VDZ mahnt: Fällt Bosch zurück?
In seiner aktuellen Lageeinschätzung zeichnet der Handelsverband Zweirad (VDZ) ein kritiisches Bild der Gesamtlage. Neben der allgemeinen Unsicherheit macht der Händlerverband auch die Wettbewerbssituation bei E-Bike-Antrieben zum Thema. Nachstehend der Wortlaut des Statements.
VDZ-Logo.

„Kaum eine Branche ist derzeit so verunsichert und zugleich so ratlos wie die Fahrradbranche, wenn es darum geht, ihre Zukunft zu gestalten. Die Lager sind gut gefüllt, allerdings häufig nicht mit den richtigen Produkten, nicht in den richtigen Farben und nicht in den passenden Rahmenhöhen. Gleichzeitig zeigt sich die Industrie so unflexibel wie eh und je: Sie ist weder in der Lage, noch willens und scheinbar nicht fähig oder bereit, kurzfristig auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren.

Mit Gobao und Avinox greifen chinesische Anbieter die lange als unangreifbar geltende Dominanz der Bosch-Motoren an. Etablierte Lieferanten sprechen Bosch bereits heute öffentlich die Rolle des Platzhirschs ab. Auch die aktuellen Messen machen deutlich, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Einige Hersteller und Importeure sahen sich gezwungen, ihre Preise für die kommende Saison zu reduzieren, teilweise sehr kurzfristig auf B2B-Messen oder nachträglich nach Vororder-Messen, und reagierten so auf ausbleibende Vorordern und Kritik aus dem Handel. Zumindest die Mechanismen des Marktes funktionieren wieder, wenn auch zu Lasten der Margen und Durchschnittspreise.

Die Endverbraucher wird das freuen. Es zeigt sich, dass sich die Nachfrage auf einem stabil hohen Niveau einpendelt. Ob jedoch künftig alle Lieferanten zuverlässig liefern können, darf zumindest bezweifelt werden – schließlich muss auch dort Geld verdient werden. Die Rabatte bleiben hoch, die Verkäufer im Handel sind durch die Rabattschlachten und Sonderposten darauf konditioniert, über den Preis zu verkaufen, und Service- sowie Werkstattleistungen werden vielerorts weiterhin nahezu verschenkt. Gleichzeitig fehlen dadurch die finanziellen Spielräume, um Mitarbeiter angemessen zu bezahlen – und dennoch wird seit Jahrzehnten über den Fachkräftemangel geklagt.

Und wie in jedem Jahr wird erwartet, dass der etablierte, inhabergeführte Fachhandel, der flächendeckend Service bietet und die Ausbildung von Fachkräften sicherstellt, den Herstellern über die Vororder erneut Planungssicherheit und Liquidität gegenüber den Banken verschafft. Im Gegenzug räumen diese den Filialketten und Verramschern der Branche attraktive Konditionen ein und beliefern sie mit Sonderposten. Mit deren Hilfe wird anschließend genau den Händlern das Leben schwer gemacht, die dieses System überhaupt erst ermöglichen.

Findet den Fehler.“

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