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Studie: Lieferdienst-Fahrer erleiden fast einen Unfall pro Jahr – Pedelec-Anteil besonders auffällig
Fast ein Unfall pro Person und Jahr – so lautet das zentrale Ergebnis einer neuen Studie der Technischen Universität Dresden im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Es sticht dabei vor allem ein Detail hervor: 63 Prozent der befragten Auslieferungsfahrer fahren Pedelecs – und Pedelec-Fahrende stürzen aufgrund glatter Oberflächen deutlich häufiger als Fahrradfahrende ohne Motorunterstützung (50 gegenüber 37 Prozent).
Auslieferungsfahrer auf dem Pedelec im Stadtverkehr – eine neue DVR-Studie belegt eine Unfallquote, die weit über dem Branchendurchschnitt liegt.Foto: Christoph Rieger / DVR

Die Studie erfasste eine Ereignisrate von 0,9 Unfällen pro Person innerhalb von zwölf Monaten. Gemessen an der Tausend-Mann-Quote – dem Branchenvergleichsmaßstab der Berufsgenossenschaften – liegt die Unfallquote der Auslieferungsfahrer bei rund 298 Betroffenen pro 1.000 Vollzeitbeschäftigten. Zum Vergleich: In der Verkehrswirtschaft, Postlogistik und Telekommunikation lag dieser Wert 2024 bei durchschnittlich rund 34. Berufseinsteiger mit weniger als einem Jahr Erfahrung weisen sogar rund fünf Unfälle pro Jahr auf; ab drei Jahren Berufserfahrung stabilisiert sich die Rate bei etwa einem Unfall jährlich.

Abends besonders gefährlich

Rund die Hälfte aller Unfälle ereignet sich zwischen 18 und 21 Uhr – der klassischen Lieferdienst-Rushhour, die häufig mit Zeitdruck und schlechten Lichtverhältnissen zusammenfällt. 71 Prozent der erfassten Unfälle sind Alleinunfälle; als häufigste Ursache nennen 72 Prozent der Befragten rutschige Oberflächen durch Laub, Nässe oder Eis. Unebene Untergründe wie Schlaglöcher oder Baumwurzeln spielen bei 37 Prozent eine Rolle, Straßenbahnschienen bei 32 Prozent. Bei Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern waren Pkw-Fahrende (23 Prozent) und Fußgänger (19 Prozent) am häufigsten beteiligt; das sogenannte Dooring – Unfälle durch plötzlich geöffnete Autotüren – machte 11 Prozent aller Unfallsituationen aus. Jeder zweite Unfall endet mit Verletzungen, vor allem an Beinen und Füßen (73 Prozent) sowie Schultern, Armen und Händen (62 Prozent).

Dunkelziffer erheblich

Die Studie deckt zudem eine erhebliche Untererfassung auf: 26 Prozent der verunfallten Rider haben noch nie einen Unfall an ihren Arbeitgeber gemeldet; nur 12 Prozent meldeten ausnahmslos jeden Vorfall. Unfälle ohne längere Krankschreibung bleiben in 53 Prozent der Fälle ohne offizielle Meldung.

DVR-Präsident Manfred Wirsch fordert konkretes Handeln: „Hinter jeder Lieferung steht ein Mensch. Es ist nicht akzeptabel, dass Riderinnen und Rider täglich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen müssen. Erste Handlungsempfehlungen liegen auf dem Tisch – jetzt müssen wir sie umsetzen, um unsere Straßen von Gefahrenzonen in sichere Arbeitsplätze weiterzuentwickeln.“

Die Empfehlungen der Studie richten sich an Arbeitgeber, Kommunen und den Gesetzgeber: verpflichtende Schlechtwetter-Pausen in Liefer-Apps, witterungsangepasste Routenempfehlungen, mehrsprachiges Unfall-Reporting sowie eine sichere und ganzjährig unterhaltene Radverkehrsinfrastruktur.

Über die Studie

Die befragten Lieferdienst-Fahrerinnen und -Fahrer sind überwiegend männlich (93 Prozent), im Durchschnitt 30 Jahre alt und zu 75 Prozent im Ausland aufgewachsen. Die häufigsten Herkunftsländer sind Indien, Bangladesch, Pakistan, die Türkei und Syrien. Rund 70 Prozent verfügen über einen Bachelorabschluss oder eine höhere akademische Qualifikation. Für ihre Arbeit nutzen die Riderinnen und Rider mehrheitlich Pedelecs (63 Prozent), gefolgt von konventionellen Fahrrädern (34 Prozent).

Die Studie „Sicher unterwegs auf zwei Rädern: Verkehrsunfälle und Präventionspotenziale im Arbeitsalltag von Rider*innen“ wurde von der Professur für Verkehrspsychologie der Technischen Universität Dresden im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates und in Zusammenarbeit mit diesem durchgeführt. Online befragt wurde eine Stichprobe von 709 aktiv Fahrenden von Fahrrädern, Pedelecs und Lastenrädern im urbanen Raum. Die Erhebung fand vom 18. Februar bis zum 19. April 2026 statt.

Die Studie wurde von Dipl.-Psych. Juliane Anke, Simon Heintzen (M.Sc.), Clara Moeller (B.Sc.) und Prof. Dr. rer. nat. habil. Tibor Petzoldt erarbeitet. Seitens des DVR wurde das Projekt von Dr. Coline Kuche, Claire Borowski und Kay Schulte umgesetzt.

Die gesamte Studie kann unter dem folgenden Link abgerufen werden:

https://www.dvr.de/mediencenter/publikationen/sicher-unterwegs-auf-zwei-raedern/

 

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