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Studie zu Frauen in der Fahrradbranche: Mehr Fairness gebraucht
Auch wenn Frauen in der Fahrradbranche in vielen Bereichen präsent sind, bleiben Technik, Führung und faire Bezahlung für sie eher selten erreichbar. Das zeigt die bislang größte Studie zur Situation von Frauen in der Fahrradwirtschaft. Das Ergebnis präsentierten und diskutierten Expertinnen auf der Eurobike 2025.
Die Fahrradbranche muss sich professionalisieren, um fairer für Frauen zu sein, fordert Women in Cycling auf Basis einer großen Studie zur Situation von Frauen in der Branche. V. l. n. r.: Angela Francke, Andrea Kurz, Sandra Wolf, Anke Schäffner und Isabell Eberlein.Foto: Women in Cycling

Für die Studie »Arbeitsbedingungen in der Fahrradbranche«, durchgeführt von der Universität Kassel, der Hochschule RheinMain, Women in Cycling Germany und dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), wurden mehr als 680 Personen aus der Branche befragt – davon 44 Prozent Frauen und 0,3 Prozent divers. Ziel war es, strukturelle Barrieren sichtbar zu machen und Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen und Politik aufzuzeigen.

Die Macherinnen der Studie kristallisierten Folgendes heraus:

  • Nur 30 Prozent der Top-Management-Positionen sind weiblich besetzt – im Handel und in der Produktion sogar nur 22–23 Prozent.
  • Frauen sind in den höheren Gehaltsklassen deutlich unterrepräsentiert und empfinden besonders bei Gehalt und Aufstieg massive Benachteiligung.
  • Die dringendsten Forderungen der Befragten sind: höhere und gleichberechtigte Bezahlung, flexible Arbeitszeitmodelle und sichtbare Vorbilder.
  • In den Bereichen Handel, Vertrieb und Produktion erleben Frauen unfaire Aufgabenverteilungen und strukturelle Hürden besonders stark.

Frauen wollen gestalten – jetzt ist die Branche gefragt

Das Potenzial und den Wunsch, die Branche mitzugestalten, bringen die Frauen mit, fassen die Macherinnen der Studie zusammen: 65 Prozent der befragten Frauen wollen sich weiterqualifizieren, 35 Prozent streben aktiv Führungspositionen an. Nur 14 Prozent möchten in ihrer derzeitigen beruflichen Situation verbleiben. Jede zehnte Frau denkt über einen Branchenwechsel nach.

Frauen wissen, was sie brauchen – jetzt sei es an der Branche, zu liefern, resümierten die Expertinnen, die am Panel auf der Eurobike 2025 teilnahmen, in dem die Studienergebnisse diskutiert wurden. Wer Vielfalt und Gleichstellung jetzt nicht aktiv angeht, riskiert Fachkräfte, Innovationskraft – und Glaubwürdigkeit, folgerten die Panel-Teilnehmerinnen.

Professionalisierung und Netzwerke nötig

»Nachdem wir die Branchenstudie erstmalig durchgeführt haben, ist es für uns wichtig, auf den gewonnenen Daten aufzubauen und die Studie regelmäßig zu wiederholen«, erklärte Prof. Dr. Angela Francke von der Universität Kassel. »Diversität ist dabei zentral für die ganze Branche: Es geht um Männer, Frauen und diverse Personen, die gemeinsam der Schlüssel dafür sind, dass die Branche attraktiv bleibt.«

»Diversität und Frauenförderung müssen in die Breite getragen werden«, sagte Anke Schäffner vom ZIV und sieht den Verband in der Verantwortung, die nötigen Allianzen zu schmieden: »Dafür braucht es stärkere Vernetzung in der Branche und mit externen Partnern. Diversität ist kein Frauenthema, sondern betrifft alle Menschen. Unser Appell: gemeinsam handeln für eine vielfältige und zukunftsfähige Branche.«

Sandra Wolf von Riese & Müller forderte die Professionalisierung der Branche »Vor allem auch, um Frauen anzuziehen und Frauen in der Branche zu halten. Denn gerade in dieser Phase, in der sich die Fahrradbranche befindet, brauchen wir Strukturen. Und gerade das fordern auch Frauen ein, um sich entfalten zu können und ein Umfeld vorzufinden, wo wirklich diskriminierungsfrei und im Menschsein gearbeitet werden kann.«

»Wir wollen alle Menschen auf das Fahrrad bringen – Frauen wie Männer. Dafür braucht es in der Fahrradbranche auch mehr Frauen«, ergänzte Andrea Kurz. Dazu brauche es neben der Professionalisierung auch mehr klare Ziele und Vernetzung.

Isabell Eberlein von Velokonzept und Mitgründerin von Women in Cycling (WIC) sieht als Aufgabe von Women in Cycling jetzt, die Gender Data Gap weiter zu schließen, in Networking, Mentoring und Weiterbildung zu investieren und Frauen fit zu machen. Unternehmen wie JobRad und Riese & Müller zeigten, wie sich Strukturen verändern lassen.

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