Die Konkretisierung der Empfehlung geht maßgeblich auf die VSF-Jahrestagung 2025 im November in Leipzig zurück. In einem Workshop diskutierte der Verband gemeinsam mit dem Handel Praxiserfahrungen rund um Überführungskosten, Leasingabwicklung und Vormontagequalität.
„Es war gut auch zu diesem Thema einmal mehr mit unseren Mitgliedsunternehmen ins Gespräch zu gehen, denn ganz offensichtlich ist die Realität im Markt sehr unterschiedlich. Auch und gerade im stationären Fachhandel“, berichtet der Geschäftsführer des VSF, Uwe Wöll. Es gebe Hersteller, deren Räder durch eine hervorragende Vor- und Endmontage praktisch ohne zusätzlichen Aufwand im Laden ankämen. Und auch Leasinggesellschaften brächten sehr unterschiedliche Modelle mit sich. „Wir sehen, dass eine pauschale Überführungsgebühr manchen Kooperationspartnern nicht gerecht werden würde“, sagt Wöll.
„Wer als Partner fair agiert und den Handel entlastet, darf gerne davon profitieren“, sagt Wöll. Deshalb rät der VSF nunmehr dazu, Überführungsgebühren nur dort zu erheben, wo tatsächlich überproportionale Kosten oder Aufwand entsteht. Relevante Kriterien könnten demnach sein: Umfang und Qualität der Montage durch den Hersteller, zusätzliche Services, die der jeweilige Fachhandel im Rahmen der Auslieferung übernimmt und Abwicklungsaufwand sowie Rabatt- und Konditionsforderungen von Leasinggebern, die direkt zu Lasten der Handelsmarge gehen. Eine hohe Qualität der Vormontage und Leasingmodelle, die den Fachhandel nicht mit versteckten Rabatten und immer neuen Sonderbedingungen unter Druck setzen, tragen also entscheidend dazu bei, dass Überführungsgebühren moderat bleiben oder ganz entfallen können“, erläutert Wöll.
Es gebe einige positive Beispiele: Anbieter, die die Serviceleistungen des Fachhandels unterstützen und Prozesse optimieren, wodurch die Aufwendungen im Onboarding von Kunden reduziert werden könnten. Und ebenso Lieferanten, die eine hohe Montagequalität mitbrächten und dem Handel zudem mitteilen, welche Schritte noch kontrolliert werden müssen. Und schließlich gebe es auch Leasingprovider, die weder Rabatte noch Provision erwarten und dieses über Jahre sicherstellen. „Wir sehen durchaus, dass sich gerade hier im Moment etwas tut“, sagt Wöll. Dementsprechend sollten solche Handelspartner, die den Handel auf unterschiedliche Art und Weise entlasten, nicht „in Sippenhaft der notwendigen Kostenschraube gelangen.“
Mit der aktuellen Empfehlung zu den Überführungsgebühren wolle sich der Verband allerdings nicht als Richter über „gute“ oder „schlechte“ Partner, sondern vielmehr als Impulsgeber für transparente und faire Geschäftsmodelle verstanden wissen: „Wir laden Hersteller und Leasinganbieter ausdrücklich ein, unsere Kriterien zum Anlass zu nehmen, ihre Konditionen und Prozesse zu überprüfen“, betont Wöll. „Wer den Fachhandel stärkt, stärkt die gesamte Fahrradbranche. Differenzierte Überführungsgebühren und faire Leasingmodelle sind dafür ein wichtiger Baustein.“
Linexo unterstützt Kurs
Der Leasinganbieter Linexo by Wertgarantie begrüßt diese Entwicklung.
„Eine Überführungsgebühr können wir als notwendiges Übel im aktuellen Markt grundsätzlich nachvollziehen. Wenn auf alle Anbieter erhoben, würde sie jedoch nicht zu besseren Rahmenbedingungen führen. Dass der VSF nun nachgeschärft hat, begrüßen wir. Das Signal ist deutlich: Faire Partnerschaften, Transparenz und Verlässlichkeit werden belohnt“, so Sören Hirsch, Bereichsleitung beim Leasinganbieter und Fahrradversicherer Linexo.
Mit Leasing und Versicherung aus einer Hand adressiert Linexo nach eigener Aussage die Herausforderungen des Fachhandels, die unter den von Leasinganbietern geschaffenen Marktbedingungen heute bestehen: Statt die Marge des Handels durch sogenannte Rabatte zu schmälern, zahlt Linexo für jedes geleaste Bike eine Provision.
Der Aufwand ist dabei reduziert auf das Tipp-Geben: „Der regional bestens vernetzte Handel macht Arbeitgeber auf Dienstrad-Leasing mit linexo aufmerksam. Die aufwendige Anbindung der Unternehmen übernehmen hingegen wir. Damit können sich unsere Partner ganz auf ihre Stärken im Verkauf und Service konzentrieren“, erklärt Hirsch und ergänzt: „Und das Beste: Das ist keine Promo-Aktion“. Das am Dienstag vorgestellte Provisionsmodell gilt bis mindestens zum Auslauf des Leasingerlasses in 2030.
Mehr Transparenz bei der Absicherung von Diensträdern
Ein weiterer Schmerz des Handels: Weil die von Leasinganbietern angebotenen Absicherungen so verschieden und teilweise lückenhaft seien, entstehe auch während der 36-monatigen Leasinglaufzeit in der Werkstatt immenser Verwaltungsaufwand. „Was ist im Basisschutz enthalten? Hat der Leasingnutzende zusätzliche Schutzpakete und wer muss am Ende was zahlen? Diese Fragen sorgen bei unseren Partnern in den Werkstätten für zusätzlichen Aufwand und bei denen, die einfach nur ihr Dienstrad sorgenfrei radeln wollen, für Frust“, wird Hirsch aus dem Netzwerk von 2.000 Fachhandels-Partnern berichtet. Die Antwort von Linexo ist die Absicherung eines jeden geleasten Bikes mit einem Komplettschutz. Inspektionen, Reparaturen, Diebstahlersatz und Pannenservice sind darin enthalten.

