man im Vorfeld mit dem Projektleiter der Stiftung Warentest über Einstellmöglichkeiten gesprochen, mit denen sich die Normwerte erreichen ließen. Entsprechende Hinweise gebe das Unternehmen auch online.
Korrekte Montage und Einstellung zweifelhaft
Darüber hinaus äußert Bachtenkirch Zweifel an der Endmontage und Einstellung des Testmodells. Die mitgeteilte Montagezeit erscheine aus seiner Sicht für eine sichere Endmontage mit korrekter Bremseneinstellung zu gering gewesen. Mit einfachen Einstellmethoden ließen sich die wirksamen Kräfte in ein anderes Verhältnis bringen. Der Einsatz handelsüblicher Power-Modulatoren habe nach Unternehmensangaben keine positive Wirkung gezeigt, da diese meist erst im oberen Kraftbereich wirksam würden.
Für die 2026er Modelle kündigt Bachtenkirch eine veränderte Grundeinstellung der Vorderradbremse an. Zudem sollen bei der Überarbeitung des betroffenen Modells die Bremsschenkellängen gekürzt werden. Ziel sei es, die Normvorgaben sicher einzuhalten.
Reaktionen der weiteren Anbieter
Auch andere betroffene Anbieter nahmen Stellung. Academy bietet nach eigenen Angaben verunsicherten Kunden den Einbau eines Power-Modulators an, weist jedoch darauf hin, dass dieser die Bremsleistung reduzieren und den Bremspunkt schwammig machen könne.
Bikestar verweist auf eine sachgemäße Montage und Einstellung der Bremsen und bietet eine individuelle Überprüfung sowie gegebenenfalls Nachjustierung oder Austausch einzelner Komponenten an.
Cube teilt mit, es lägen keine Beschwerden oder Hinweise auf eine Überforderung von Kindern vor. Verunsicherte Kunden könnten einen Power-Modulator kostenlos über den Fachhandel anbauen lassen. Aktuelle Modelle verfügten über eine andere Bremsanlage.
Dino Bikes zeigte sich überrascht über die festgestellten Mängel und sieht nach eigenen Angaben keinen Anlass für Umtausch, Rückruf oder Verkaufsstopp.
Für den Fachhandel ist der Test vor allem in zwei Punkten relevant: Zum einen erhöht er die Sensibilität für die normgerechte Einstellung von Bremsen bei Kinderfahrrädern. Zum anderen rückt er die Frage nach Dokumentation, Endmontagequalität und Übergabeinspektion stärker in den Fokus. Da die Note für die Bremsen als KO-Kriterium gewertet wird, können selbst begrenzte Abweichungen erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtbewertung und damit auf die Marktwahrnehmung haben.
