Velosuisse Infotech 2026 wieder im Aufwind
‌„Zuversichtlich in die Velozukunft“: Das Motto der diesjährigen Infotech spiegelte sich in gestiegenen Teilnehmerzahlen und einer positiven Grundstimmung. 758 Tickets wurden für die zweitätigen Fahrradfachhandels-Schulung im Seminarhotel Sempachersee in Nottwil verkauft.
Spannende Fachdebatten prägten die Infotech 2026.Foto: Martin Platter

Das Event am 19. und 20. Januar erlebte zudem eine deutliche Verjüngung. 130 Auszubildende ließen sich in 250 Seminaren und drei Foren in Technik, Betriebswirtschaft, Verkaufstraining, Mitarbeiter- und Unternehmensführung auf den aktuellen Wissensstand bringen.

Die 23. Infotech begann am Montagmorgen gleich mit dem ersten Highlight. Die Begrüßung, die zugleich das erste von drei Foren war, sprachen die neue Velosuisse-Präsidentin Nathalie Schneitter sowie 2-Rad-Schweiz-Präsident Robert Weishaupt. Sie äußerten sich in vielen Bereichen übereinstimmend. So müsse die Velobranche ihren Einfluss in „Bundesbern“ noch deutlicher geltend machen. Und, dass mit vereinten Kräften die Chance, politische Ziele zu erreichen, deutlich steige.

Herausforderung Fachkräftemangel

Das zweite Forum nach dem Mittagessen widmete sich dem Fachkräftemangel und wie ihm mit attraktiven Anstellungsbedingungen und guter Ausbildung entgegengewirkt werden kann. Laurens van Rooijen von Cyclinfo bezog sich in seinem Impulsvortrag auf eine Shimano-Studie zur Arbeitssituation in den Fahrradwerkstätten Europas. Müssen die Kunden zu lange auf Fahrradreparaturen warten, helfen sie sich entweder selbst oder springen ab. Eine Ursache für lange Wartezeiten ist die Unterbesetzung in Werkstätten. Das Fachbüro Dynamot hat festgestellt, dass rund ein Drittel der Schweizer Fahrradhändler zu Beginn der Saison händeringend nach Personal sucht. Dazu kommt, dass rund ein Drittel der Berufsabgänger die Branche wechselt, was den Fachkräftemangel zusätzlich befeuert. Das kostet Umsatz.

Über die Wichtigkeit der Berufsbildung referierten anschließend der amtierende Fahrradmechaniker-Schweizermeister Lorin Engeli von Randen Bike in Beringen, 2-Rad-Schweiz-Berufsbildungsobmann Roland Fischer und der Lehrlingsausbilder Marius Graber von Velociped in Kriens.

Angebot und Nachfrage in einer freien Marktwirtschaft

Das große Abendforum befasste sich mit der Veränderung der Wertschöpfungskette seit 2015. In seinem Input-Referat erklärte Velosuisse-Vizepräsident Christian Bättig von Chris Sports, wie sich der Markt in den letzten zehn Jahren verändert hat. „Omnichannel“ ist die Zauberformel in der Vertriebsstruktur der freien globalisierten Marktwirtschaft. Fast Alle kaufen und verkaufen inzwischen über mehrere Kanäle – auch online. Das bringt das Preisgefüge durcheinander, und die Warenflüsse sind schwer zu kontrollieren – zumal in einem Markt, der wie zuletzt der Fahrradmarkt unter starkem Druck von Überlagern stand. Das drückt auf die Preise aller Handelsstufen. Margenerosion ist die Folge und das Abwandern eines Teils der Erträge in den Online-Handel.

Für den serviceorientierten stationären Fachhandel, aber auch für serviceorientierte Lieferanten kann das zum Problem werden. Dies debattierten im anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Christian Rocha, Fachhändler und Primebike-Group-Präsident Urs Vogelsanger, Veloplus-Geschäftsführer Dominique Metz und Reto Meyer, Co-CEO von Fahrradhersteller Tour de Suisse Rad. Interessanterweise sind vor allem die empfohlenen Verkaufspreise der Hersteller kontraproduktiv. Denn diese werden meist als Referenz für beworbene Preisabschläge genutzt.

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