Bei einem US-Insolvenzverfahren nach Chapter 11 handelt sich um ein freiwilliges Verfahren, mit dem ein in Schieflage geratenes Unternehmen eine Umstrukturierung in Eigenverwaltung anstrebt und dabei den Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung fortführt.
Mit Lynskey Performance Products ist ein weiterer »Made in USA« Premium-Nischenproduzent in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Laut eingereichter Gerichtsunterlagen habe vor allem die Entscheidung, die cloudbasierte E-Commerce-Plattform Shopify für den Aufbau des E-Commerce-Geschäfts zu nutzen, zur Insolvenz des Familienbetriebs geführt. Mit E-Commerce sollte auch das Direktvertriebs-Geschäft (D2C) angekurbelt werden.
»Aufgrund des geringeren Cashflows geriet der Schuldner bei der Auftragsabwicklung in Verzug, da er keine Komponenten dafür kaufen konnte. Darüber hinaus häuften sich die Rechnungen der Lieferanten, und Shopify verlangte willkürliche Rückstellungen und unverhältnismäßige Rückbuchungen für verspätete Bestellungen in Höhe von mindestens etwa 550.000 USD (468.000 Euro) innerhalb der 90 Tage vor Einreichung des Insolvenzantrags des Schuldners«, heißt es in einem beim oben genannten Insolvenzgericht eingereichten Unternehmensprofil. Der Schritt Richtung Shopify wurde von dem in Chattanooga/Tennessee beheimateten Hersteller auch in Anbetracht gesundheitlicher Probleme seitens David Lynskey getroffen.
Lynskey Performance wurde 2005 von der Familie Lynskey unter Federführung der geschäftsführenden Gesellschafter David und Mark Lynskey gegründet. Das Duo hatte sich aber schon lange vorher mit ihrem Titan-Rahmenbau einen Namen gemacht. 1984 hatte David Lynkey den Titan-Bikehersteller Litespeed Bicycles ins Leben gerufen. Nachdem er diesen Anbieter 1999 an den ebenfalls in Chattanooga ansässigen Hersteller American Bicycle Group (weitere Marken: Quintana Roo und Obed) verkaufte, starteten David Lynskey und Familie unter eigenem Namen durch.
Text: Jo Beckendorff


